MPLS für WAN-Verbindungen: Vor- und Nachteile

Die WAN-Verbindungsoption MPLS bietet QoS, hohe Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit. Carrier Ethernet und Internet-Services sind mögliche Alternativen.

Wenn es um Wide Area Networks (WANs) geht, dann spielt Multiprotocol Label Switching (MPLS) ganz klar die erste Geige. 74 Prozent der Unternehmen, die in der Nemertes-Umfrage 2011/12 Computing und Communications teilgenommen haben, setzen erfolgreich Services mit MPLS/IP-VPN ein. Wir beziehen uns hier natürlich auf IP-VPNs auf Layer 3. Hierbei unterhalten sich die Router der Provider mit den sogenannten Edge-Routern der Kunden. Die Kommunikation zwischen Provider und Unternehmen geschieht auf IP-Ebene.

Vorteile von Multiprotocol Label Switching

Warum benutzen Firmen Multiprotocol Label Switching? Nachfolgend finden Sie einige Vorteile von MPLS:

  • Outgesourctes Routing: Bei MPLS kümmert sich der Provider um das WAN-Routing. Das bedeutet natürlich auch, dass sich die Anwender nicht damit befassen müssen. Somit ist MPLS einfacher als das Management eines großen, gerouteten Netzwerks. Unternehmen müssen also weniger WAN- oder Router-Techniker im eigenen Hause beschäftigen.
  • Any-to-Any-Verbindungen: Applikationen wie zum Beispiel Sprache (VoIP) und Video setzen auf so genannte Any-to-Any-Traffic-Muster. MPLS ermöglicht eine einfache Verbindung von Standorten untereinander. So lassen sich diese Formen an Traffic-Mustern einfacher behandeln.
  • Eingebaute Unterstützung für Quality of Service (QoS): Im Grunde genommen bringen alle kommerziellen MPLS-Services mehrere Niveaus an QoS mit. Der Anwender kann also die minimalen Schwellwerte für Latenz, Jitter und Paketverluste für jede Art an Traffic festlegen. Wir sprechen hier zum Beispiel von Sprache, Video, E-Mail, Dateiübertragungen und so weiter. Das bedeutet logischerweise, dass MPLS latenzempfindlichen Traffic wie Sprache oder Video gegenüber weniger Latenz-abhängigem Traffic priorisiert.
  • Service-Level Agreements (SLAs ) mit garantierten Bereitstellungen: Wie bei den meisten kommerziellen Services stellen MPLS-Provider ebenfalls Garantien für Installationszeit und Verfügbarkeit zur Verfügung. Das steht hier im Gegensatz zu Verbraucher-Internet-Verbindungen, die in der Regel als bestmöglich ausgewiesen sind.

Wo im WAN setzt man MPLS ein?

Wie setzen Unternehmen MPLS ein? Durch die bereits genannten Vorteile von MPLS überrascht es wenig, dass die häufigsten Einsatzzwecke das Verbinden von Zweigstellen zu Data Centern oder das Verbinden von Außenstellen untereinander sind. 67 Prozent der Umfrageteilnehmer der Nemertes-Studie verwenden MPLS exakt für diese Szenarien. Knapp über die Hälfte, 52 Prozent, verbinden damit Data Center untereinander. 20 Prozent haben angegeben, die Technologie für die Verbindung zu Remote-Standorten zu benutzen.

Abbildung 1: Eine dreistufige (drei Tiers) WAN-Architektur

Das stimmt mit dem überein, was Nemertes als eine dreistufige WAN-Architektur bezeichnet (Abbildung 1). Die Idee hinter einem dreistufigen WAN ist, dass es kein Universalkonzept hinsichtlich einer WAN-Technologie gibt. Stattdessen funktionieren einige Technologien und Services in bestimmten Netzwerkstufen besser als andere. Die meisten Unternehmen setzen auf eine Mischung, die aus zwei oder mehr Technologien besteht, um alle drei Stufen abzudecken.

MPLS im Vergleich mit alternativen WAN-Verbindungen

Wie bereits beschrieben, ist MPLS eine tolle Technologie. Man verwendet sie häufig, um Data Center und Zweigstellen miteinander oder Außenstellen untereinander zu verknüpfen. Dieses Niveau an Verbindung umfasst Tier 2 in der WAN-Architektur. Wie sieht es aber mit den beiden anderen Tiers aus?

Carrier Ethernet

Für Tier 1, das Verbinden von Data Centern, ist die häufigste Alternative zu MPLS der Einsatz von Carrier Ethernet. Carrier Ethernet ist ein Überbegriff, der Point-to-Point Ethernet, Metro Ethernet und Any-to-Any-Topologien wie zum Beispiel Virtual Private LAN Services (VPLS) beinhaltet. Der gemeinsame Nenner bei all diesen Services ist, dass sie auf Layer 2 operieren. Dort handhaben Unternehmen das gesamte Routing.

Der große Vorteil von Carrier Ethernet Services ist die angesichts der Datenrate günstige Bandbreite. Außerdem lassen sich die Services einfach installieren. Der Nachteil von Carrier Ethernet Services ist, dass sie nicht in der gleichen Größenordnung wie MPLS in Bezug auf die Standorte skalieren. 

Weil MPLS ein geroutetes Netzwerk ist, kann es Zehntausende (und mehr) an Standorten unterstützen. Im Gegensatz dazu ist Carrier Ethernet genau genommen ein Bridge-Netzwerk, bei dem eine Skalierbarkeit bereits über wenige Hundert Standorte schwierig ist. Gibt es eine kleine Anzahl an Standorten, die hohe Bandbreite fordern, dann eignet sich Carrier Ethernet möglicherweise besser als MPLS. Tatsächlich ist die häufigste Einsatzart für Ethernet in diesem Tier-1-Szenario das Verbinden von Data Centern.

Internet-Services

Am anderen Ende des WANs haben wir Tier 3. Hier verbindet man sich zu Remote-Standorten und kleineren Außenstellen oder Büros. Die meisten Firmen verwenden bereits Internet-Services, um zumindest einige der Remote- und kleinen Bürogebäude mit dem WAN zu verbinden. Manchmal setzt man dafür auf Business-Internet-Services mit SLAs. Gelegentlich kommen aber auch Verbraucherleitungen zum Einsatz, die auf dem Prinzip bestmöglich basieren. Um die Privatsphäre zu garantieren, können Firmen auf Verschlüsselung setzen. Dazu gehören SSL (Secure Socket Layer), IPSec und proprietäre Security auf Applikationsebene.

Die großen Vorteile von Internet gegenüber MPLS in diesem Tier-3-Szenario sind die Kosten und die Omnipräsenz. Internet Services sind in der Regel wesentlich günstiger als MPLS. Allerdings muss man sagen, dass kommerzielle Angebote mit SLAs nicht weit weg von MPLS sind. Darüber hinaus gibt es wahrscheinlich wenigen Standorte, an denen nicht irgendeine Form von Internetzugriff vorhanden ist.

Der Nachteil ist geringere Zuverlässigkeit. Vor allen Dingen Verbraucher-Internet-Services können Höhen und Tiefen mit sich bringen. Das gilt sowohl für die Service-Qualität, wobei die Verbindung möglicherweise nur schlecht funktioniert, als auch für die allgemeine Verfügbarkeit, womit an dieser Stelle ein kompletter Ausfall gemeint ist.

Reicht ein bestmöglicher Service für einen bestimmten Standort aus, man benötigt dort also auch kein QoS und die Allgegenwart übertrumpft die Zuverlässigkeit, dann sind herkömmliche Internet Services sicherlich eine gute Alternative zu MPLS.

Fazit

Unterm Strich lässt sich sagen, dass MPLS Vorteile bei den Verbindungen von Data Centern zu den Zweigstellen oder bei miteinander verbundenen Außenstellen besitzt. Gibt es Point-to-Point-Verbindungen, die viel Bandbreite benötigen, ist wohl Carrier Ethernet die erste Wahl. Stehen bei Remote-Büros die Kosten für die Verbindungen im Vordergrund, dann sind herkömmliche Internet Services eine bessere Alternative.

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2015 aktualisiert

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