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WebRTC: Inkompatibilitäten bei Browsern bremsen Akzeptanz

Inkompatible Video-Codecs und nicht vorhandene Unterstützung seitens der Browser halten die Akzeptanz von WebRTC auf. Dennoch wächst die Technologie.

WebRTC hat sich aus dem UC-Bereich (Unified Communications) vor über vier Jahren entwickelt. Es gab damals das Versprechen, einen Webbrowser in ein Softphone, ein Endgerät für Videokonferenzen oder eine Anwendung für das Teilen von Bildschirminhalten, zu verwandeln. Plug-ins oder Erweiterungen sind dafür laut Plan nicht notwendig.

WebRTC hat aber nicht nur UC-Plattformen auf den Browser erweitert. Die Technologie hat Entwicklern von Anwendungen die Möglichkeit gegeben, Voice- und Video-Leistungsmerkmale in jedes webbasierte Programm einzubetten. Durch den Einsatz von WebRTC könnten Entwickler Click-to-Call, Videokonferenzen oder das Teilen von Bildschirmen in jeder App oder auf jedem Gerät verwenden. Dafür wird im Backend auf UC-Plattformen gesetzt. Auch Verbindungen via P2P (Peer-to-Peer) zwischen zwei individuellen Personen sind denkbar.

Aus diesem Grund hat WebRTC bei UC-Anbietern, Endanwendern und Analysten einen Hype ausgelöst, da auf diese Weise UC eigentlich überall verfügbar ist. Vier Jahre später lässt sich mit gutem Gewissen sagen, dass WebRTC seine Erwartungen nicht erfüllen konnte.

Inkompatibilitäten bei den Browsern lähmt die Akzeptanz von WebRTC

Die Probleme werden zum Großteil durch Inkompatibilitäten der Browser verursacht. Lediglich Mozilla Firefox und Google Chrome unterstützen die Version 1.0 der WebRTC-Spezifikation. Es gibt immer noch keinen gemeinsamen Standard für einen Video Codec. Hier scheiden sich die Geister zwischen Google VP8/VP9 oder MPEG-LA H.264/H.265. Microsoft und andere streben eine Alternative in Sachen Sitzung an, die sich Object Real-Time Communications (ORTC) nennt.

Das ist der hauptsächliche Grund, warum die Akzeptanz von WebRTC nicht in Schwung kommt. Im 2015-16 Unified Communications and Collaboration Benchmark hat Nemertes Daten von knapp 50 großen und mittelständischen US-Unternehmen gesammelt. Der Bericht zeigt, dass lediglich vier Prozent bisher auf WebRTC setzen. 32 Prozent prüfen derzeit einen Einsatz. Diese Zahlen haben sich zum Vorgängerbericht im Grunde genommen nicht verändert.

Die Unternehmen ohne WebRTC-Pläne führen auf, dass es kein vorzeigbares Geschäftsszenario gibt. Die Inkompatibilitäten bei den Browsern bedeuten, dass das erreichbare Publikum begrenzt ist.

Die verborgene Natur der WebRTC-Akzeptanz

Trotz dieser Herausforderungen ist das Ökosystem rund um WebRTC in den letzten Jahren stark gewachsen. Viele Anbieter von Kontaktzentren bieten WebRTC-basierte Leistungsmerkmale für Click-to-Call und Video für eine kundenorientierte Kommunikation. Die Anbieter haben das entweder nativ implementiert oder nutzen dafür Partnerschaften mit Firmen wie zum Beispiel CafeX.

Anbieter von Kommunikationsinfrastruktur wie AudioCodes, Dialogic, Oracle und Sonus liefern Services für WebRTC-Sicherheit, Transcoding, Management und Integration in existierende Plattformen. API-Anbieter wie zum Beispiel Agora.io, TokBox, Twilio und sogar AT&T ermöglichen es Entwicklern von Anwendungen, WebRTC-basierte Leistungsmerkmale in Websites und Apps einzubauen.

Die Möglichkeit, dass sich via WebRTC Sprache, Video und Teile von Bildschirminhalten in dedizierten Apps einsetzen lassen, treiben das Wachstum und die Akzeptanz hauptsächlich an. Anwendungen wie beispielsweise Facebook Messenger, Google Hangouts, Cisco Spark und Unify Circuit setzen in ihren nativen Apps auf WebRTC oder unterstützen WebRTC-kompatible Webbrowser wie Chrome. Services wie Blue Jeans und Lifesize unterstützen Videokonferenzen via Browser, für die kein Plug-in notwendig ist.

Viele Firmen und Anwender nutzen möglicherweise bereits WebRTC, sind sich dessen aber nicht bewusst.

Die darunterliegende Technologie hervorheben und die Browser-Unterstützung vorantreiben

Langfristig gibt es Hoffnung, dass sich die durch die Vielfalt der Browser ausgelösten Probleme lösen lassen.

Microsoft unterstützt ORTC/WebRTC im Edge Browser. Diverse Entwicklergruppen arbeiten daran, Unterstützung für WebRTC in der Browser Engine WebKit voranzutreiben. Sie wird unter anderem von Safari genutzt. Mitglieder der IETF-Arbeitsgruppe (Internet Engineering Task Force) RTCweb haben sich 2014 geeinigt, sowohl H.264 als auch VP8 in den WebRTC-kompatiblen Browsern zu unterstützen. Letztes Jahr wurde von Cisco Project Thor angekündigt. Das ist ein offener Standard, um eine lizenzfreie Codec-Alternative zu H.265 anzubieten.

Auch wenn sich WebRTC im Jahr 2016 immer noch mit den hier genannten Herausforderungen in Bezug auf Kompatibilität von Browsern und Video-Codecs plagen muss, steigt die Akzeptanz der Technologie weiter. Möglicherweise ist WebRTC nicht immer sichtbar, wenn Anwender einen Anruf über eine App oder einen Browser tätigen.

Für die Befürworter von WebRTC wird es wichtig sein, die darunterliegende Technologie in den Vordergrund zu heben, während sie weiter an der Kompatibilität arbeiten und Sorgen in Sachen Support adressieren.

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Artikel wurde zuletzt im April 2016 aktualisiert

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