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NBASE-T Ethernet verpasst dem LAN den benötigten Performance-Schub

Das Besondere an NBASE-T Ethernet ist, dass es über existierende Kupferkabel bis zu 5 Gbit/s im LAN (Local Area Network) übertragen kann.

In unserer Welt voll mit Technologie gibt es dauernd Änderungen, aber natürlich auch Ausnahmen.

In den vergangenen Jahren wurden CPUs schneller, Storage- und RAM-Kapazitäten haben sich vergrößert und die Geschwindigkeit für drahtlose Übertragungen hat zugelegt. Nur beim Netzwerk herrschte Stillstand: Gigabit Ethernet ist immer noch Gigabit Ethernet.

Natürlich finden Sie 10 GbE oder höher, um damit spezielle Server mit Switches zu verbinden. Aber die wesentliche Desktop-Verbindung via Kabel, 1 GbE, hat sich seit der Einführung vor der Jahrhundertwende nicht geändert. Das gilt zumindest bis jetzt, denn NBASE-T Ethernet steht vor der Tür.

Was ist NBASE-T?

NBASE-T ist die Marketing-Bezeichnung für den Standard IEEE 802.3bz. Wir werden in diesem Artikel aber weiterhin den Ausdruck NBASE-T verwenden. Kurz gesagt: diese Technologie bietet Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu fünf Gbit/s (Gbps) im LAN und das über die meisten der bestehenden Kupferkabel. Die Arbeiten für die Technologie haben im März 2015 begonnen und nur 18 Monate später, am 23. September 2016, wurde IEEE 802.3bz als Standard verabschiedet. Für einen Normenausschuss ist das relativ schnell.

Warum brauchen Sie NBASE-T Ethernet?

Nachfolgend finden Sie zwei der wichtigsten Gründe, warum Sie NBASE-T Ethernet benötigen:

Sie können die bestehende Kabelinfrastruktur weiterhin nutzen. Gigabit Ethernet oder kurz GbE war die Krönung der Arbeiten, die mit der frühesten Spezifikation 10-BASE-T begonnen haben. Dieser Standard, auch Shared-Hub Ethernet genannt, wurde entwickelt, um die Übertragungsgeschwindigkeiten im LAN via Kupferkabel zu maximieren. Ende der 1990er war das Schicksal des Kupferkabels auf Messers Schneide. Damals evaluierten Netzwerkexperten, ob ATM (Asynchronous Transfer Mode) das Ethernet für das Netzwerke mit hoher Bandbreite ablösen könnte. ATM wird fast ausschließlich mit Fiber-Optic-Kabeln betrieben. Allerdings erfolgte dieser Umstieg nicht.

Der Niedergang von ATM hat auch für das Ende von Fiber-to-the-Desktop gesorgt. Weiterhin war dieser Umstand für die Entwicklung der qualitativ hochwertigeren Kupferkabel CAT5e und CAT6 verantwortlich. Diese Netzwerkkabel finden Sie heutzutage überall. Der große Durchbruch mit CAT5e war die Möglichkeit, damit Fast Ethernet oder 100 Mbit/s zu ermöglichen. Am Ende waren dann 1-Gbit/s-Verbindungen Realität. An dieser Stelle war aber Schluss.

Bis zur Vorstellung von NBASE-T war bei der Netzwerkgeschwindigkeit 1 Gbit/s das höchste der Gefühle. NBASE-T steigert die Performance, in dem die in 10 GbE verwendeten Signalraten heruntergeschaltet werden. Mit 10 GbE können Kupferkabel eigentlich nicht umgehen. Die Signalraten betragen nach dem Herunterschalten aber nur noch ein Viertel oder die Hälfte. Als Resultat können Unternehmen mit ihren existierenden Kupferkabeln 2,5 GbE und 5 GbE nutzen.

Anders gesagt bietet NBASE-T Ethernet eine starke Steigerung der Performance. Sie müssen die Kabel zwischen den Desktops und den Schaltschränken dafür aber nicht tauschen. Diese Arbeit ist für gewöhnlich der teuerste Teil in der Netzwerkrechnung.

PoE-Verbindungen (Power over Ethernet) mit hoher Bandbreite. NBASE-T Ethernet bietet PoE. Dieses Leistungsmerkmal wird immer wichtiger. Die kabelgebundene Gigabit-Ethernet-Verbindung zwischen Switch und Access Point wird zum Flaschenhals, weil die Geschwindigkeiten beim WLAN stetig steigen. Die WLAN-Technologie IEEE 802.11ac Wave 2 mit Multiuser MIMO (Multiple-Input, Multiple-Output) wirbt mit einem Datendurchsatz, der Gigabit Ethernet übersteigt.

Andere Geräte, die normalerweise über eine Ethernet-Verbindung mit Strom versorgt werden, können ebenfalls von der Bandbreitensteigerung profitieren, die NBASE-T bietet. Selbstverständlich brauchen zum Beispiel Videokameras sehr viel Bandbreite. Einige Firmen setzen Mini-Versionen von Netzwerk-Switches und Routern in entfernt liegenden Räumen ein. Versorgen Sie diese Geräte via PoE mit Strom, eliminieren Sie eine potenzielle Fehlerquelle. Es kann in diesem Gebäude keiner aus Versehen das Stromkabel aus der Steckdose ziehen. Durch die schnelleren Kabel verbessert sich außerdem die Performance für die Geräte, die mit dem Mini-Switch oder dem Router verbunden sind.

Mit PoE verbessern Unternehmen außerdem die Zuverlässigkeit für Outdoor-Geräte. Viele Anwender arbeiten entweder in einer Campus-Umgebung, einem Büro oder einer Warenhausumgebung. Sie befinden sich möglicherweise regelmäßig draußen. Die Nutzer brauchen und erwarten dann zuverlässige WLAN-Verbindungen, weil Sie sich von Gebäude zu Gebäude bewegen oder sogar den Großteil Ihrer Arbeit draußen erledigen. Eine separate Leitung für angemessene Stromversorgung der Access Points oder IP-Videokameras ist oftmals nicht möglich.

Im zweiten Teil dieser Artikelreihe werfen wir einen Blick auf die Anbieter und wie Sie Produkte für NBASE-T entwickeln und vermarkten.

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Artikel wurde zuletzt im Mai 2017 aktualisiert

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