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Einblick in den White-Box-Switching-Markt

Wird nach jahrelanger Entwicklung das Potenzial des White-Box-Switching-Marktes nun endlich erkannt? Einige Tatsachen sprechen dafür.

Die Aufregung um den White-Box-Switching-Markt hat sich in den letzten Jahren nicht gelegt. Und obwohl das Konzept der Nutzung kostensparender Standardhardware zusammen mit einer großen Auswahl an Netzwerksoftware an sich nichts Neues ist, gab es ein paar signifikante Fallbeispiele, die das Interesse von vielen in der IT-Community weckten. Ein Beispiel war die Entscheidung einiger großer Technologiefirmen – beispielweise Google, Amazon und Facebook – auf die Nutzung von traditionellen Herstellerangeboten für Switching und Routing zu verzichten. Stattdessen beschlossen sie, ihre eigenen zu bauen. Der Denkansatz war, dass maßgeschneiderte Switches gebaut und speziell konfiguriert werden könnten, um die genauen Unternehmensanforderungen zu erfüllen.

Bei einem anderen Fall handelt es sich um den Trend des Software-defined Networking (SDN). Durch die Einführung von SDN-Architekturen konnten Unternehmen einen Eindruck davon bekommen, was durch Automatisierungs- und Orchestrationsfähigkeiten ohne die Notwendigkeit für kundenspezifische Hardware erreicht werden kann. Mit SDN ist Software König.

Trotz der Begeisterung und des Hypes der letzten paar Jahre gibt es relativ wenige Fälle, in denen durchschnittliche Unternehmen ihre herkömmliche Switch-Infrastruktur zugunsten eines White Box Switches über Bord geworfen haben. Der Grund dafür ist eindeutig: Bis jetzt gab es zu viele Nachteile, die White Box Switching verglichen mit herkömmlichen Switch-Angeboten weniger attraktiv machen. Mit der Zeit werden aber viele dieser Hindernisse aus dem Weg geräumt. Wir befassen uns in diesem Artikel näher damit.

Flexibilität und Programmierbarkeit treiben Wachstum voran

Zunehmend hängen Erfolgsfaktoren von Softwareflexibilität und Programmierbarkeit ab, die man bei Closed Source Switches vermisst. Unternehmen können White Box Switches – zusammen mit anderen Management- und Netzwerk-relevanten Tools – nutzen, um auf intelligente und optimale Weise den Verkehr für externe Nutzer und externe Standorte zu routen – und zwar auf eine Weise, die mehr Kontrolle, bessere Sichtbarkeit und Sicherheit bietet. Der SDN-Ansatz wird momentan als Auslöser angesehen, der letzten Endes zu einer kompletten End-to-End-SDN-Unternehmensarchitektur führen wird. Ein weiterer geschäftsfördernder Faktor: großflächige IoT-Projekte (Internet of Things). Netzwerkarchitekten wissen, dass sie von der Option profitieren können, granularer zu programmieren. Dies wird durch die Nutzung von White-Box-Hardware und Software-APIs ermöglicht, die den Zustrom von IoT-Daten optimieren, die von den Sensoren fließen, die nun in Betrieb sind.

Viele Enterprise-Unternehmen haben Bedenken darüber, sich von den bewährten Netzwerk-Switches abzuwenden zugunsten von weniger bekannten Hardwareherstellern und Drittpartei-Betriebssystemen. Diese Zweifel lassen nun nach, weil mehrere namhafte Netzwerkproduktionsfirmen sich jetzt White Box Switches zuwenden. Dell EMC, Hewlett Packard Enterprise (HPE) und Juniper Networks sind drei Firmen, die üblicherweise den Kunden Netzwerkinfrastruktur-Ausstattungen zur Verfügung stellten und dafür handelsübliche Closed-Source-Hardware und Software-Appliance-Modelle einsetzten. Doch in den letzten paar Jahren haben sich diese Firmen den White-Box-Switching-Markt zu eigen gemacht. Sie haben ihre Software abgekoppelt und ihre Hardware ohne OS verkauft. Oder auf der Hardware wird ein Drittpartei-Netzwerkbetriebssystem (Network Operation System (NOS) vorinstalliert – in der Industrie auch als Brite Box bekannt. Zusätzlich bieten alle drei Firmen Support-Services, einschließlich Telefon- und Online-Support, Zugang zu Firmware-Updates und Hardwareersatz, mit verschiedenen Service Level Agreements für spezifische White-Box- und Brite-Box-Hardware. In manchen Fällen haben Sie also die Vorteile und den Support, den man in traditionellen Switch-Geräten vorfindet und die Fähigkeit, das NOS Ihrer Wahl zu nutzen.

Management-Hürden müssen überwunden werden

Schließlich gibt es noch einen Stolperstein im Zusammenhang damit, dass man erst vertraut sein muss mit den täglichen Management-Aufgaben mit einem wenig bekannten NOS. Bis vor kurzem hatten nur sehr wenige Fachkräfte Erfahrungen gesammelt mit Netzwerkbetriebssystemen wie denen von Big Switch oder Cumulus Networks. Das gilt besonders im Vergleich mit der Anzahl an Netzwerk-Administratoren, die Erfahrung mit der Switch-Konfiguration von Firmen wie Cisco, Brocade, Huawei und Arista Networks haben. Im Laufe der Zeit erhielten aber mehr und mehr Ingenieure Zugang zu diesen Arten von Drittpartei-SDN-Systemen und kommen nun zu der Schlussfolgerung, dass sie sich nicht großartig von anderen Switching-Plattformen unterscheiden. Obwohl die Anzahl kompetenter Netzwerk-Administratoren für White-Box-NOS nicht annähernd so groß ist wie die für Closed-Source-Hersteller, steigt sie immer mehr.

Man kann mit Sicherheit sagen, dass beachtliche Fortschritte gemacht werden, um White Box Switching auf ein Level zu bekommen, auf dem es für durchschnittliche IT-Abteilungen in Unternehmen Sinn macht, sie als ernstzunehmende Alternative anzusehen. Aber gleichzeitig müssen sich die White-Box-Switching-Befürworter mit weiteren Verbesserungen beeilen, um die Gunst der Stunde zu nutzen. Firmen wie Cisco, Alcatel-Lucent und Arista haben genügend Zeit, ihren Kunden zuzuhören, um ihre jetzige Hardware- und Softwaremodelle zu bearbeiten, damit sie flexibler und SDN-freundlich sind. Die Uhr tickt für den White-Box-Switching-Markt.

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Artikel wurde zuletzt im Dezember 2016 aktualisiert

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