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Die WebRTC-Technologie-Trends 2016

2015 hat sich bei WebRTC und den dazugehörigen Services sehr viel getan. Wir erörtern, in welche Richtung es für WebRTC 2016 weitergeht.

Auch Anfang 2015 habe ich versucht, die Zukunft der Technologie WebRTC vorauszusagen. Nun ist es an der Zeit, meine Voraussagen zu bewerten und eine Prognose für das laufende Jahr 2016 abzugeben.

Wie ich im letzten Jahr schon vermutete, hat Microsoft WebRTC eingeführt, allerdings nicht beim Internet Explorer 11. Das Unternehmen hat seinem neu entwickelten Browser Edge Unterstützung für WebRTC spendiert und das Ganze mit Object Real-Time Communications (ORTC) verziert. Allerdings hat Microsoft keine älteren Browser mit WebRTC ausgerüstet und das habe ich auch so prognostiziert. WebRTC für Mobile war für Microsoft weniger interessant, da der Fokus momentan bei Windows auf Mobile liegt.

Apple ließ sich 2015 mit WebRTC überhaupt nicht in Verbindung bringen und das habe ich auch so erwartet und gesagt.

Für das Jahr 2016 schätze ich, dass Microsoft Edge kompatibler wird. Das gilt vor allen Dingen in Sachen Video. Außerdem wird das Unternehmen an ORTC festhalten. Aus diesem Grund wird auch der trostlose Marktanteil von Egde für Microsoft ein großes Sorgenkind bleiben. Google wird Chrome mit ORTC ausrüsten und damit zu Microsoft Edge auf Augenhöhe sein.

Apple wird wohl anfangen, sich mit Unterstützung für WebRTC zu beschäftigen. Die Firma wird die Technologie für Mac OS X und iOS wohl ziemlich gleichzeitig einführen. Ich rechne in diesem Fall mit der zweiten Hälfte in 2016.

Die Akzeptanz von WebRTC bei den Browsern ist damit abgeschlossen, aber die Unternehmen müssen weiterhin überzeugt werden. Viele beklagen sich möglicherweise, dass der Internet Explorer nicht unterstützt wird und somit gibt es auch keine Investitionen in Richtung WebRTC.

Video Codecs in WebRTC

Im Jahre 2015 habe ich die Prognose abgegeben, dass Google die Codecs H.264, VP8 und VP9 in Chrome unterstützen wird. Google unterstützt VP8 und VP9 mit Vorbehalt und H.264 ist weiterhin in der Entwicklung. An dieser Stelle hatte ich Unrecht. Mozilla Firefox unterstützt H.264 und VP8, genau wie ich es vorausgesehen habe. Microsofts Ziel war H.264, allerdings hat das Unternehmen im Moment nur das proprietäre H.264UC eingeführt.

2016 wird Google Chrome noch vollständige Unterstützung für H.264, VP8 und VP9 erhalten, da bin ich mir sicher. Mozilla wird Google folgen und in Firefox ebenfalls H.264, VP8 und VP9 unterstützen. Microsoft wird Edge H.264 spendieren. Möglicherweise wird sich Microsoft Ende des Jahres auch mit einer Unterstützung von VP9 beschäftigen. Apple spendiert Safari aller Voraussicht nach H.264.

Die Alliance for Open Media wurde im letzten Jahr ins Leben gerufen und das hat erneut Gezänk im Codec-Krieg für WebRTC ausgelöst. Großartig auswirken wird sich das nicht im Jahr 2016, außer dass sich die Einführung von H.265 möglicherweise etwas verzögert.

WebRTC-API-Plattformen

Es gab drei Akquisitionen von Schwergewichten in diesem Bereich:

  • Cisco hat Tropo gekauft und es in Spark eingegliedert.
  • Comverse hat die in Großbritannien ansässige Messaging-Firma Acision akquiriert und ihr unter Xura einen neuen Anstrich verpasst.
  • Atos hat sich Unify einverleibt.

Aus dem Markt ist letztes Jahr niemand so richtig abgezogen. Einige Anbieter tun sich aber schwer oder sehen sich anderweitig um. Eine interessante Sache ist SightCalls Umtsieg auf visuelle Unterstützung bei Customer Relationship Management (CRM).

Ein weiterer nennenswerter Trend aus dem letzten Jahr ist, wie sich Twilio und TokBox in verschiedene Richtungen entwickelt haben. Twilio geht horizontal und hat seine WebRTC-Services noch verbessert. Die Firma hat Video, IP-Messaging, Queuing und so weiter im Jahr 2015 eingeführt. Ich habe von TokBox erwartet, dass mit anderen Betriebsmitteln und Leistungsmerkmalen von Telefonica fusioniert wird. Allerdings ist das Gegenteil eingetroffen. Das Unternehmen hat in Sachen Video nachgelegt und Übertragungsmöglichkeiten eingeführt.

AT&T, Circuit und Bit6 waren 2015 die neuen API-Plattformen für WebRTC. Im Jahr 2016 werden wir wohl keine neuen Marktteilnehmer sehen. Allerdings wird es einen oder zwei traditionelle Teilnehmer geben, die bereits Kommunikations-APIs für SMS und Sprachanrufe zur Verfügung stellen, und in Sachen WebRTC API nachrüsten.

Ich glaube, dass es an dieser Stelle noch eine oder zwei Akquisitionen gibt. Ebenso werden ein oder zwei weitere Anbieter die Pforten dicht machen oder diesen Markt verlassen.

WebRTC in Kontaktzentren

WebRTC-Technologie wurde eingesetzt, um Telefone innerhalb von Kontaktzentren zu ersetzen. Unternehmen wie zum Beispiel Zendesk, LiveOps und Freshdesk haben WebRTC in ihren CRM-Produkten und Support-Systemen eingeführt. Das Feedback der Kunden war durchaus positiv.

WebRTC war als Widget für Webseiten im letzten Jahr nicht sehr populär. Das habe ich anders vorausgesagt. Dieses Jahr wird sich in diesem Bereich ebenfalls nichts ändern. Dass bei Chrome WebRTC zwingend mit HTTPS eingesetzt werden muss, wird dieses Thema noch verlangsamen.

Das Ersetzen von konventionellen Telefonen wird auch im Jahr 2016 stark anhalten, aber die großen Unternehmen wird dieses Phänomen noch nicht erreichen. In kleinen und mittelgroßen Kontaktzentren wird der Trend aber anhalten.

Der Wachstum wird im Jahre 2016 durch das Einbetten von WebRTC und Messaging-Möglichkeiten in Anwendungen angetrieben, damit sich auf diese Weise mit dem Kontaktzentrum kommunizieren lässt.

Videokonferenzen mit Unterstützung für WebRTC

Polycom und Avaya haben wie vorausgesehen WebRTC-Services im Jahre 2015 hinzugefügt. Die entsprechenden Angebote haben aber den Markt nicht nennenswert verändert. Das gilt auch für den entsprechenden Anbieter selbst.

Acano ist ganz gut gewachsen und dann von Cisco für angeblich 700 Millionen US-Dollar gekauft worden. In der gleichen Woche hat Polycom sein Büro in Israel geschlossen. Das zeigt, wie störend sich WebRTC auf die Anbieter von Videokonferenzsystemen auswirkt.

Im Jahre 2016 wird WebRTC-Technologie eine Schlüsselrolle beim Thema Videokonferenzen spielen. Wer es nicht hat, ist raus aus dem Spiel. Das verhält sich ähnlich wie bei der Einführung von HD-Video.

Übertragung (Broadcast) und Multipoint

Broadcast-Lösungen mit WebRTC sind Realität. TokBox und diverse andere Echtzeitvideo-Streaming-Services zeigen sich. Im Bereich Video Multipoint wurde Jitsi von Atlassian akquiriert und XirSys hat angefangen, WebRCT-basiertes Multipoint Video as a Hosted Service anzubieten. Im Jahr 2016 werden noch mehr Anbieter Flash-Technologie durch WebRTC ersetzen. Rasche Umstiege wird es nicht geben, sondern eher sanfte Übergänge. Bei den meisten wird WebRTC für das Erstellen von Videoinhalten eingesetzt. Flash, MPEG-DASH und HLS wird man weiter für die Verbreitung verwenden.

VoIP für Heimanwender und Unternehmen

Die Innovation bei Voice für Unternehmen ging 2015 weiter. Prominente Anbieter sind allerdings nicht auf den Zug aufgesprungen. Switch Communications hat sich vom Rest im Bereich Enterprise abgesetzt. Es wurde neues Geld aufgebracht und das Unternehmen hat einen Distributionvertrag mit Sprint geschlossen. Auf der Seite für den Heimanwender hat Facebook WebRTC voll angenommen. Für die Technologie ist dies in sehr großer Gewinn.

In 2016 werden wir mehr davon sehen. Der Enterprise-Bereich wird sich entwickeln, aber in Richtung Messaging. Ich erwarte, dass Facebook Mehrparteienunterhaltungen mit WebRTC einführt.

Wer WebRTC grundlegend ändern könnte

Keine der bahnbrechenden Unternehmen haben sich so wie von mir vorausgesagt im Jahre 2015 materialisiert. Am nächsten kam meiner Voraussage noch, dass eine große Nachrichtenplattform WebRTC eingeführt hat. Aus dieser Plattform wurde der Facebook Messenger, der sich nicht auf meiner Liste befand.

Ein Wunschdenken für 2016 ist, dass VP9 in allen großen Browsern verfügbar sein und somit der De-Facto-Standard für das Web wird. Apple wird WebRTC nicht nur in Safari unterstützen, sondern auch in WebView. Das wird den Weg für plattformunabhängige mobile Apps mit HTML5 ebnen, die auf WebRTC setzen. Internet Explorer 11 wird WebRTC spendiert. Das soll Unternehmen anregen, die Technologie schneller anzunehmen.

Das letzte Jahr war spannend für WebRTC. Hoffen wir, dass 2016 noch besser wird.

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Artikel wurde zuletzt im April 2016 aktualisiert

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