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Cloud-verwaltetes WLAN: Warum Netzwerktechniker davon begeistert sind

Cloud-Wi-Fi vereinfacht die Konfiguration und den Betrieb von Drahtlosnetzwerken ungemein. Doch Experten warnen vor zu viel Enthusiasmus.

Lee Badman hat so viele Dinge in Florenz zu erledigen: Da gibt es die weltberühmte Kathedrale mit ihrer charakteristischen achteckigen Kuppel aus gebrannten orangefarbigen Ziegeln, die über die Stadt blickt, in der die Geburtsstunde der Renaissance schlug. Michelangelos David-Statue hält in den nahegelegenen Uffizien Hof. Versteckt in Seitengassen mit Kopfsteinpflaster gelegen, lockt eine kaum überschaubare Anzahl von familiengeführten Trattorien Gäste mit toskanischem Essen und Wein.

Badman, Netzwerkarchitekt bei einer großen privaten Universität im Hinterland von New York, hat Glück, denn wenn er Florenz besucht, steht eines nicht auf seiner Agenda: ein Drahtlosnetzwerk auf dem ausgegliederten Universitätscampus der historischen italienischen Stadt einzurichten.

Denn Badman hat eine Cloud-basierte kabellose Netzwerk-Management-Plattform verwendet, um von seinem Büro in Syracuse aus ein komplettes Netzwerk für den Campus in Florenz – einschließlich kabelgebundener Ressourcen – zu entwerfen, zu erstellen und zu konfigurieren. Nachdem er seine Auftragsnummer in das Dashboard des Anbieters eingegeben hatte, erzeugte das System automatisch eine Liste mit allen Produkten, die Badman bestellt hatte, und schaltete sie für die Konfiguration frei, noch bevor die Komponenten ausgeliefert wurden. Von Site-to-Site-VPNs über lokales Switching bis hin zu Richtlinien für drahtlose Access Points (AP) war alles bereit, als die Infrastruktur eintraf. Geliefert wurde sie von Meraki, einem Anbieter von Cloud-Netzwerken, mit dem Badman zusammenarbeitete, bevor Cisco ihn 2012 übernahm.

„Man musste die Komponenten nur noch zum Leben erwecken. Und ich konnte das zu einem beliebigen Zeitpunkt und in einem Tempo machen, das es mir erlaubte, nach der Lieferung nichts zu überstürzen“, sagt Badman. „Wir ließen alles direkt an den Standort liefern. Vor Ort war jemand, der mit Netzwerken nichts am Hut hatte und nur einfache Anweisungen befolgen konnte: Steck dies hier rein, steck jenes dort rein, triff dich mit dem ISP, und wenn der den Anschluss schaltet, achte darauf, dass die Verbindung mit diesem Standort erfolgt.“

Ein solcher Ansatz gefällt immer mehr Netzwerkexperten – dank zunehmend ausgereifter Funktionalität und einer steigenden Akzeptanz von Cloud-basierten Technologien. Das führt dazu, dass Cloud-verwaltetes Wi-Fi zu einem der am schnellsten wachsenden Segmente auf dem WLAN-Markt wird. IDC erwartet, dass der Markt für Cloud-verwaltete WLAN-Infrastruktur zwischen 2013 und 2018 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 38,8 Prozent erreicht. Im Vergleich dazu liegt die Prognose für den WLAN-Infrastruktur-Markt insgesamt in diesem Zeitraum bei 11 Prozent.

Cloud-verwaltetes Wi-Fi fasste vor einigen Jahren bei kleinen Betrieben mit wenig IT-Personal Fuß, etwa dem Café um die Ecke und Firmen mit nur einem Standort. Das Modell hat aber seitdem auch bei größeren Organisationen, die in hohem Maße verteilt sind, punkten können. Dazu zählen Einzelhändler, Hotelketten und Franchise-Unternehmen. Diese Firmen suchen nach einer effizienteren Alternative zum Kaufen, Verwalten und Aktualisieren von Hardware-Appliances an Dutzenden oder gar Hunderten von Standorten, die über keine oder nur eine geringe IT-Präsenz vor Ort verfügen.

Als abonnementbasierter Dienst angeboten, ist Cloud-verwaltetes WLAN nicht für jedes Unternehmen das geeignete Modell. Doch für alle, die ins Profil passen, kann diese Technologie dazu beitragen, WLAN für Firmen in großem Maßstab an Standorten zu etablieren, die sich ansonsten nicht erschließen lassen würden.

„Wenn es um weit verstreute Franchise-Unternehmen oder kleine Umgebungen geht, kann ich mir nicht vorstellen, an dieser Stelle ohne ein Cloud-Modell auszukommen“, erläutert Badman. „Die Cloud zu nutzen ist äußerst sinnvoll, wenn an einem bestehenden oder künftigen Standort kein oder nur wenig IT-Personal vorhanden ist.“

Das Marktwachstum beruht darauf, dass Anbieter von Cloud-verwaltetem WLAN robustere Funktionen und Unterstützung für das Cloud-basierte Management von einigen kabelgebundenen Netzwerkressourcen integrieren. Dadurch entsprechen diese Tools immer mehr den bekannten lokalen Netzwerk-Management-Plattformen.

„Als wir anfingen, ließen sich mit dem Cloud-basierten Management-Tool nicht alle Dinge durchführen, auf die wir angewiesen waren. Aber jetzt sind alle Funktionen, die On-Premise-Lösungen bieten, auch in der Cloud verfügbar“, meint Jimmy Hogg, technischer Leiter beim Pulaski County Special School District in Little Rock im US-Bundesstaat Arkansas. Hogg und sein Team planen, vom HiveManager, der lokalen Netzwerk-Management-Plattform von Aerohive Networks, zur Cloud-basierten Version zu migrieren. „Wir wollten nicht mehr all die Server, Backups und die Verwaltung unterstützen. Also verschieben wir das Ganze in die Cloud, so dass – im Wesentlichen – nicht mehr wir uns um alles kümmern müssen, sondern Aerohive das übernimmt“, fügt er hinzu.

Abbildung 1

Was ist Cloud-verwaltetes WLAN?

Es gibt zwei vorherrschende Modelle bei Cloud-verwaltetem WLAN: Eines bettet sowohl den kabellosen Controller als auch die Netzwerk-Management-Software in die Cloud ein. Das andere Modell macht das lediglich mit den Management-Funktionen. In der Regel leitet keine dieser Varianten den User-Traffic durch die Cloud. Wenn also die Verbindung zum Cloud-Dienst verloren geht, bleibt das WLAN verfügbar, obwohl der Zugriff auf einige Administrator-Funktionen unterbrochen ist.

„Ich bin der Erste, der zugibt, dass ich dem Cloud-Management oder der Verwaltung über Dienste eigentlich überhaupt nichts abgewinnen kann. Ich behalte lieber die volle Kontrolle“, sagt Aaron Paxson, globaler Netzwerk-Manager bei SVP Worldwide, einem Nähmaschinenhersteller in LaVergne, Tennessee. „Ich liebe es, die Dinge selbst zu erledigen, statt dass es ein anderer für mich tut. Man muss sich also schon erheblich anstrengen, um mich davon zu überzeugen, die Kontrolle aus der Hand zu geben.“

Paxson nutzt Aruba Central, die Cloud-basierte Management-Plattform von Aruba Networks (mittlerweile von HPE übernommen), um sein kabelloses Netzwerk zu betreiben. „Das war einer der Gründe, weshalb ich eher gewillt bin, Cloud-verwaltetes WLAN einzusetzen: Mein Funknetzwerk funktioniert nicht über die Cloud“, ergänzt er. „Mein gesamtes WLAN ist lokaler Bestandteil meines Netzwerks, so dass ich nach wie vor die Kontrolle über diese Daten habe und sie verwalten kann.“

Die Administratoren greifen auf das Dashboard des Anbieters über eine webbasierte grafische Schnittstelle zu, die sich so konfigurieren lässt, dass der Zugang von einem beliebigen Ort aus per Internetverbindung möglich ist.

„Aus der Notwendigkeit heraus und weil es sich bewährt hat, ist die einzige Möglichkeit, auf Legacy-Server und -Controller zuzugreifen, über VPN in der lokalen Umgebung mittels Remote Desktop“, erklärt Badman, der auch Autor des Blogs wirednot ist. „Daher ist es einfach befreiend, ins Internet zu gehen oder je nach verwendeter Hardware eine App zu nutzen – Meraki zum Beispiel bietet eine sehr gut gemachte (mobile) Anwendung – und alle per Cloud verwalteten Standorte sofort im Blick zu haben.“

Cloud-basiertes WLAN-Management wird als abonnementbasierter Dienst verkauft, wodurch die Investitionsausgaben und Betriebskosten für das Bereitstellen, Sichern, Aktualisieren sowie für Backups, die Stromversorgung und Kühlung von Appliances ausgelagert werden. Andernfalls würde dies in einem herkömmlichen On-Premise-Modell in die Verantwortung des Unternehmens fallen. Kompatible APs und andere Netzwerkgeräte werden separat angeschafft und von der IT-Abteilung des Unternehmens vor Ort bereitgestellt und verwaltet.

Obwohl der Markt einmal recht klein war, mit Aerohive und Meraki als den beiden Mainstream-Optionen, veranlasste nach Meinung von IDC-Analyst Nolan Greene Ciscos Übernahme von Meraki im Jahre 2012 mehr WLAN-Anbieter, beim Cloud-Management mitzumischen. Viele Hersteller sind dem Trend zu Cloud-Wi-Fi gefolgt und haben Cloud-basierte WLAN-Management-Dienste im Angebot.

Cloud-Wi-Fi entlastet bei Verwaltung und Wartung

Obwohl zutrifft, dass keine zwei Bereitstellungen von Cloud-Wi-Fi identisch sind, haben dennoch alle eines gemeinsam: Netzwerktechniker, die begeistert sind, dass in ihren Rechenzentren ein leeres Rack steht, wo sonst ein Management-Server oder -Controller den Platz einnahm.

„Es ist eine Komponente weniger, um die ich mir Sorgen machen muss – eine Software-Appliance weniger, die installiert und konfiguriert wird“, sagt Paxson. „Ich muss mir nun weder Sorgen um Bugfixes noch Gedanken um Firmware-Updates machen. Das erledigt jetzt Aruba Central. Ich habe also immer das Aktuellste und Beste dank der Cloud-Management-Plattform, anstatt immer selbst Updates einspielen zu müssen.“

Einige Netzwerkexperten sind auch der Überzeugung, dass Cloud-basierte Management-Plattformen benutzerfreundlicher sind.

Wenn es um weit verstreute Franchise-Unternehmen oder kleine Umgebungen geht, kann ich mir nicht vorstellen, an dieser Stelle ohne ein Cloud-Modell auszukommen.
Lee Badman, Netzwerktechniker

Nach Einschätzung von Netzwerkexperten ist der Einsatz eines Cloud-basierten Controllers, der die Möglichkeit eröffnet, ohne zusätzliche Hardware skalieren zu können, oft ein großer Vorteil für Organisationen, die sich ihrer Anforderungen nicht ganz sicher sind, erklärt Matthias Machowinski, führender Analyst bei Infonetics Research.

„Wenn man einen Controller verwendet, bedeutet das gleichzeitig eine Einschränkung. Vielleicht reicht er nur für 50 bis 100 Access Points, aber sobald die Infrastruktur auf 101 Access Points wächst, benötigt man einen anderen Controller“, gibt er zu bedenken. „Bei einem dienstbasierten Ansatz spielt das keine Rolle – die Infrastruktur wächst einfach mit.“

Und für viele Firmen ist das Schöne an Cloud-verwalteten WLANs die Möglichkeit, Funknetzwerke für Unternehmen mit minimalen Ressourcen einzurichten.

„Wir haben eine Vielzahl von Standorten, die nicht direkt mit unserem privaten Netzwerk verbunden sind. Wenn wir also dort WLAN einführen, müssen wir dieses Drahtlosnetzwerk separat konfigurieren, denn es gibt keinen Weg, dass das kabellose Netzwerk seine Konfiguration (von einer zentralen Plattform) bezieht“, sagt Paxson von SVP Worldwide. „Aber 99 Prozent aller Standorte besitzen eine Verbindung zum Internet (…) Die Konfigurationen werden auf diese Weise automatisch heruntergeladen und aktiviert. So muss ich nicht extra einen Techniker hinschicken oder entsprechendes Fachpersonal vor Ort haben.“

Cloud-Management nicht von heute auf morgen

Cloud-verwaltetes Wi-Fi eignet sich allerdings nicht für jeden gleichermaßen. Netzwerktechniker, die den Ansatz verwenden, stimmen überein, dass sie bei der Einführung eher zögern würden, wenn sie striktere Sicherheitsanforderungen oder komplexere Ansprüche hätten. Darüber hinaus haben große Unternehmen bereits große Summen in Legacy-Lösungen investiert.

„Kunden von großen Firmen betreiben ihre WLANs schon so lange, dass deren Netzwerke etabliert sind“, sagt Badman. „Niemand denkt daran, einfach das Handtuch zu werfen, weil es unheimlich viel Geld kostet, umfangreiche Umgebungen zu migrieren. Und wenn man sich nicht komplett mit seinem Anbieter überworfen hat, ist es als Großkunde wirklich schwierig, einfach abzuspringen.“

„Die Welt wird nicht von heute auf morgen auf Cloud-Management umsteigen, aber wir dürfen hier definitiv von einem großen Wachstum ausgehen“, sagt Machowinski.

Analysten schätzen, dass der Anteil von Cloud-verwaltetem WLAN bis 2018 nur 20 Prozent am gesamten Markt für WLAN-Infrastruktur ausmachen wird. Danach wird das Wachstum wohl allmählich abflachen, bemerkt Nolan Greene von IDC. Der Grund liegt darin, dass es nicht dazu gedacht ist, eine bestehende lokale WLAN-Bereitstellung zu ersetzen. Stattdessen zielt Cloud-verwaltetes Wi-Fi auf einen ausgewählten Markt, der sich mit einem wachsenden Bedarf an WLAN konfrontiert sieht, dem aber die Ressourcen fehlen, überall eine herkömmliche Implementierung vorzunehmen, fügt er hinzu.

„Diese Kunden benötigen Enterprise-Wi-Fi wegen der Sicherheitsfunktionen, die in Unternehmenslösungen enthalten sind – im Gegensatz zu Produkten für Endanwender, die man bei einem IT-Dienstleister kaufen würde, sagt er. „Aus diesem Grund gelangt Enterprise-Wi-Fi auch dorthin, wo es bislang noch keinen durchschlagenden Erfolg hatte und wo die Anforderungen sehr viel komplexer sind als bei Lösungen für Privatkunden.“

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Artikel wurde zuletzt im April 2016 aktualisiert

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