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Warum WLAN-Profis manche Wi-Fi-Jobs besser vermeiden sollten

WLAN-Profis sollten nicht mit schlechten Designs oder überhöhten Erwartungen kämpfen müssen. Sind WLAN-Aufträge nur mit Bedenken umzusetzen, sollten sie es lieber sein lassen.

Die WLAN-Branche kann manchmal merkwürdig sein, vor allem, was die Arbeit im Business-Bereich betrifft. Als WLAN-Profis müssen wir uns mit Faktoren auseinandersetzen, die nichts mit dem WLAN an sich zu tun haben, sondern damit, dass wir je nach Umstand als Pädagogen, Diplomaten, Vermittler und Wundertäter agieren müssen.

Nicht alle WLAN-Jobs sind der Mühe wert. In diesem Artikel schauen wir uns Situationen an, in denen es besser wäre, abzulehnen und schwierige Situationen jemandem anders zu überlassen.

Vor kurzem habe ich mehrere Dutzend Industrieveteranen aus verschiedenen Branchen befragt, wann bei Wi-Fi-Aufträgen der Gehaltscheck den Aufwand nicht wert ist. Hier habe ich ihre Antworten zusammengefasst.

Der Marketing-Hype hilft nicht

Ich glaube fest daran, dass jeder Job wichtig ist und wir alle in der Netzwerkwelt unsere Rollen haben. Aber was Wi-Fi und Marketing betrifft, ist oft alles ein wenig übertrieben. Die 802.11-Standards lassen im WLAN-Bereich sowohl Fehldeutungen als auch Wunschdenken und regelrechte Unwahrheiten zu.

Muss man sich mit einer Kundenanforderung oder einer Angebotsanfrage auseinandersetzen, die zu unmöglichen Service-Level-Agreements (SLA) führt, sollten die Alarmglocken läuten. Diese Anforderungen basieren auf der Werbung eines WLAN-Anbieters. Beispiele hierfür wären „Jeder Zugriffspunkt unterstützt 200 User, von denen alle HD-Videos streamen“ oder „Jedes Nutzergerät wird 2 Gbps WLAN-Durchsatz erhalten“. Falls möglich sollte man mit dem Kundenvertreter – der über die Autorität verfügt, SLAs zu ändern – die realistische Erwartungen sowie die rechtmäßige und situationsbedingte Leistungsfähigkeit eines WLANs besprechen. Will der Kundenberater diese unmöglichen Anforderungen beibehalten, sollten Sie diese Art von Wi-Fi-Arbeit lieber sein lassen.

Jeder mit einer WLAN-App glaubt, ein Experte zu sein

Vor kurzem hatte ich einen Auftrag, wo ich helfen sollte, lückenhaftes WLAN zu diagnostizieren. Ich entdeckte mithilfe meiner volllizenzierten Profi-Tools mehrere Probleme. Nachdem ich den Tag damit verbracht hatte, Informationen zu sammeln und Vorschläge zu machen, wurden diese vom Kundenberater, der gerne anhand seines iPhones technische Entscheidungen darüber fällt, wie sich High-Density-WLAN verhält, abgelehnt.

Letzten Endes hätte ich aber trotzdem die Verantwortung für seine Entscheidungen getragen. Eine solche Situation passiert allzu oft – und wir werden daran erinnert, dass ein Depp mit einem Tool immer noch ein Depp ist. Ich hab meine Rechnung ausgestellt und bin gegangen.

Kein Design, schlechtes Design und Design ohne Vorbereitung

Oft befinden wir uns in Situationen, in denen wir WLAN-Netzwerke reparieren sollen, die sich nicht richtig verhalten und feststellen, dass es am WLAN-Design hapert. Vielleicht sind Zugriffspunkte nicht dort, wo sie bequem erreicht werden können, weil der Kunde sich nach entfernungsbasierten Spezifikationen gerichtet hat, wie beispielsweise „Jeder Access Point (AP) kann tausend Quadratmeter abdecken“ oder einer Philosophie wie „Ein AP pro Klassenzimmer.“

Manchmal gibt es zu viele APs, manchmal zu wenige. Deswegen muss man die Anforderungen adressieren und klarstellen, was für eine technisch legitime Reparatur nötig ist. Kann keine Lösung ausgehandelt werden, die sowohl den Kunden als auch den Experten zufriedenstellt, wird die Arbeit in solchen Wi-Fi-Jobs problematisch.

Wann Altruismus nach hinten losgehen kann

Ich kenne viele großzügige WLAN-Experten, die gerne ihre Zeit, Expertise und manchmal sogar WLAN-Hardware spendiert haben, um Unternehmen zu helfen, die kein Budget haben. Es ist erstaunlich, wie viel man mit ein bisschen Wi-Fi in hilfsbedürftigen Organisationen wie Kirchen oder ehrenamtlichen Gruppen erreichen kann. Ebenso erstaunlich ist, wie anspruchsvoll die Empfänger Ihrer Gutherzigkeit sein können.

Vielleicht hat jemand zum Beispiel die Systemeinstellungen geändert oder zu viel Netflix gestreamt, was den winzigen Internetservice-Provider-Uplink überfordert und den WLAN für alle anderen zunichte macht. Sobald sich die Anrufe dann häufen, merkt man schnell, dass man mit guten Taten nicht ungestraft davonkommt. Letztendlich muss man in solchen Situation entweder klare Regeln vorgeben oder aber sich von der Situation entfernen.

Ethik, Rechtlichkeiten und die kleine Stimme im Kopf

Vom ethischen Standpunkt her haben wir alle unsere eigene Hemmschwelle – ganz gleich, ob wir in einer Situation arbeiten, in der mehr WLAN-Leistung genutzt wird als gesetzlich vertretbar oder wir in einem unmoralischen Geschäftsabkommen involviert sind. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich die Chance, für relativ einfache WLAN-Arbeit leichtes Geld zu machen. Leider war ein früherer Vorgesetzter beteiligt, der eine sehr unethische Einstellung hat. Mit ihm wollte ich nichts zu tun haben, egal, wie sehr sich diese Firma gerade im Aufstieg befand. Ganz gleich, was die gegebenen Umstände sind, wenn die innere Stimme Ihnen Warnsignale gibt, sollten Sie lieber darauf hören, anstatt sich auf das Entgeld zu fokussieren.

Die Liste ist endlos: Ein Kunde will vielleicht für lebenswichtige Sicherheitsgeräte eine WLAN-Umgebung erstellt haben, die bereits in schlechter Verfassung ist. Oder ein Kunde will, dass Sie in unsicheren Konditionen ohne richtige Sicherheitsausrüstung oder -vorkehrungen Installationsarbeiten ausführen. Ein anderer verspottet Ihre Tagesrate oder will, dass Sie ohne Zusatzvergütung massenhaft Überstunden arbeiten. Es stimmt zwar, dass wir alle arbeiten müssen, um unsere Familien zu versorgen, aber wir müssen gleichzeitig bedenken, dass uns manche Situationen teuer zu stehen kommen. Manchmal ist es besser, einfach Nein zu sagen.

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Artikel wurde zuletzt im Dezember 2017 aktualisiert

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