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SDN: Unsicherheit beim Upgrade von Netzwerken

Da sich der SDN-Markt ständig weiterentwickelt, entsteht in den IT-Abteilungen der Firmen Unsicherheit darüber, wie sie beim Update der Netzwerkinfrastruktur vorgehen sollen.

Seitdem der Begriff Software-defined Networking, kurz SDN, als neuestes Paradigma für Netzwerke in das Lexikon der IT aufgenommen wurde, herrscht am Markt eher Unsicherheit denn Klarheit.

Der aufstrebende SDN-Markt sah bislang die Produkte vieler neuer Hersteller, aber kein Anbieter warf bislang so große Schatten wie Cisco mit seiner Application Centric Infrastructure (ACI) und VMware mit NSX.

Der frühe SDN-Markt begann damit als eine Art Film mit zwei Stars. Erst in letzter Zeit wurde SDN zu einem Film mit einem größeren Ensemble – möglicherweise finden das einige schlecht, da der Markt mit nur zwei Teilnehmern ziemlich übersichtlich und einfach wäre, ähnlich wie beim Spiel Pepsi gegen Coca Cola; wir würden alle unseren jeweiligen sicheren Platz in einer Welt finden, die sich weiter dreht.

Doch leider ist das Thema Upgrade der Netzwerkinfrastruktur nicht so einfach und wird es niemals sein.

SDN ist ein schwer zu definierendes Konzept

Eine der Herausforderungen: SDN selbst ist weder ein Produkt noch ein Markt oder etwas, das man beim Einzelhändler um die Ecke kaufen kann. SDN ist ein Architekturmodell oder eher eine Idee, wie ein Netzwerk funktionieren sollte – und es stellt eine der größten Veränderungen im Design von Netzwerken dar, seitdem wir uns alle mit verschiedenen Netzwerk- und Transportprotokollen beschäftigen müssen.

Natürlich hat jeder Anbieter von Netzwerkprodukten sein Portfolio schnell an dieses neue Modell angepasst, vom großen, etablierten Hersteller bis hin zum Nischenanbieter. Da es aber keine etablierten Standards wie etwa TCP/IP gab, auf die sich alle einigten, herrschten beim Thema SDN schnell Verhältnisse wie im Wilden Westen.

Oberflächlich betrachtet könnte man sagen: „Na und? Die große Auswahl ist gut für den Markt“ – und einfach weitermachen. Das gilt für bestimmte Produkte mit einigen vereinbarten Standards. Aber in diesem Fall trifft keines von beiden zu. Wir haben viel zu viele Produkte, die sich das Etikett SDN ankleben, und wir haben keine Standards, sondern nur einige lose vereinbarte Ideen zum Verhalten von Netzwerken.

Hinzu kommt die zunehmende Fragmentierung durch viele Anbieter, die Themen wie beispielsweise Access Layer, Backbone, Anwendungen, Virtualisierung und Storage in ein Software-defined X verwandeln. Damit erhalten wir ein perfektes Rezept für den jetzigen Zustand der Unsicherheit und Verwirrung.

Upgrades der Netzwerkinfrastruktur verstehen

Ich habe in den letzten Jahren mit vielen Kunden gesprochen und versucht, ihre Anforderungen zu verstehen und ihnen zu helfen, die konkurrierenden Anbieter und Ideen unabhängig vom Hersteller zu sortieren. Aber die einzige Konstante blieb Unsicherheit.

Während einige dieser Kunden aus verschiedenen Gründen Cisco oder VMware bevorzugten, andere sich wiederum für Nischenanbieter entschieden, sitzt die Mehrheit immer noch am Rand und versucht herauszufinden, wann oder ob sie SDN in welcher Form einsetzen soll. Soziologen haben den Begriff „Angst, etwas zu verpassen“ (Fear Of Missing Out, FOMO) geprägt, um zu beschreiben, was viele Menschen fühlen, wenn sie ständig von Updates auf Social-Media-Plattformen bombardiert werden und selbst mit den anderen gleichziehen oder mithalten wollen.

Dasselbe geschieht mit den IT-Abteilungen in vielen Unternehmen. Hier kommt es aber nicht zu einem Ansturm auf die Anbieter, sondern paradoxerweise zu einer Art Entscheidungsstarre.

Darüber hinaus gilt: Mit Ausnahme von Geschwindigkeit bei hohem Datenaufkommen funktionieren die meisten Unternehmensnetzwerke einwandfrei. Sie mögen ein wenig unflexibel sein, besonders im Hinblick auf die heutigen Standards, aber sie sind solide aufgebaut und arbeiten zuverlässig. Daher stehen die IT-Abteilungen nicht unter Druck; und sie können in Ruhe versuchen, die neuen Paradigmen zu verstehen und Erkenntnisse zu gewinnen.

Aber wie lange wird diese Strategie als Zuschauer noch möglich sein? Die Erwartungen an Flexibilität, Tempo der Bereitstellung, Reporting und Fehlerbehebung kommen von allen Seiten. Es ist aber angesichts der aktuellen Marktlage verständlich, wenn Firmen sich die Zeit nehmen, um eine stringente und überzeugende Netzwerkstrategie zu entwickeln.

Der SDN-Einstieg sei gut überlegt

Der Kauf der größten Produkte der größten Hersteller auf Basis der Spezifikation wird nicht mehr funktionieren, sofern das überhaupt jemals klappte. Irgendwann muss das IT-Team eine Entscheidung treffen. Die Frage ist also, in welchem Zustand sich der Markt befinden muss, damit sich ein durchschnittliches Unternehmen sicher fühlt und langfristig Millionen von Euro in seine Kerninfrastruktur investiert?

Angesichts all dieser Tatsachen sollten Firmen sich bei riskanten Entscheidungen nicht am Status quo orientieren. Sie sollten sich nicht für einen etablierten SDN-Anbieter entscheiden, weil dessen Angebot für eine Netzarchitektur all ihre derzeitigen Anforderungen erfüllt, sondern weil der Anbieter wahrscheinlich auch in absehbarer Zukunft noch auf dem Markt existiert: Stabilität und langfristiger Support sind genauso wichtig wie Features und Funktionalität.

Umfassende Upgrades von Netzwerken, die mit dem neuen architektonischen SDN-Paradigma einhergehen, sind weder billig noch einfach zu implementieren oder zu betreiben. Firmen sollten daher die Angebote auf dem SDN-Markt genau prüfen und darauf achten, dass sie die neue Lösung langfristig einsetzen können.

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Artikel wurde zuletzt im April 2018 aktualisiert

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