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Vier Schritte: So bereiten Sie eine SD-WAN-Implementierung vor

SD-WAN bietet viele Vorteile. Unternehmen sollten bei der Vorbereitung entfernte Standorte priorisieren und die zu erwartenden Kosten genau prüfen.

Viele Hersteller vermarkten SD-WAN-Technologien (Software-defined WAN) stolz als die ideale Lösung, um sehr teure MPLS- und Metro-Ethernet-Verbindungen durch kostengünstige Breitbandverbindungen zu ersetzen.

In vielen Fällen ist diese Behauptung wahr. Doch manchmal gebieten es die Umstände oder spezielle Bedingungen, dass Firmen alle oder einige Standleitungen weiter betreiben müssen. Dieser Artikel beleuchtet einige wichtige Punkte, die Unternehmen bei der Entscheidung rund um die Connectivity und bei der Vorbereitung einer SD-WAN-Implementierung berücksichtigen sollten.

Eine wichtige Erkenntnis bereits vorweg: SD-WAN-Technologien sind mittlerweile relativ ausgereift. Im Vergleich zu Standard-WAN-Beschleunigungstechniken, die einfach Datenpakete zwischenspeichern, komprimieren und die Verbindung optimieren, um die gesamte benötigte Bandbreite zu verkleinern, senkt SD-WAN auch die gesamte Latenz.

Wenn zwei oder mehr WAN-Verbindungen verfügbar sind, überwachen SD-WAN-Tools jede Verbindung, um den schnellsten Weg für die Datenübertragung zu einem bestimmten Zeitpunkt zu ermitteln.

Die Daten werden dann auf dem besten Pfad mit der schnellsten verfügbaren Geschwindigkeit auf Paketbasis weitergeleitet. Letztlich werden dadurch Verzögerungen und Schwankungen der Signalstärke (Jitter) reduziert, selbst wenn dabei Standard-Internet-Breitbandverbindungen im Einsatz sind.

All diese Gründe erklären, warum der Markt für SD-WAN-Lösungen künftig stark wachsen wird.

SD-WAN-Implementierungen werden in den kommenden Jahren stark ansteigen. 2019 sollen laut Gartner rund 30 der Unternehmen diese Technologie nutzen, aktuell sind es nur etwa ein Prozent.
Abbildung 1: SD-WAN-Implementierungen werden in den kommenden Jahren stark ansteigen. 2019 sollen laut Gartner rund 30 der Unternehmen diese Technologie nutzen, aktuell sind es nur etwa ein Prozent.

SD-WAN funktioniert zwar sehr gut, sollte aber nicht mit zu hohen Erwartungen überfrachtet werden. Wenn das WAN in Unternehmen aktuell aus Mietleitungen besteht ‑ sei es MPLS, Metro Ethernet oder ältere digitale Leitungen ‑, kann der Service Provider bestimmte Werte für Durchsatz und Latenz von Endpunkt zu Endpunkt garantieren.

Diese Garantien sind bei der Vertragsunterzeichnung in den Service Level Agreements (SLA) enthalten. SD-WAN hilft dank mehrerer Breitbandverbindungen sicherlich bei Durchsatz- und Latenzproblemen, gibt aber noch keine Leistungsgarantie für den Kunden. Wenn Firmen SD-WAN beispielsweise über zwei getrennte Breitbandverbindungen laufen lassen, sind Überlastungen des Internets oder hohe Latenzzeiten möglich – die Endbenutzer werden sie bemerken. Dies gilt insbesondere bei latenzempfindlichen Anwendungen wie Sprach- und Videokommunikation in Echtzeit.

So bereiten Sie die Bereitstellung von SD-WAN vor

Mit folgenden vier Aktionen können Unternehmen herausfinden, ob sich SD-WAN für sie eignet und falls ja, wo:

Entfernte Standorten priorisieren: Den ersten Schritt in jedem SD-WAN-Migrationsplan stellt die Priorisierung der entfernten Standorte gemäß ihrer Bedeutung dar. Wenn eine Niederlassung im Unternehmen als besonders wichtig gilt, kann es sinnvoll sein, die bestehende Standleitung und deren Infrastruktur zu behalten, um die operative Effizienz rund um die Uhr besser zu gewährleisten. Alternativ wäre es möglich, die Standleitung durch eine Kombination aus SD-WAN und Breitbandverbindung zu ersetzen. Damit tritt eine günstigere Breitbandverbindung an die Stelle einer teuren Standleitung.

Wenn ein Unternehmen zuvor eine einzige wichtige WAN-Niederlassung aus Redundanz-Gründen mit zwei MPLS-Verbindungen verknüpft hat, kann es einen MPLS-Link beseitigen, durch eine günstigere Breitband-Internetverbindung ersetzen und intelligentes SD-WAN-Routing implementieren, um den Datenverkehr über MPLS und eine Breitbandverbindung zu leiten. Damit können Firmen den Datenfluss zur wichtigen Filiale über die Standleistung reduzieren und dadurch Kosten sparen, während das erforderliche Service-Niveau weiter bestehen bleibt.

Breitbandoptionen ermitteln: Wenn ein entfernter Standort eher unwichtig ist, sollten Firmen die Standleitung durch SD-WAN und zwei oder mehr kostengünstige Breitbandverbindungen ersetzen. Wichtiger Hinweis: Breitbandoptionen variieren von Standort zu Standort. So kann es beispielsweise vorkommen, dass es an einem Standort nur einen einzigen Carrier gibt. Daher ist eine gründliche Untersuchung von Breitband- und Standleitungsoptionen erforderlich, bevor Unternehmen endgültige Entscheidungen über eine SD-WAN-Implementierung treffen.

Schrittweise Migration von Standorten: Firmen sollten auch entfernte Standorte Schritt für Schritt auf SD-WAN umstellen. Der Start erfolgt am besten mit einigen weniger wichtigen Standorten, um die Leistung und Funktionen von SD-WAN zu testen und die Kniffe bei der Konfiguration herauszufinden. Viele Hersteller bewerben ihre SD-WAN-Technologien als Plug-and-Play-Lösung. Doch so einfach ist es meist nicht. Bei vielen SD-WAN-Implementierungen müssen die Konfigurationen angepasst werden, um das WAN für die spezifischen Anwendungen und den Datentransport zu optimieren.

Kosten genau prüfen: Sobald klar ist, welche entfernten Standorte keine kostspielige Standleitung mehr benötigen und die weiteren Breitbandoptionen feststehen, geraten die Kosten ins Blickfeld. Da SD-WAN-Technologien relativ neu sind, verlangen die meisten Hersteller hohe Preise. Daher müssen die Ersparnisse durch den Ersatz der teuren Standleitung die Kosten für den Kauf von SD-WAN-Hardware,- Software und -Services über einen relativ kurzen Zeitraum abdecken. Firmen sollten einen Break-Even-Point von drei Jahren oder kürzer anstreben. Wenn sich ihre Investitionen innerhalb von drei Jahren nicht amortisieren, sollten sie mit der Implementierung von SD-WAN warten, bis die Preise für diese Technologie sinken.

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Artikel wurde zuletzt im März 2017 aktualisiert

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