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Softwarebasierte Netzwerke sind vielseitig einsetzbar

Softwarebasierte Netzwerke sind entscheidend für den Erfolg von Architekturen wie Hybrid Cloud, Internet der Dinge und den kommenden 5G-Mobilfunk.

Die Netzwerk-Welt bewegt sich rasant in Richtung softwarebasierte Systeme. Diese verbessern die Interoperabilität, bieten mehr Optionen für die individuelle Anpassung sowie Automatisierung und erhöhen die Unabhängigkeit von Plattformen. Softwarebasierte Netzwerke sind entscheidend für den Erfolg neuer IT-und Netzwerk-Architekturen wie Hybrid Cloud, Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) und 5G-Mobilfunk.

Basis dafür ist ein breiter und ganzheitlicher Ansatz beim Betrieb von Netzwerken mit Hilfe von Software; das Konzept unterscheidet sich dadurch vom herkömmlichen Ansatz, in dem Service Provider und Unternehmen Software-defined Networks (SDN), Network Functions Virtualization (NFV) und Netzwerk-Virtualisierung als separate Technologien ansehen und eine Auswahl zwischen den Technologien treffen.

Die umfassende und anspruchsvolle Herangehensweise an Software-Networking kombiniert Elemente von SDN, NFV und Netzwerk-Virtualisierung. Sie ermöglicht eine Vielzahl an Anwendungsfälle und Kundentypen. Softwarevernetzung ist durch folgende Eigenschaften gekennzeichnet:

  • Automatisierte Bereitstellung, Konfiguration und Verwaltung;
  • Unterstützt mandantenfähige und einfache Skalierbarkeit über Cloud-Ressourcen;
  • Offene APIs sorgen dafür, dass die Netzwerke einfach anzupassen und programmierbar sind;
  • Offen, basierend auf Standards, kompatibel mit verschiedenen Herstellern und interoperabel mit einer Vielzahl von Netzwerksoftware etwa in den Bereichen NFV Management and Orchestration (MANO), Analytik, Sicherheit und Anwendungen;
  • Plattformunabhängigkeit durch Software Abstraktion: funktionsfähig auf Plattformen von Intel, ARM, White-Box-Switches und anderer offener Hardware, und
  • Unterstützt eine zentrale oder dezentrale Architektur mit einer Vielzahl von Hypervisor-, Virtualisierungs- und Container-Technologien.

Es gibt eine Vielzahl von Anwendungsfällen für softwarebasierte Netzwerke. Dazu gehören Rechenzentren, Campus LAN, Wide Area Network, Lösungen in Niederlassungen und Filialen und Szenarien im Kern oder am Rand von Telekommunikationsnetzen. Auch die Palette der Kunden-Typen ist breit gefächert. Sie reicht von großen kleinen und mittleren Unternehmen aller Branchen über Behörden bis hin zu Kommunikations- und Cloud-Service Providern.

Standards für softwarebasierte Netzwerke

IT-und Netzwerk-Experten haben beim Aufbau eines softwarebasierten Netzwerks der nächsten Generation die Qual der Wahl. Mehr als 100 Anbieter konzentrieren sich in diesem Segment auf spezifische Anwendungen, MANO und die Infrastruktur aller Anwendungsfälle und Kundenarten.

Die vielen Standardisierungsgremien haben an dieser Stelle aber bislang noch keine klaren Blaupausen für den Aufbau softwarebasierter Netzwerke vorgegeben. Zu den Normungsgremien mit relevanter Arbeit im Bereich Software-Vernetzung gehören das European Telecommunications Standards Institute (ETSI), Metro Ethernet Forum (MEF), Internet Engineering Task Force (IETF), Open Platform for NFV (OPNFV), Open Networking User Group (ONUG), OpenDaylight and OpenStack. Open-Source-Netzwerksoftware beginnt gerade erst zu reifen, und Käufer bleiben weiterhin unsicher, welche Standards sich künftig am ehesten durchsetzen.

Status: Implementierungs-Grad von Softwarenetzwerken

Hyperscale-Cloud-Anbieter: Hyperscale-Cloud-Anbieter wie Google, Amazon, Microsoft und Facebook stehen bei der Implementierung von Softwarenetzwerken an der Spitze. Mit ihren massiven Netzwerken und immensen Ressourcen nutzten Unternehmen wie Google Open-Source-Software, um ihre eigene Netzwerksoftware aufzubauen. Facebook ging noch einen Schritt weiter und hat seinen eigenen Standard für Switching-Hardware im Rechenzentrum entwickelt. Die großen Cloud-Provider haben gezeigt, mit welch breiten Funktionen Softwarenetzwerke neu definieren, wie Rechenzentren und WANs gebaut und betrieben werden.

Telekommunikations-Service-Provider: Tier-One-Service-Provider nutzen SDN- und NFV-Software als Hebel, um ihre Netzwerke effizienter, flexibler und kostengünstiger zu entwickeln. Mehrere TK-Provider, darunter AT&T, haben sich aggressive Ziele gesetzt, um in den nächsten Jahren bis zu 80 Prozent ihrer Netze zu virtualisieren. Wichtige Investitionsbereiche für Service Provider bei softwarebasierten Netzwerken sind:

  • Rechenzentrum
  • Kern des Netzwerks
  • Rand (Edge) des Netzwerks
  • Virtuelle Ausstattung am Standort des Kunden und Software-definiertes WAN (SD-WAN)
  • 5G-Mobilfunk

Die kommende Migration auf 5G-Funknetzwerke wird ab 2018 den Einsatz von Software auf standardisierten Hardwareplattformen beschleunigen.

Unternehmen: Unternehmenskunden sind unter den drei genannten Gruppen die Spätzünder beim Einsatz von softwarebasierten Netzwerken. Der Mangel an klaren Business Cases, veraltete IT-Ausstattung, Trägheit in der Organisation und begrenzte Ressourcen haben die Implementierung von Softwarenetzwerken in vielen Unternehmen erschwert. Eine zu große Auswahl an Lösungen und die Unfähigkeit, langfristig einsetzbare Softwarenetzwerk-Technologien zu identifizieren, sind die wesentlichen Gründe, warum viele Unternehmen weiterhin den Status quo der hardwarebasierten Netzwerkinfrastruktur für Campus- und Rechenzentrumsnetze fortsetzten.

Das hohe Tempo der SD-WAN-Implementierungen führt viele Unternehmen in die Ära der softwarebasierten Netzwerke. Der klare Business Case Höhere Leistung führte dazu, dass große Handels- und Finanzdienstleistungs-Unternehmen in Tausenden von Zweigstellen SD-WAN einrichteten; es ist damit zu rechnen, dass auch in anderen Unternehmen SD-WAN weiter wachsen wird.

Empfehlungen für IT-Fachleute

Die Vorteile von Softwarenetzwerken haben sich bis dato in mehreren Anwendungsfällen sowie einer Reihe von Branchen und Kundentypen deutlich erwiesen. Da softwarebasierte Netzwerke von der Hardwareschicht getrennt sind, bieten sie die heute erforderliche Flexibilität sowie Automatisierung und unterstützen mehrere Anbieter. Softwarebasierte Netzwerke ermöglichen Hybrid-Cloud-Rechenzentren und die Migration zum 5G-Mobilfunk. Sie unterstützen geografisch dezentrale Standorte und Niederlassungen und sind fit für das Internet der Dinge.

Der Markt bewegt sich langfristig in Richtung Network as a Service (NaaS) – im Gegensatz zur Vernetzung über eine Anzahl von Hardwareboxen. Die Herausforderung für IT-Profis ist es, die richtigen Standards und Partner zu wählen, mit denen sie ihre Netzwerke agiler gestalten können. Doch da sich bislang auf dem Markt weder führende Standards noch bestimmende Hersteller herauskristallisiert haben, muss die IT-Abteilung bei der Implementierung von softwarebasierten Netzwerken vor allem auf den konkreten Bedarf und die Vorteile des entsprechenden Anwendungsszenarios achten.

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Artikel wurde zuletzt im März 2017 aktualisiert

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