On-Premise-WLAN oder Cloud-verwaltetes WLAN: Was eignet sich besser für Sie?

On-Premise- und Cloud-verwaltetes WLAN bieten spezifische Vor- und Nachteile. Unser Vergleich erleichtert Ihnen die Suche nach der passenden Lösung.

Hinweis der Redaktion: Dieser erste Artikel in unser fünfteiligen Serie über den Kauf von WLAN-Technologien für den Unternehmenseinsatz vergleicht Cloud-gesteuertes WLAN mit lokal verwaltetem WLAN. Die Serie wirft außerdem einen Blick auf die Kaufkriterien für Cloud-verwaltete WLAN-Produkte und die die für den Kauf von lokal verwalteten WLAN-Lösungen. Die beiden letzten Beiträge vergleichen dann die Top-Anbieter von Cloud-gesteuertem WLAN auf dem Markt und die führenden Anbieter von lokal verwaltetem WLAN.

Für jedes Unternehmen, das beabsichtigt, sein Legacy-WLAN zu aktualisieren, stellt sich die wichtige Frage, ob ein durch On-Premise-Controller verwaltetes WLAN implementiert werden soll oder eines, dessen Controller sich in der Cloud befinden. Je nach Struktur Ihrer Firma, aktuellem Netzwerkdesign und den Anforderungen an das kabellose Netzwerk wird eine Architektur wahrscheinlich die andere ausstechen.

Lassen Sie uns als Erstes die Entwicklung von WLAN-Netzwerken betrachten und einige wesentliche Unterschiede zwischen einem On-Premise-WLAN und einem Cloud-verwalteten WLAN herausstellen.

Die Entwicklung des WLAN-Designs

Als Unternehmens-WLANs aufkamen, wurde ursprünglich jeder kabellose Access Point (AP) getrennt von anderen APs im gleichen Netzwerk konfiguriert und verwaltet. Das war zu jener Zeit kein Problem, weil die meisten Firmen spezielle Bereiche auswiesen, in denen kabellose Hotspots verwendet wurden. Zu diesen Bereichen zählten typischerweise Orte wie Konferenzräume, Lobbys und Terrassen – alle Plätze mit vielen Nutzern und wenigen kabelgebundenen Ports.

Als die Nachfrage nach kabellosem Zugang im Unternehmen wuchs, galt dies auch für die zur Bereitstellung notwendige Infrastruktur. Plötzlich mussten Netzwerk-Administratoren Hunderte – oder sogar Tausende – von APs verwalten, um komplette Gebäude und Betriebsgelände mit einem kabellosen Signal zu versorgen. Als noch problematischer erwies sich, dass die APs keine Möglichkeit besaßen, untereinander zu kommunizieren. Infolgedessen machten technische Probleme wie Gleichkanalstörungen, Leistungsanpassungen und Client-Roaming viele Netzwerke instabil und unzuverlässig.

Um diese technischen Fragen zu klären, brachten WLAN-Anbieter kabellose LAN-Controller auf den Markt, um Daten der Data Plane und Daten der Management Control Plane an einem einzigen Ort zu konzentrieren. Der Controller fungiert hierbei als einziger Kontrollpunkt für die Konfiguration und Kommunikation von APs sowie, in den meisten Fällen, für die Durchsetzung von Richtlinien. Die APs selber verlieren ihre Eigenintelligenz, und der Controller übernimmt die Rolle der Schaltzentrale für das gesamte Funknetz.

Eine Herausforderung von lokalen Controllern ist, dass Sie auf die vorhandene Hardware Ihres Unternehmens beschränkt sind.

Dieses Design bietet eine Reihe von entscheidenden Vorteilen. Zunächst einmal verwaltet der kabellose Controller alle APs überall im Netzwerk und besitzt somit eine vollständige Übersicht über das WLAN. Die IT-Mitarbeiter können den Controller nutzen, um bedarfsgerechte Anpassungen im Funkbereich vorzunehmen. Dadurch wird es WLAN-Administratoren ermöglicht, die Funkkanäle bei auftretenden Störungen zu wechseln, die Signalstärke anzupassen, wenn APs offline oder online gehen, und Clients einem anderen AP zuzuweisen.

Der zweite große Vorteil besteht darin, dass sowohl der Control-Plane- als auch der Data-Plane-Traffic zum kabellosen Controller zurückgetunnelt wird, bevor er im lokalen Daten-LAN zur Verfügung steht. Aus Data-Plane-Perspektive kann das positiv und negativ sein. Es ist ein Pluspunkt in dem Sinne, dass WLAN-Richtlinien für spezifische SSIDs an nur einer Stelle durchgesetzt werden, wodurch die Richtlinienverwaltung unglaublich vereinfacht wird. Das Design kann allerdings zu Engpässen und Single Points of Failure führen, falls es nicht sorgfältig geplant wird.

Bei einem Cloud-verwalteten WLAN verbinden sich die APs mit einem virtuellen Controller, der sich üblicherweise in einer Public Cloud im Internet befindet. Control-Plane-Informationen, die AP-Verwaltung und sonstige WLAN-Dienste laufen über eine Internetverbindung zwischen dem Cloud-Controller und den lokalen APs. Der wichtigste Unterschied in der Architektur zwischen einem On-Premise-Controller und einem Cloud-basierten Controller betrifft den Fluss von Data-Plane-Traffic. Bei einem On-Premise-Design wird sowohl die Control-Plane- als auch die Data-Plane-Kommunikation in einem als Wireless Backhaul bezeichneten Prozess zum Controller zurückgetunnelt.

Im Gegensatz dazu werden bei einem Cloud-Controller-Design die Data-Plane-Informationen abgeladen, sobald sie auf das LAN treffen. Das bedeutet, dass jede Richtlinienerzwingung auf dem AP selbst stattfindet, was Cloud-verwaltete APs halbintelligent macht, da sie Richtlinienregeln lokal besitzen und durchsetzen müssen.

Sowohl On-Premise- als auch Cloud-verwaltete Funknetze eignen sich für den Unternehmenseinsatz im Hinblick auf Verwaltung, automatisierte Intelligenz und Zuverlässigkeit. Die Entscheidung, welche Implementierung Ihrem Unternehmen den besten Nutzen verspricht, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Betrachten wir daher als Nächstes die Vorteile und optimalen Einsatzszenarien von Cloud-verwalteten und On-Premise-WLANs.

Vorteile von On-Premise-WLANs

LAN-Architektur: Das Erste, was es zu untersuchen gilt, ist der aktuelle Zustand Ihres LANs. Für Benutzer, die bereits über einen kabellosen On-Premise-Controller verfügen, kommt möglicherweise einfach ein Upgrade infrage. Aus Layer 2- und Layer 3-Perspektive würde der Umstieg auf ein Cloud-basiertes System eine Neukonfiguration des Netzwerks nach sich ziehen, damit das Cloud-gesteuerte Netzwerk WLAN-Daten direkt im LAN abladen kann, anstatt sie zum On-Premise-Controller zurücktunneln zu lassen. Je nach Größe des Netzwerks wäre damit ein beträchtlicher Zeitaufwand verbunden. Daher bietet sich für viele als einfachste Option ein Upgrade auf einen On-Premise-Controller der nächsten Generation an. Dieser tunnelt sowohl Control-Plane- aus auch Data-Plane-Informationen zurück zum lokalen Controller.

Internetkonnektivität: Damit Cloud-gesteuerte WLANs ordnungsgemäß funktionieren, sind sie in hohem Maße auf das Internet angewiesen. Das kann sich als Hindernis herausstellen, wenn Ihre Internetkonnektivität schwankt. Der Cloud-Controller sendet und empfängt nicht nur WLAN-Steuerungsdaten an beziehungsweise von lokalen APs, sondern übernimmt oft auch noch zusätzliche Drahtlosdienste wie die DHCP-Bereitstellung (Dynamic Host Configuration Protocol) und -Authentifizierung. Falls Ihre Internetkonnektivität unzuverlässig ist oder unter Latenz- und Durchsatzproblemen leidet, empfiehlt es sich, bei einem On-Premise-Ansatz zu bleiben, bei dem all diese Funktionen lokal gesteuert werden.

WLAN-Komplexität: In den meisten Situation bieten On-Premise-Controller eine deutlich höhere Flexibilität, wenn es um das eigentliche Design und die Bereitstellung des WLANs geht. Dazu gehören eine erweiterte Unterstützung für Legacy-Wi-Fi-Geräte und -Anwendungen sowie eine granularere Kontrolle von spezifischen Drahtloseinstellungen. Bei Unternehmen, die Tausende von APs auf großen Geländen betreiben, können mehrere On-Premise-Controller im Verbund arbeiten, um für Clients einen stabilen WLAN-Zugang und -Failover zur Verfügung zu stellen. Bei dieser Art von komplexen WLAN-Szenarien bringen On-Premise-Controller deutlich größere Vorteile als Cloud-Controller.

Vorteile von Cloud-verwalteten WLANs

Einfache Remoteverwaltung: Wenn Ihr Unternehmen geografisch auf Hunderte oder gar Tausende von Niederlassungen verteilt ist, könnte ein Cloud-basiertes WLAN ideal für Sie sein. Bei einem Cloud-Ansatz gibt es ein Single Point of Management, unabhängig davon, wo die IT-Mitarbeiter sitzen. Dadurch entfällt die Anforderung, Controller an jedem Standort bereitzustellen. Zudem müssen sich Netzwerk-Administratoren keine Sorgen mehr über den Remotezugriff auf jeden Standort machen, da alles in einer Public Cloud gesteuert wird. Viele Netzwerkausrüster bieten auch andere Netzwerkgeräte an, unter anderem Cloud-verwaltete Switches, Router und Firewalls. Wenn Ihr Unternehmen also geografisch verteilt ist, empfiehlt es sich nicht nur, Cloud-basierte WLANs zu evaluieren, sondern auch, die gesamte Netzwerkverwaltung in die Cloud auszulagern.

Ein Vorteil von Cloud-verwalteter WLAN-Hardware liegt in dem Umstand, dass die meisten Anbieter Zero-Touch-Bereitstellungen im Portfolio haben. Das bedeutet, dass Sie Ihr kabelloses Netzwerk vorkonfigurieren können, noch bevor es vom Hersteller zur Remote Site geliefert wird. Der AP muss lediglich mit dem Netzwerk verbunden und eingeschaltet werden. Dann richtet der Access Point sich automatisch ein und verwendet dazu die vorkonfigurierten Einstellungen auf Basis der Seriennummer und MAC-Adresse. Auf diese Weise müssen Feldtechniker nicht mehr zu verschiedenen Zweigstellen reisen, um die einzelnen kabellosen Netzwerke zu konfigurieren.

Keine Einschränkungen der Controller-Hardware: Eine Herausforderung im Zusammenhang mit On-Premise-Controllern liegt darin, dass Sie auf die vorhandene Hardware Ihres Unternehmens beschränkt sind. Kleinere On-Premise-Controller können bis zu 25 APs verwalten, während andere mit Tausenden zurechtkommen. Doch unabhängig von der genauen Menge der Hardware stößt die Kapazität von Controllern irgendwann an ihr Limit. Für sich rasch erweiternde Infrastrukturen müsste man neue Hardware anschaffen, wohingegen das Cloud-WLAN theoretisch keine Grenzen kennt. In der Cloud kann Ihr WLAN aus einigen wenigen oder Tausenden von APs bestehen, ohne dass es zu Einschränkungen durch die Hardware kommt.

Analog dazu müssen bei Erscheinen neuer Funktionen ältere Controller manuell aktualisiert werden, um mit den erweiterten Fähigkeiten Schritt zu halten. Das kann eine Menge Zeit und Arbeitskraft kosten. Bei einem Cloud-Controller werden Updates durch den Provider in der Cloud vorgenommen.

Fazit

Es gibt nicht die eine „richtige“ Lösung, wenn es um die Frage geht, ob On-Premise- oder Cloud-verwaltetes WLAN besser ist. Jeder Ansatz hat Vorteile und Nachteile. Bevor Sie sich zum Kauf entschließen, evaluieren Sie den aktuellen und den in naher Zukunft vorhersehbaren Zustand Ihres Netzwerks. Dann prüfen Sie, welche der oben genannten Faktoren für den Erfolg Ihrer Firma von Bedeutung sind. Höchstwahrscheinlich ergibt sich so ein klarer Sieger zwischen On-Premise- und Cloud-WLANs. Anschließend können Sie sich darauf konzentrieren, welches spezielle Anbieterportfolio sich am besten für Sie eignet.

Im nächsten Artikel konzentrieren wir uns auf einige wichtige Funktionen der beiden Herangehensweisen, so dass Sie wissen, welche Kriterien es für eine Kaufentscheidung zu berücksichtigen gilt.

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Artikel wurde zuletzt im September 2015 aktualisiert

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