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Brauchen wir mGig wirklich für mehr WLAN-Geschwindigkeit?

Mit mGig haben die Netzwerkanbieter eine Technologie auf den Markt gebracht, um 802.11ac in Firmennetzwerken zu unterstützen. Die Frage ist aber: Ist ein Upgrade zwingend nötig?

Das ist ein Thema, das Netzwerker nur zu gerne diskutieren und auch in Zukunft wird es Streitgespräche geben. Brauchen wir für unsere drahtlosen Netzwerke wirklich Multigigabit- oder mGig-Geschwindigkeiten?

Bevor ich meine Meinung dazu äußere, möchte ich zunächst erklären, was mGig eigentlich ist. 2016 wurde der IEEE-Standard 802.3bz ratifiziert. Damit haben sich die neuen LAN-Optionen 2,5 Gbit/s und 5 Gbit/s auf einem einzelnen, ungeschirmten Twisted-Pair-Kabel ergeben, also zusätzlich zu 10/100/1000 Mbit/s, die schon lange existieren.

Der Ursprung von mGig ging von der drahtlosen Seite des Netzwerks aus. Mit IEEE 802.11ac gab es vielversprechende Geschwindigkeiten für drahtlose Netzwerke (WLAN), die schneller als der typische 1 Gbit/s-Uplink sind, der für 802.11n ausreicht. Leute wie ich haben erklärt, dass man nun die Verkabelung und die Switch-Ports aufrüsten muss, um den Marketing-Hype von 802.11ac zu unterstützen. Die Netzwerkbranche hat auf jeden Fall richtig reagiert und mit mGig geantwortet.

Produkte nach 802.3bz werden bestellt und auch ausgeliefert, aber lösen wir damit das eigentliche Problem? Kommen wir über die 1 Gbit/s auf unseren derzeitigen 802.11ac-APs (Access Points) tatsächlich hinaus? Können wir das schaffen, wenn wir uns anstrengen?

Den Zusammenhang zwischen mGig und dem WLAN verstehen

Sprechen wir vom drahtgebundenen Ethernet, dann sind die Diskussionen viel einfacher. Wir betreiben eine Workstation normalerweise an einem dedizierten Switch-Port mit 1 Gigabit Ethernet. Das reicht locker für gewöhnliche Operationen im Netzwerk. Die Netzwerkkarte ist mit 1 Gb ausgestattet, der Switch Port auch und die meisten Workstations ebenfalls, aber die Geschwindigkeit wird selten gebraucht. Bei Servern sieht die Sache etwas anders aus. Aber WLAN und 802.11ac sind anders. Der Standard 802.11ac erlaubt Datenraten von bis zu 7 Gbit/s und der momentane Entwurf von Standard 802.11ax wird uns nahe an die 10 Gbit/s bringen.

Da wir über Wi-Fi reden, sind diese Zahlen natürlich beeindruckend, aber auch ein bisschen irreführend. Sprechen wir von drahtlosen Netzwerken, dann sind die Datenraten ungefähr doppelt so hoch angesetzt wie die eigentliche Geschwindigkeit, weil drahtlos an sich nur Halb-Duplex ist. Andere Faktoren sind für unseren Beitrag hier irrelevant.

Sie brauchen mGig auf keinen Fall, nur weil Sie mit dem Gedanken spielen, sich neue APs anzuschaffen.

Weiterhin müssen wir den Fakt in Betracht ziehen, dass die Übertragungsdaten fast nie als Top-Geschwindigkeit umgesetzt werden können, wie sie in den Standards angegeben sind. In der Spezifikation 802.11n verspricht WLAN zum Beispiele eine Datenrate von 600 Mbit/s als Geschwindigkeit. Allerdings wurden maximal 450 Mbit/s erreicht und der Grund ist die Hardware. Selbst unter idealen Bedingungen muss man sich mit 25 Prozent weniger zufriedengeben.

Normalerweise verbinden wir uns alle mit gut oder sehr gut designten drahtlosen Netzwerken, aber die Spitze ist in der Realität schwer zu erfassen, weil wir über viele Faktoren nur wenig Kontrolle haben. Sie wiederum verhindern, dass wir die Höchstgeschwindigkeiten mit WLAN erreichen.

Definition von Notwendigkeit und die beste Route

Also, zurück zu mGig und der Frage der Notwendigkeit. Leider gibt es hier keine eindeutige Antwort. Erschwerend für eine Analyse, ob es notwendig ist oder nicht, kommt hinzu, dass sich alle Umgebungen unterscheiden. Wir wissen, dass 2,5 Gbit/s- oder 5 Gbit/s-Uplinks zu den APs total angemessen sind. Selbst die am stärksten ausgelasteten APs schaffen es aber nicht einmal annähernd, die Gig-Uplinks voll zu nutzen. Das sehen viele von uns, die 802.11ac seit Jahren verwenden und auch Wave 2 hat daran nichts geändert. Mit dem heutigen Mix an Clients habe ich 26.000 Geräte, die sich auf 4.000 APs anmelden und der gesamte Durchsatz am Controller hat zu Spitzenzeiten 6 Gbit/s oder 7 Gbit/s. Das ist kein Hilferuf nach mGig, zumindest für den Moment.

Ich versuche achtsam zu sein, aber mein Blick auf die drahtlose Welt ist alles andere als komplett. Bei mir ist sehr viel BYOD im Spiel und ich habe keine Wahl, sondern muss einige wirklich schreckliche Geräte unterstützen, die die Durchschnittswerte nach unten ziehen, wenn sie messen, was im WLAN passiert. Ich kann mir etwas besser kontrollierte Unternehmensumgebungen vorstellen, in denen Top-Geräte wirklich anspruchsvolle Anwendungen nutzen. Damit bringen sie die Uplinks der gut designten 802.11ac-Wave 2-APs an die Grenzen oder es besteht zumindest die theoretische Möglichkeit dafür. In so einem Fall ist mGig reizvoll.

Im Moment befinden wir uns in Sachen Enterprise Wi-Fi in einer komischen Zeit. Die Marketing-Abteilungen der Hersteller haben 802.11ac heftig beworben und dabei interessante Märchen erzählt, was der neue Standard alles leisten kann. Es wurde ein WLAN-Klima in Sachen Geschwindigkeit geschaffen, das mGig nur allzu plausibel macht, damit sich drahtlose und drahtgebundene Netzwerke die Balance halten. In der Zwischenzeit haben Leute wie ich den Marketing Hype widerlegt und bewiesen, dass 802.11ac in den meisten Fällen kein mGig benötigt. Aber mGig ist nun mal hier.

Sehe ich ein paar Jahre in die Zukunft, dann ergibt mGig mehr Sinn, als es das im Moment tut. Muss ich Switches kaufen, die sieben Jahre halten und nach Möglichkeit sowohl das derzeitige Wave 2 als auch künftige 802.11ax-APs unterstützen sollen sowie die nächsten Generationen an Client-Geräten, dann ist in meiner Situation mGig eine vernünftige Investition in die Zukunft. Ist Ihr WLAN nicht so ausgelastet und Ihre Switches sind relativ neu, dann rate ich Ihnen, mindestens einen Upgrade-Zyklus zu warten, bevor Sie auf den mGig-Zug aufspringen.

Nur sie können entscheiden, wann die Zeit für mGig-Switches in Ihrem Unternehmen gekommen ist. Ob Sie die Technologie annehmen oder eben nicht, sollte das Ergebnis einer Analyse der Auslastung der AP-Uplinks sein und danach schätzen Sie die künftigen Anforderungen ein. Sie brauchen mGig aber auf keinen Fall, nur weil Sie mit dem Gedanken spielen, sich neue APs anzuschaffen.

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Artikel wurde zuletzt im Mai 2018 aktualisiert

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