Virtuelle Router von Cisco und Brocade im Vergleich

Bei virtuellen Routern (VR) sind Funktionsumfang, Plattform und Preise wichtig. Wir werfen einen genaueren Blick auf Produkte von Cicso und Brocade.

In dieser dreiteiligen Artikelserie wirft Kevin Tolly einen Blick auf den Markt der virtuellen Router. Im ersten...

Teil erklärt unser Experte die Evolution der virtuellen Router. Dieser Teil dreht sich sowohl theoretisch als auch praktisch um den Funktionsumfang der führenden virtuellen Router. Im speziellen haben wir Brocade und Cisco unter die Lupe genommen.

Liebäugeln Sie mit dem Einsatz eines virtuellen Routers (VR), ist es zunächst einmal wichtig, dass Sie sich nicht in den Details der Routing-Protokolle verzetteln und sich stattdessen auf die entscheidenden Unterschiede konzentrieren. Dazu gehören:

  • Plattform: Läuft der VR, den Sie gerade evaluieren, auf einer standardmäßigen PC-Plattform oder brauchen Sie dafür denselben Typ Hypervisor wie bei einer virtuellen Maschine (VM)? Wenn es sich um eine VM handelt, die in der Regel als virtuelle Appliance ausgeliefert wird, innerhalb welcher VM-Umgebung lässt sie sich betreiben? Sie können normalerweise davon ausgehen, dass es eine Version für VMware ESXi gibt. Zu den weiteren großen Umgebungen gehören Microsoft Hyper-V, Citrix XenServer und Red Hat KVM.
  • Funktionsumfang: Natürlich routen alle Router. Einige Systeme bringen aber ausgeklügelte Funktionen für Service-Provider mit sich und somit Charakteristiken, die Sie vielleicht niemals benötigen. Sollten Sie den Einsatz virtueller Router für die Netzwerke der Zweigstellen planen, möchten Sie möglicherweise auch ein Virtual Private Network (VPN) implementieren. Stellen Sie also sicher, dass der VR-Wunschkandidat diese Funktion anbietet.
  • Preismodelle: Bei physischen Routern hängt der Preis sehr von der Hardware ab. Auch wenn das Betriebssystem in der Regel gleich ist, rechtfertigen schnellere LAN- oder WAN-Schnittstellen einen höheren Preis. Bei virtuellen Routern verschwindet dieses Preismodell. Daraus resultierend ändert sich auch das Preismodell in Richtung zahle mehr und bekomme mehr. Bei Cisco VR hängt der Preis zum Beispiel von der notwendigen Bandbreite ab, die von der Plattform abgearbeitet werden muss. Bei HP bestimmt die Anzahl der Prozessorkerne den Preis, auf denen die virtuelle Maschine für die Software läuft. Mehr Kerne bedeuten mehr Durchsatz und somit ist der Preis höher. Da virtuelle Router nur aus Software bestehen, ist es für die Anbieter recht einfach, Demoprodukte zum Download zur Verfügung zu stellen. Sehen Sie sich unbedingt nach dieser Option um und testen Sie die Produkte, bevor Sie diese kaufen.

Rezension des virtuellen Routers Brocade Vyatta 5400 vRouter

Dieser virtuelle Router basiert auf der Technologie von Vyatta, einem Pionier im Bereich virtuelle Router, der von Brocade übernommen wurde. Die Firma hat schon solche Produkte angeboten, bevor der Begriff überhaupt geprägt wurde. Das Originalprodukt bestand aus Routing-Funktionalität, die auf Open-Source-Software basierte und wurde auf Dell-PCs von der Stange eingesetzt.

Es handelt sich hier um ein komplett funktionstüchtiges und sehr gut entwickeltes Routing-Produkt. Das ist auch wenig verwunderlich, wenn man sich in den Sinn ruft, wie lange es schon auf dem Markt ist. Wie die meisten anderen virtuellen Router in dieser Serie listet Vyatta 5400 Virtualisierung für das Data Center, Konsolidierung der Grenzen und Cloud Computing, Cloud Bridging und Mandantenfähigkeit als Applikationen auf. Im Grunde genommen können Sie das Produkt für alles Denkbare einsetzen.

Plattform: Der virtuelle Router läuft auf allen großen Virtualisierungs-Plattformen. Damit sind ESXi, Citrix Xen, Microsoft Hyper-V und Red Hat KVM gemeint. Zusätzlich unterscheidet sich Vyatta von anderen virtuellen Routern, da man die Software auf Bare Metal installieren kann. Damit drückt man im Prinzip aus, dass sich das Produkt auch auf einem herkömmlichen PC betreiben lässt. Eine virtuelle Umgebung ist nicht unbedingt notwendig.

Wie andere virtuelle Router findet man diese auch in den Cloud-Marktplätzen wie zum Beispiel Amazon Web Services (AWS ) und RackSpace.

Funktionsumfang: Vyatta stellt eine ganze Reihe an Funktionen zur Verfügung. Dazu gehören Unterstützung für IPv4 und IPv6, eine sogenannte Stateful (zustandsbehaftet) Firewall und IPSec, sowie SSL-basiertes (Secure Sockets Layer) OpenVPN.

Preise: „Günstig“ war bisher einer der größten Vorteile des virtuellen Routers von Vyatta. In der Tat war es so, dass es die Software sehr lange komplett kostenlos gab und man eigentlich für die Hardware und den Support zahlte. Das ist nun nicht mehr so. Brocade verkauft den Router unter einer Lizenz, die man jährlich abonnieren kann. Die günstigste Variante ist 2595 US-Dollar, wenn man die Software auf einer eigenen Maschine betreibt. Hat die Hardware mehr als fünf Prozessorkerne, steigen die Kosten auf 5595 US-Dollar pro Jahr. Lassen Sie einen einzelnen Router in einer virtuellen Umgebung laufen, schlägt das mit 1995 US-Dollar jährlich zu Buche. Bestellen Sie das Abonnement für fünf Jahre, kostet das 4995 US-Dollar.

Wenn Sie sich nach der guten alten Zeit sehnen, als die Software noch kostenlos war, dann haben wir gute Nachrichten. Nachdem Brocade die Entwicklung der kostenlosen Community-Edition eingestellt hat, wurden von einigen Entwicklern das Projekt VyOS ins Leben gerufen. Es handelt sich hier um ein auf Linux basierendes Betriebssystem. Wenn Sie ohne den Support von einem Anbieter wie Brocade leben können, steht Ihnen so kostenlos ein virtueller Router zur Verfügung.

Ähnlich wie bei den meisten anderen VR-Anbietern gibt es auch von Brocade eine Testversion, die 60 Tage lang gültig ist.

Rezension des virtuellen Routers Cisco Cloud Services Router 1000V

Wie der Name schon vermuten lässt, ist der Cisco Cloud Services Router (CSR) 1000V für einen speziellen Zweck gemacht. Er soll Unternehmen, die Cloud-Services verwenden, bei der Erweiterung des existierenden, physischen Routing-Netzwerks unterstützen. Im Juni 2012 wurde das Gerät vorgestellt und es läuft mit dem Betriebssystem Cisco IOS XE. Damit lassen sich Routing und andere Funktionen als aufgeteilte Services auf einem umfassenderem Betriebssystem betreiben, das in diesem Fall Linux ist.

Fokus: Der CSR ist für den virtuellen Betrieb entwickelt und stellt Services für einen einzelnen Mandanten in einer mandantenfähigen, von einem Provider gehosteten Cloud zur Verfügung. Es basiert auf der Software, die Ciscos physischen Integrated Services Router antreibt. Der CSR wird für diverse Funktionen genutzt. Darunter befinden sich ein sicheres VPN-Gateway, Multiprotocol Label Switching (MPLS) WAN-Termination, Erweiterung des Netzwerks für das Data Center, sowie Kontrolle und Weiterleitung des Traffics.

Plattform: Der CSR lässt sich auf Servern mit Cisco Unified Computing System betreiben und die Software läuft außerdem auf allen großen Virtualisierungs-Plattformen (VMware, Cistrix, Red Hat, Microsoft), sowie als Amazon Machine Image auf AWS.

Funktionsumfang: Der CSR 1000V bietet zahlreiche Funktionen hinsichtlich IPv4 und IPv6. Dazu gehören fortschrittliches Routing (Border Gateway Protocol, Open-Shortest-Path First, Enhanced Interior Gateway Routing Protocol, Multicase und Generic Routing Encapsulation). Unterstützung für VPN (Ipsec, Dynamic Multipoint VPN, Easy VPN) ist genau wie MPLS ebenfalls vorhanden.  Darüber hinaus unterstützt das Gerät Applikations-Sichtbarkeit und Weiterleitung des Traffics. Der CSR 1000V ist alles andere als ein leichter Router.

Preise: Nach einer Testlaufzeit von 60 Tagen läuft der CSR immer noch weiter. Allerdings ist der Durchsatz auf relativ unbrauchbare 2,5 Mbps gedrosselt. Die Lizenzgebühr ist recht kompliziert und basiert auf einer Kombination an Funktionen, Durchsatz und Laufzeit.

Es gibt vier Optionen beim Funktionsumfang, neun Niveaus an Durchsatz (von 10 Mbps bis 10 Gbps) und drei Auswahlmöglichkeiten bei der Laufzeit (ein Jahr, fünf Jahre, unendlich).

Im nächsten Artikel widmen wir uns Alcatel-Lucent, HP und Juniper Networks.

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Artikel wurde zuletzt im September 2015 aktualisiert

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