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So berechnen Sie die Bandbreite für Video Conferencing

Bildbewegung, Frame-Raten und Bildschirmauflösung diktieren die Bandbreitenanforderungen für Videokonferenzen. Auch die Zahl der Endpunkte und gleichzeitigen Anrufe ist wichtig.

In dem Maße, wie die Nachfrage nach Video Conferencing in High Definition (HD) steigt, wächst zugleich die Notwendigkeit, eine adäquate Bandbreite für die Anforderungen von Videoübertragungen bereitzustellen.

Eine erfolgreiche Implementierung für Video Conferencing bedingt, dass man sich mit der Qualität, der Zahl der Endpunkte, dem Standort der Multipoint Control Unit und Cloud-basierten Services für virtuelle Konferenzräume befasst.

Eine entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Bereitstellung von geschäftlichen Videokonferenzen besteht darin, eine ausreichende Bandbreite zwischen Endpunkten zu gewährleisten, um Videoanwendungen und Raumsysteme in HD zu unterstützen. Zwei Parameter treiben die Bandbreitenanforderungen für Video Conferencing: die Bandbreite pro Videokonferenzanruf und die Zahl der gleichzeitigen Videokonferenzanrufe auf jeder Netzwerkverbindung.

Ermitteln der Bandbreitenanforderungen für Video Conferencing

Die Voraussetzungen für Videokonferenzen reichen von 128 KBit/s für einen Desktop-Endpunkt mit geringer Qualität bis zu 20 MBit/s für eine imposante Telepresence-Suite mit drei Bildschirmen. Die Bandbreitenanforderungen für Video Conferencing werden getrieben von der Auflösung und der Fähigkeit der Sitzung, Bildbewegung problemlos wiederzugeben.

Die Tabelle unten enthält typische Beispiele für die Bandbreitenanforderungen zur Durchführung von Videokonferenzen unter Berücksichtigung der angegebenen Auflösung und Framerate. Die Framerate bestimmt, wie der Videokonferenzanruf mit Bewegung zurechtkommt, während die Auflösung darüber entscheidet, aus wie vielen Pixeln sich das Bild zusammensetzt und infolgedessen, wie viele Details die Nutzer wahrnehmen.

Diese Bandbreitenanforderungen für Video Conferencing gelten pro Bildschirm. Dementsprechend erfordern Systeme mit zwei oder drei Monitoren wahrscheinlich zusätzliche Bandbreite.

Bandbreitenanforderungen für Video Conferencing

Bandbreite

Auflösung

Framerate

384 KBit/s

CIF

30 fps

512 KBit/s

4CIF

15 fps +

768 KBit/s

4CIF

30 fps

1 MBit/s

HD720

15 fps +

2 MBit/s

HD720

30 fps

4 MBit/s

HD720

60 fps

6 MBit/s

HD1080

30 fps

~ 7 MBit/s

HD1080

60 fps

KBit/s: Kilobit pro Sekunde
MBit/s: Megabit pro Sekunde
CIF: Common Intermediate Format
HD: High Definition
fps:
Frames pro Sekunde

Verwenden Sie diese Werte als Anhaltspunkte, um die Netzwerkbandbreite einzuschätzen. Aber denken Sie daran, Ihren Anbieter nach spezifischen Anforderungen zu fragen, da der Bandbreitenbedarf üblicherweise durch die Wahl von Codec, Kompression und die Leistungsmerkmale proprietärer Systeme beeinflusst wird.

Zudem beziehen sich die in der Tabelle aufgeführten Bandbreitenanforderungen für Video Conferencing auf die Menge an Traffic, die innerhalb des Payloads von RTP-Paketen (Real-Time Transport Protocol) unterstützt wird. Die tatsächliche Bandbreite in einem IP-Netzwerk liegt – nach Addieren der RTP-, UDP- (User Datagram Protocol), IP- und Ethernet-Header – ungefähr 20 Prozent höher. Infolgedessen nutzen Videokonferenzanrufe mit 1 MBit/s effektiv zirka 1,2 MBit/s an Netzwerkbandbreite. Um Verwechselungen vorzubeugen, beziehe ich mich auf diese Werte als Transportbandbreite (1 MBit/s) und Netzwerkbandbreite (1,2 MBit/s).

Um die passende Auflösung und Framerate für Ihr Unternehmen festzulegen, berücksichtigen Sie den Kontext, in dem die Nutzer Videokonferenzen durchführen, zum Beispiel mit dem Desktop, dem mobilen Gerät oder im Konferenzraum. Darüber hinaus sollten Anwender für die Videoanrufe die Bildschirme oder Projektoren verwenden, die Sie dafür vorsehen, so dass Sie bestimmen können, ob die Qualität ausreicht.

Falls Endnutzer mit der Qualität unzufrieden sind, werden sie schnell auf andere Kommunikationsmittel ausweichen, etwa Telefonanrufe oder Vor-Ort-Präsenz bei ihren Gesprächspartnern. Es gilt, einen Kompromiss zwischen Qualität und Kosten zu schließen. Während die Anwender wahrscheinlich HD-Übertragungen mit 1080p und 60 fps bevorzugen, sind die Kosten für die Bereitstellung von ausreichend Bandbreite, um Konferenzen mit dieser Auflösung und Framerate zu unterstützen, unerschwinglich teuer, insbesondere in unterversorgten Regionen.

Abschätzen der gleichzeitigen Videokonferenzanrufe

Im nächsten Schritt stellen Sie fest, wie viele gleichzeitige Anrufe jede WAN-Verbindung unterstützen muss.

Gehen Sie bei kleinen Büros mit nur ein oder zwei Videokonferenzsystemen und keinem Video Conferencing auf Desktops oder Mobilgeräten davon aus, dass die zwei Systeme gleichzeitig laufen. Bei größeren Büros schätzen Sie ab, wie viele Videokonferenzanrufe zu den Hauptbesprechungszeiten gleichzeitig stattfinden. Als Richtschnur sollten Sie davon ausgehen, dass die Hälfte Ihrer Konferenzräume genutzt werden. Dann passen Sie den Bandbreitenbedarf an die tatsächliche Nutzung an.

Wenn Ihre Organisation Büros in mehreren unterschiedlichen Zeitzonen betreibt, beziehen Sie die Zeitverschiebungen ein. Bilden Sie die Anrufmuster auf der Netzwerktopologie ab, und erstellen Sie ein Spreadsheet, um die vermuteten gleichzeitigen Anrufe und die Bandbreite pro Anruf zu verfolgen. Mit einem Spreadsheet können Sie die Parameter ändern, um What-If-Szenarien zu erstellen.

Achten Sie auf die Video Conferencing Bridge

Die Video Conferencing Bridge, auch Multipoint Control Unit (MCU) genannt, ist ein Bandbreiten-Hotspot. Alle Video-Conferencing-Endpunkte bauen bei gleichzeitigen Multipoint-Videoanrufen eine direkte Verbindung mit dieser Bridge auf. Daher muss sich die Bridge an einem Standort befinden, der eine Verbindung mit hoher Bandbreite unterstützt.

Zunehmend suchen Organisationen nach Cloud-basierten virtuellen Konferenzräumen, um eine steigende Zahl von Konferenzen zu unterstützen, ohne zusätzlich in MCUs zu investieren. Allerdings führen Cloud-basierte MCU-Services zu neuen Anforderungen an Ihr Netzwerk aufgrund der erforderlichen Internetbandbreite.

Neue Strategien für Video Conferencing sehen häufig vor, die Bridge in einem Data Center unterzubringen, da sie wie ein Server wahrgenommen wird. Aber der beste Ort für die Bridge könnte in einer Colocation-Einrichtung sein, neben dem Core-Netzwerk des WAN-Service-Providers. An diesen Standorten ist Bandbreite günstig, und da Verbindungen für Videokonferenzanrufe von allen Teilen des WANs kommen, würde die Bridge an geeigneter Stelle stehen, um viele Endpunkte zu unterstützen. Dieser Ansatz lässt sich auch gut skalieren, wenn Videokonferenzanrufe innerhalb der Firma zunehmen.

Kleine Unternehmen nutzen im Allgemeinen lediglich die in einigen Video-Conferencing-Endpunkten integrierte MCU-Funktion. Diese Vorgehensweise funktioniert gut für kleine Konferenzen mit zwei oder drei Räumen, lässt sich aber nicht skalieren.

Mehrere Remote-Räume, die sich in einem Raumsystem für kleine Büros mit der MCU verbinden, verbrauchen rasch die zur Verfügung stehende Bandbreite. Auch hier stellen Cloud-basierte MCU-Services wieder eine elegante Lösung dar, denn Raumkonferenzen mit mehreren Teilnehmern erfordern einfach, dass sich jeder Standort mit dem Internet verbindet.

Bandbreite per Call Admission Control verwalten

Im letzten Schritt stellen Sie sicher, dass Ihr Video Conferencing über Call Admission Control (CAC) verfügt.

Dieser Kommunikations-Manager oder Gatekeeper ist so programmiert, dass er die Netzwerktopologie versteht und weiß, wie viele gleichzeitige Anrufe pro Verbindung erlaubt sind. Falls ein neuer Videokonferenzanruf eine der Einschränkungen verletzt, wird der Anruf abgewiesen. Dieser Mechanismus garantiert, dass Videokonferenzanrufe die notwendige Bandbreite erhalten und eine hohe Qualität während des gesamten Anrufs beibehalten.

CAC ist besonders wichtig für Organisationen, die Video Conferencing intensiv mit Desktops und Mobilgeräten über WLAN nutzen, weil diese Anwendungen ein Netzwerk bei entsprechend starker Nutzung überfordern können.

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Artikel wurde zuletzt im Januar 2018 aktualisiert

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