Ist OpenStack-Architektur wirklich die beste Wahl für eine IaaS-Cloud?

Wird OpenStack überbewertet? Das ist vielleicht aktuell die wichtigste Frage im Cloud Computing. Unser Experte versucht eine Antwort zu geben.

OpenStack hat in den letzten Monaten viel Aufmerksamkeit erhalten. Das Open-Source-Projekt verspricht eine gemeinsame...

Grundlage für den Aufbau von Public und Private Clouds zu sein. Bei Erfolg im großen Maßstab könnte die OpenStack-Architektur den Aufbau von Hybrid Clouds sowie die Interaktion unter Cloud-Providern erleichtern und einige der kritischen Bereitstellungsaufgaben unterstützen, die mit einem effizienten Cloud-Betrieb verbunden sind.

Und: OpenStack könnte sogar unsere Sichtweise auf die Beziehung zwischen Cloud Computing und Netzwerken verändern. So weit, so gut. Aber wird OpenStack, wie viele Dinge in der IT-Technologie, nicht überbewertet? Das ist vielleicht aktuell die wichtigste Frage im Cloud Computing – und sie ist schwer zu beantworten.

OpenStack-Architektur: Ein Wettbewerbsnachteil?

OpenStack war ursprünglich ein von der NASA und Rackspace entwickeltes Projekt für ein Cloud-Computing-Framework, das auf ganz normaler Standard-Hardware laufen sollte. Die OpenStack-Architektur organisiert das Cloud-Computing-Modell und legt fest, wie Ressourcen zugewiesen werden, wie die Machine-Image-Registrierung erfolgt und wie und wo die Daten abgelegt werden.

Das Projekt hat aktuell mehr als 150 Organisationen hinter sich, so dass OpenStack derzeit wohl das beliebteste Software-Tool für die Erstellung von Infrastructure-as-a-Service (IaaS) -Umgebungen ist.

Als kommerzielle Cloud-Plattform rangiert OpenStack allerdings immer noch hinter Amazons Elastic Cloud Compute (EC2) – zumindest was die Zahl der Nutzer betrifft. Auch Microsoft Azure ist ein ernsthafter Konkurrent. Die Kombination aus dem Fokus auf IaaS, die breite Unterstützung durch die Industrie und der scharfe Wettbewerb sind die Faktoren, die OpenStack stark machen – und möglicherweise gleichzeitig auch schwach.

IaaS ist die einfachste Form von Cloud Computing und bietet im Wesentlichen nicht viel mehr als virtuelle, „nackte“ Maschinen als Services. Weil IaaS im Prinzip nur Server ersetzt und bestenfalls noch den lokalen Speicher, bietet IaaS geringere Gewinnspannen als seine Vettern Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS). 

Während potenzielle Cloud-Anbieter und Nutzer PaaS und SaaS oben auf IaaS draufbauen können, ist es schwieriger, den Nutzen dieser komplexeren Konfigurationen zu messen. Konzentrieren sich Cloud-Betreiber aber auf OpenStack IaaS, dann können sie jederzeit auf irgendeine Plattform ihrer vielen Konkurrenten aufspringen. Sie können jederzeit die Plattform wechseln, ohne an ihren Cloud-Diensten selbst etwas ändern zu müssen – zumindest scheint es so.

Die Gegenmeinung ist, dass die OpenStack-Architektur Service Providern tatsächlich bei der Differenzierung ihrer Cloud-Angebote helfen könnte, indem diese die grundlegenden Basics für IaaS bereitstellt und die Anbieter sich auf andere Funktionen und Verbesserungen konzentrieren können. 

OpenStack ist Open Source, einfach zu integrieren und bereits mit einer Reihe von interessanten Projekten verbunden, um seine  grundlegenden Fähigkeiten zu erweitern. Die Tatsache, dass viele dieser Projekte sich im OpenStack-Rahmen überlappen, ist der Beweis dafür, dass es eine Vielzahl von OpenStack-basierten Deployments gibt, die auf spezifische Marktchancen zielen und Providern genügend Raum bieten, ihre eigenen Angebote von denen der Wettbewerber zu unterscheiden.

Der größte Wettbewerber eines Cloud-Anbieters ist aber nicht ein anderer OpenStack-Provider. Es ist Amazon. Im Gegensatz zu anderen IaaS-Cloud-Tools wie Eukalyptus oder Nebel ist die OpenStack-Architektur nicht auf EC2-Kompatibilität fokussiert. Die Schnittstellen für die Anwendungsprogrammierung (APIs) für OpenStack-Computing sind nicht fixiert auf das EC2 Modell, aber die OpenStack-Gemeinschaft verspricht, EC2-Kompatibilität für Legacy-Anwendungen zu erhalten. 

Während es wahrscheinlich weiterhin möglich ist, OpenStack-basierte Anwendungen zu bauen, die auch auf EC2 laufen werden und umgekehrt, wird es auch möglich sein, OpenStack IaaS-basierte Anwendungen zu bauen, die nicht mit EC2 kompatibel sind.

Es gibt hartnäckige und anhaltende Unterschiede zwischen den beiden Plattformen in Bezug auf Image-Management und Storage. Das bedeutet zweierlei: Erstens kann es schwieriger werden, Kunden zu unterstützen, die sowohl EC2 als auch OpenStack nutzen. Und zweitens können Cloud-Anbieter, die auf OpenStack setzen, nicht erwarten, EC2 Benutzer auf ihre Services migrieren zu können, ohne ihre Anwendungen oder eigenen Umgebungen ändern zu müssen.

DevOps und OpenStack: Wo ist die Verbundenheit?

Aus Sicht der technischen Vollständigkeit gibt es noch andere Probleme mit der OpenStack-Architektur. Der grundlegende Mechanismus für die OpenStack Ressourcensteuerung kann erweitert werden, um ein Modell der Container-Bereitstellung zu unterstützen.

In diesem werden Anwendungen mit Containern verknüpft, was Policys darüber einschließt, wie die Ressourcen einer bestimmten Anwendung zugewiesen werden und wie man sie behandelt, wenn die Anwendung im Einsatz sind.

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Diese Projekte werden im Rahmen einer allgemeinen Kategorie namens DevOps behandelt. Sie definiert die Vereinigung von Cloud-Anwendungsentwicklung, Cloud-Provisioning und die Bereitstellung von Anwendungen. DevOps ist nicht kritisch in IaaS-Clouds, die einfach sind und virtuelle Maschinen (VM) nutzen, um dedizierte Inhouse-Server zu ersetzen. Aber DevOps ist zwingend erforderlich, wenn ein IaaS-Angebot verwendet wird, um Cloud-spezifische Anwendungen zu bauen.

IBM hat kürzlich eine Studie über die Bedeutung der Cloud für die Überarbeitung von Geschäftsprozessen – und nicht nur zum Auslagern von Legacy-Anwendungen – vorgestellt. Sie zeigt, dass die Zukunft der Cloud darin liegt, das zu unterstützen, was wir heute noch nicht im Rechenzentrum erledigen können – und nicht einfach das aktualisiert, was wir dort ohnehin schon lange machen. 

Das bedeutet, dass wir neue Cloud-Anwendungen schreiben müssen. Wenn das erledigt ist, dann müssen moderne Software-Praktiken wie DevOps (die Komponentisierung und Orchestrierung von Software-Elementen fördern) diesen Elementen Mechanismen geben, damit sie einander in der Cloud finden. Das gleiche Maß an Anwendungsflexibilität ist von wesentlicher Bedeutung, wenn eine IaaS-Cloud verwendet wird, um PaaS- oder SaaS-Dienste zu hosten.

Es gibt nur ein Problem: DevOps für OpenStack ist unvollständig und fragmentiert, und bis die Dinge passend gemacht werden, ist es möglich, dass PaaS, SaaS oder cloud-spezifische Anwendungen nicht einfach auf OpenStack-Architektur realisiert werden können.

Es wäre absolut unfair zu sagen, dass alle Probleme von OpenStack einzig und allein von OpenStack verursachte Probleme sind. In der Tat hängen die meisten Fragen mit dem IaaS-Modell von Cloud-Services zusammen. 

Aber aktuell bedeutet die Akzeptanz von OpenStack eine Bindung an IaaS in einem Markt, in dem IaaS nur eine von vielen Service-Möglichkeiten sein kann – und für Service Provider auf längere Sicht vielleicht nicht die beste Wahl. All das sollte berücksichtigt werden, bevor man sich entscheidet, dass die OpenStack-Architektur das beste Framework ist, auf dem man eine öffentliche Cloud-Infrastruktur aufbaut.

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Artikel wurde zuletzt im März 2015 aktualisiert

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