Ist Ihr Unternehmen bereit für automatisches Deployment?

Neue Formen der erweiterten Netzwerkkonfiguration bedingen einen kulturellen Wandel. Ist Ihre Organisation auf die Automatisierung im Netzwerkbereich vorbereitet?

Erinnern Sie sich an die Konvergenz von Sprache und Daten? Ich hoffe, Sie sind vorbereitet, denn ein ähnlicher Wandel steht kurz bevor.

Dieses Mal ist es der Übergang zur Automatisierung und nachfolgend zu Formen des automatisierten Deployments sowie zu erweiterter Steuerung und Verwaltung.

Beim Umstieg von kabelgebundenen PBX-Systemen auf Voice over IP (VoIP) stand das Team, das für das Voice-System verantwortlich war, vor einem großen Umbruch. Im alten System waren Schaltungen und Kabel die grundlegenden Komponenten. Sicher gab es etwas MultiplexingT1 und Ähnliches –, aber nichts, was mit IP-Paketen vergleichbar gewesen wäre. Voice-Techniker zu schulen, war ein interessanter Prozess. Einige haben den Wandel bewältigt, andere wiederum sind – zusammen mit dem Equipment, das sie unterstützt haben – aus dem Berufsleben ausgeschieden.

Ähnlich präsentiert sich die Situation heute. Ich habe mit mehr als einem Netzwerktechniker gesprochen, die hoffen, dass der jüngste Übergang lange genug dauert, dass sie in Rente gehen können, ehe sie neue Dinge lernen müssen. Ich war geschockt.

Der Wandel wird stattfinden, und er ist unumgänglich. Computing und Storage sind dynamisch, sie haben sich in den letzten zehn Jahren entscheidend verändert. Das Netzwerk ist die letzte Hürde auf dem Weg zu dynamischen IT-Systemen, die sich leichter auf geänderte geschäftliche Anforderungen einstellen. Ein Wandel ist erforderlich, um die Netzwerkeffizienz zu steigern, genau wie bei der Serverautomatisierung. Das Einzige, was wir festlegen müssen, ist der Weg auf dieser Reise.

Netzwerkautomatisierung ist der Schlüssel

Diese Wandel von IT und Netzwerken nimmt Fahrt auf. Ein Indikator ist der wachsende DevNet-Bereich von Cisco Live. Wenn ich mich im Web umsehe, finde ich noch viel mehr Aktivität im Zusammenhang mit der Verwendung von APIs für das automatische Deployment. Ich habe sogar einen Ansible-Kurs zur Steuerung der Netzwerkkonfiguration gemacht.

Kaum zu glauben, wie einfach eine Konfiguration sein kann, wenn sie in einer YAML-Definition erstellt wird. Konfigurationselemente, die in einer normalen Konfiguration wiederholt werden, werden einmal in YAML eingegeben, etwa Adressen für Loopback-Schnittstellen oder für das Border Gateway Protocol (BGP). Eine BGP-Peering-Beziehung lässt sich auf nur wenige Konfigurationszeilen reduzieren und mit einfachen Änderungen zwischen Hardwareanbietern portieren. Ein kompletter Data-Center-Pod kann durch eine vergleichbare Verringerung der Komplexität konfiguriert werden.

Automatisierung ist nur die nächste Etappe auf der Reise, nicht die letzte.

Die Einbindung dieser Methoden geht darauf zurück, dass sich die Art, wie die Netzwerkkonfiguration durchgeführt wird, verändert hat. Prozesse und Abläufe, die im Laufe der letzten zehn bis 20 Jahre entwickelt wurden, müssen sich im Zuge der Automatisierung ändern. Diese alten Verfahren laufen in der Regel nach dem gleichen Muster ab: Die Netzwerktechniker machen einige Änderungsvorschläge und legen einen Testplan sowie einen Back-out-Plan vor, für den Fall, dass eine Änderung fehlschlägt.

Ein Kontrollgremium bewertet die Änderung und stimmt ihr für gewöhnlich zu. Da solche Anpassungen manchmal kurze Netzwerkausfälle nach sich ziehen – zum Beispiel Änderungen an der Spanning Tree Root Bridge –, werden sie typischerweise in einem vorab festgelegten Zeitfenster implementiert. Dieser schrittweise Prozess ist teilweise darauf zurückzuführen, dass die Netzwerktechniker gezwungen werden sollten, sorgfältiger über die Konsequenzen der Änderungen nachzudenken, bevor es zum Rollout kommt.

Viele Organisationen nutzen NCCM-Tools (Network Change and Configuration Management), um Änderungen auf Geräten zu erzwingen. Das ist ein Schritt in Richtung Automatisierung, aber sie verlassen sich immer noch auf Konfigurationsbefehle über die Kommandozeile (Command Line Interface, CLI). Manuelle Methoden werden dann oft für Validierungstests verwendet, was den Umfang der zu überprüfenden Punkte einschränkt. An dieser Stelle kann die Automatisierung ihre Vorteile ausspielen. Erstellen Sie gut durchdachte Testpläne und einige automatisierte Checks für das Netzwerk – nicht nur für das Gerät, das geändert wird. Entsprechend sollte der Back-out-Plan über die NCCM-Plattform automatisiert werden, so dass Sie einfach und schnell wieder zur vorherigen Situation zurückkehren können.

Das war aber noch nicht alles

Automatisierung ist nur die nächste Etappe auf der Reise, nicht die letzte. Mein Problem mit diesen einfachen Automatisierungs-Tools ist, dass sie keine neuen Abstrahierungen ermöglichen. Die Ansible-Bibliotheken für Cisco NX-OS verwenden die gleichen Parameter in der API, wie sie auch auf der CLI genutzt werden. Es gibt dort nichts Neues, nur ein neuer Kommunikationsmechanismus, der uninteressant ist. Es fehlen neue Abstrahierungen, die es uns erlauben, die Details einer komplexen Konfiguration zu verstecken.

Einige Unternehmen, wie Amazon, befinden sich bereits in dieser nächsten Phase. Erstellen Sie eine AWS-Computing-Instanz (Amazon Web Services) mit einer CPU-Leistung von X, einer Storage-Kapazität von Y und einer öffentlichen IP-Adresse. Wie lange braucht AWS, um die Instanz zu erstellen, das Netzwerk so anzupassen, dass sie unterstützt wird, und eine öffentliche IP-Adresse zuzuweisen? Es dauert nur wenige Minuten. Sie haben angegeben, was Sie benötigen, und das System hat es geliefert. Sie mussten keine Details zum Wie angeben, etwa die VLAN-ID, Firewall-Regeln oder ein Layer-4-VPN, um Ihren Traffic von dem anderer Nutzer zu isolieren. AWS hat eine abstrakte Computing- und Storage-Entität angelegt.

Wir benötigen neue Abstrahierungen im Networking, die es uns gestatten, so viel Komplexität wie möglich zu verbergen. Es bleibt abzuwarten, ob neue Abstrahierungen von den absichtsbasierten Networking-Systemen kommen, für die Unternehmen wie Apstra den Weg bereitet haben und die sich nun Cisco zu eigen macht. Die Beschäftigung mit diesen Systemen lohnt sich, aber möglicherweise erst, nachdem Sie sich mit den Grundzügen der Automatisierung vertraut gemacht haben. Eins nach dem anderen sollte Ihr Ansatz lauten.

Netzwerktechniker und der Wandel

Es ist klar, dass einige Menschen besorgt sind, dass die Automatisierung und alles, was folgt, ihre Arbeitsplätze vernichten wird. Wie bei der Konvergenz von Sprache und Daten werden einige den Wandel bewältigen, während dies anderen nicht gelingt. Beim damaligen – wie auch beim jetzigen – Übergang geht es nicht um Jobabbau, sondern in erster Linie um sich ändernde Tätigkeitsfelder. Es werden immer Leute gefragt sein, die sich mit der Komplexität von Technik auskennen, die wissen, wie das Design dazu aussehen muss, und die Probleme diagnostizieren können, wenn es nicht wie gedacht funktioniert.

Dies ist eine Reise. Jede einzelne Etappe ist wichtig und darf nicht ausgelassen werden. Die gesamte Organisation muss sich mit der neuen Technologie auseinandersetzen, herausfinden, wie sie sich am besten anwenden lässt, und Prozesse entwickeln, um sie zu implementieren und zu verwalten. Um erfolgreich ans Ziel zu kommen, ist unter anderem Folgendes notwendig:

  • Neue Kenntnisse. Das Technikerteam muss bereit sein, neue Technologien zu lernen. Diejenigen, denen das widerstrebt, sollten sich um die Instandhaltung der alten Systeme kümmern, bis sie in den Ruhestand versetzt werden.
  • Ändern der Prozesse. Die Organisation muss akzeptieren, dass die Dinge nun anders gehandhabt werden. Der Großteil der Geschäftsprozesse muss wahrscheinlich neu gestaltet werden, um mit den neuen IT-Modellen zu harmonieren. IT-Systeme sind insgesamt deutlich zuverlässiger, wenn man davon ausgeht, dass jede Komponente ausfallen kann, und das System entsprechend ausgelegt ist.
  • Unterstützung durch die Führung. Die Führungskräfte müssen akzeptieren, dass der Wandel notwendig ist, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Es werden neue Tools benötigt. Wenn das aktuelle Team sich nicht mit neuen Technologien vertraut machen will, müssen passende neue Mitarbeiter eingestellt werden.

Es liegt an Ihnen, ob Sie den Umstieg auf automatisches Deployment maßgeblich selbst bestimmen und Herr über Ihr Schicksal sein wollen oder ob Sie dem Weg folgen, den andere vorgegeben haben. Bedenken Sie aber, dass Pioniere in der Regel einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren langsameren Konkurrenten besitzen.

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Artikel wurde zuletzt im September 2017 aktualisiert

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