IPv6 verändert Prozesse im Unternehmen

IPv6 breitet sich aus. Der Übergang auf die neue Technik ändert aber nicht nur die Infrastruktur der Unternehmen, er wirkt auch auf Geschäftsprozesse.

Bei einem neuen Netzwerkprotokoll geht es nicht nur um die Infrastruktur und neue Router. Die Entscheidung für...

IPv6, IPv4 oder Dual Stack betrifft das Marketing, die Support-Abteilung für Applikationen, die Überwachung und ihr internes IT-Team. Sind Sie bereit?

Laut der der ARIN (die Organisation, welche die verfügbaren Internetadressen verwaltet) geht das Internet Protocol IPv4 in die dritte Lebensphase. Die ARIN meldete, dass im August 2013 nur noch etwa 2x16,8 Millionen IP-Adressen im IPv4-Adressraum verfügbar waren. Abhilfe schafft IPv6, das deutlich mehr Adressen zur Verfügung stellen kann und langsam aber sicher IPv4 ablöst. Da das Internetprotokoll so tief im Netz verwurzelt ist, betrifft diese Umstellung nahezu jeden – seien es Service-Provider, Unternehmen oder Endnutzer. Von technischen Aspekten abgesehen sollten Sie nicht vergessen, dass alle bisherigen Geschäftsprozesse für Netzwerke auf Basis von IPv4 optimiert wurden. Der Umstieg von IPv4 auf IPv6 wird ihre Abläufe heute und in Zukunft beeinflussen.

CIOs sollten daher diese Szenarien beachten, wenn sie IPv6 im Unternehmen ausrollen:

Zugriff aus der Ferne (Remote Access)

Mit IPv6 wird der Fernzugriff global – und das Protokoll ist bereits weit verbreitet. In Nordamerika führen Internetanbieter diesen Umschwung an. Immer mehr IPv6-kompatible Geräte tauchen im Markt auf und selbst Heimanwender sind (oftmals ohne ihr Wissen) bereits auf IPv6 umgestellt. Selbst Heimgeräte wie etwa die Fritz!Box 7390 unterstützen schon lange IPv6, von professionellem Netzwerk-Equipment ganz zu schweigen. Kurz gesagt: Ihre Firmen-Infrastruktur mag bereits IPv6-tauglich sein, selbst wenn ihre Applikationen dies noch nicht sind.

Sie sollten daher bei Ihren Nutzern abfragen, ob diese möglicherweise bereits über IPv6 verfügen. Sie sollten wissen, wie viele und welche Nutzer ihre Infrastruktur über IPv6 verwenden und wie entfernte Applikationen mit dem Protokoll zurechtkommen. Je nach ihrer Region sehen die Ergebnisse wahrscheinlich unterschiedlich aus, aber so sollten Sie einen ungefähren Überblick über den Ausbaustatus erhalten.

Dual-Stack-Umgebungen bieten einige interessante Kontrollfunktionen beim Thema Remote Access. IPv4-Adressen für Endanwender ändern sich normalerweise, wer eine feste IP möchte, zahlt üblicherweise einen Aufpreis. Über einen IPv6-Tunnel eröffnen sich hier komplett neue Möglichkeiten in Sachen Zugriffskontrolle. Beachten Sie aber auch, dass sich die Konfiguration von Access Control Lists und der Firewalls beim Einsatz von IPv6 ändern können, hier sollten Sie im Vorfeld planen und umfangreich testen.

Präsenz zeigen

Wahrscheinlich haben Sie schon die notwendigen AAAA-Ressourceneinträge für ihren DNS angelegt, um sicherzustellen, dass ihre Unternehmenspräsenz für Besucher mit IPv4 und IPv6 sichtbar ist. Aber zählen Sie auch die Zugriffe auf den IPv6-Bereich?

Analysesysteme für Webseiten können die Besucher nach IPv4 und IPv6 herunterbrechen und ihnen so Bereiche mit IPv6-Abdeckung zeigen. Nebenbei liefert Ihnen so ein System gleich noch einen globalen Überblick zu IPv6-Adressen.

Ein Beispiel: Auf unserer Webseite 6Connect stammen etwa zehn Prozent aller Zugriffe von Anschlüssen mit IPv6. Einen deutlichen Zuwachs haben wir dabei in Europa und Asien verzeichnet. Das spiegelt die Ankündigungen der RIR wieder, nach der IPv6 in bestimmten globalen Märkten besonders gut angenommen wird. Und ja, wie bekommen bereits Spam von IPv6-basierten Adressen.

Änderungen beim Monitoring

Wahrscheinlich überwachen Sie bereits jetzt die Leistung und das Verhalten ihrer Webseite und ihrer internen Applikationen. Wie verändern sich diese Systeme, wenn Sie ein Dual-Stack-System als Unterbau nutzen? Geht es hier nur um veränderte Ladezeiten? Wie arbeiten Content-Delivery-Network- Anbieter mit der festen IPv6-Präsenz zusammen? Wann wissen Sie, wenn Leistungsgrenzen erreicht, überzogen oder verpasst wurden? Wie werden solche Probleme isoliert?

Zunächst sollten Sie sicherstellen, dass beim Testen des aktuellen Nutzerverhaltens sowohl die Leistung von IPv4 wie auch IPv6 überprüft wird. Ihre Monitoring-Lösungen müssen IPv6-Dienste überwachen und Sie entsprechend über Zustände informieren. Typische Monitoring-Tools sind um bestimmte Host-Endpunkte gebaut. Eine Monitoring-Lösung zu finden, die Ihre Anforderungen sofort nach der Installation erfüllen kann, dürfte etwas schwierig werden. Bei IPv6 sollten Sie zusätzliche Alarme und Arbeitsabläufe für den Umgang mit Dual-Stacked-Hosts nutzen. Vorsicht: IPv6-Monitoring kann ihr Budget sprengen, da viele kommerzielle Lösungen ein Zahl-Pro-IP-Kostenmodell nutzen.

Eine eleganter Ansatz ist die Überwachung einzelner Dienste: Der Nutzer wird über Probleme informier und kann das zugrunde liegende Problem dahinter besser verstehen und den Alarm in den passenden Workflow eintragen. Dual-Stack-Umgebungen machen diesen Monitoring-Ansatz interessanter. Hier geht es nicht mehr nur um das Verhalten eines einzelnen Endpunktes, sondern auch um das Verhalten der Daten auf den verschiedenen Sprüngen zwischen Server und Nutzer.

Ähnlich wie bei IPv4 werden wir auch bei IPv6 Probleme erst entdecken, wenn die Adaption der Technik weiter zunimmt. So eine große Technikumstellung sollte daher immer im Kontext ihres Kerngeschäfts gesehen werden. Seien Sie sich stets gewahr, wie eine veränderte Netzwerkarchitektur ihre Unternehmensbereiche beeinflusst – und zwar nicht nur auf der technischen Seite.

Artikel wurde zuletzt im Dezember 2013 aktualisiert

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