Evaluierung von WLAN-Lösungen: Zehn Fragen an die Anbieter

Die richtige WLAN-Technik ist ein Erfolgsfaktor für den IT-Betrieb. Zur Evaluierung des richtigen Anbieters, sollten Sie diese 10 Fragen beachten.

Erst kommt die Planung für Mobilität im Unternehmen und die dazugehörigen Anwendungen, dann können sich IT-Profis...

mit der nötigen Netzwerk-Ausstattung beschäftigen. Dabei sollten sie den Anbietern von WLAN-Technik die folgenden kritischen Fragen stellen:

1. Welche Möglichkeiten eröffnet die WLAN-Lösung des Anbieters? Die WLAN-Angebote von heute lassen sich in zwei Grundtypen einteilen: Controller-basiert und Controller-frei mit einem „fat Access Point“. Controller-basierte Lösungen erfordern einen Controller-Knoten, der eine Gruppe von Access Point (APs) steuert; ab einem bestimmten Punkt machen mehr zusätzliche APs dabei auch einen zusätzlichen Controller nötig. Je mehr Intelligenz ein Hersteller in die APs verlagert, desto mehr davon kann ein einzelner Controller verwalten.

Controller-lose Lösungen sind genau das, was der Name sagt – ohne Controller, weil die gesamte für das WLAN nötige Hardware und Software in den Access Points zu finden ist. Diese Art von Architektur hat Vorteile, und alle WLAN-Anbieter gehen derzeit in diese Richtung (manche sind bereits angekommen, andere etwas hinterher). Wenn die gesamte Intelligenz im AP steckt, ist eine gute Skalierung möglich, weil für mehr APs keine zusätzlichen Controller gebraucht werden. Zudem können Beschäftigte solche „fetten“ APs bei Bedarf sogar mit nach Hause nehmen, während über eine sichere VPN-Verbindung weiter die zentralen Richtlinien für sie gelten – ideal für Telearbeit.

2. Wer sind die wichtigsten Partner des Anbieters? Die meisten Hersteller ergänzen die eigene Produktlinie durch Partnerschaften, etwa mit Cloud-Providern für das Hosting und die Integration von Management-Funktionalität für Software as a Service (SaaS). Zertifizierte Partner und Value-added Reseller (VARs) können Probleme bei der Implementierung verringern, die Realisierungszeit verkürzen und allgemein besseren Support bieten.

3. Wie sehen die Modelle der Bereitstellung aus? Die eigentlichen APs und/oder Controller sind Hardware, die vor Ort aufgestellt werden muss. Trotzdem versuchen WLAN-Anbieter hier, Unternehmen so weit wie möglich zu entlasten. So arbeiten sie daran, teure, funktionsspezifische Appliances durch deutlich flexiblere virtuelle Appliances oder Cloud-Lösungen zu ersetzen.

Für manche Funktionen, etwa Deep Packet Inspection (DPI), braucht man meist weiterhin eine dedizierte Appliance. Mit virtuellen Appliances können Unternehmen aber Funktionen wie Firewalls oder VPNs auf modulare Weise hinzufügen – ohne die höheren Ausgaben und die Anbieter-Bindung, die durch physische Geräte entstehen. Einige Anbieter verlegen derartige Funktionen als SaaS-Produkte in die Cloud, was die Kosten und die Komplexität vor Ort weiter verringert. In manchen Fällen gibt es auch Lösungen, die im Rechenzentrum des WLAN-Anbieters oder eines Cloud-Partners untergebracht sind.

4. Welche Standards unterstützt der Anbieter? Die Hersteller von WLAN-Technik meistern immer noch die zunehmend komplexe Herausforderung, auf der Grundlage von vielfältigen Standards, Pseudo-Standards und rein proprietärer Technologie funktionierende Geräte zu bauen. Als absolutes Minimum sollten IT-Profis darauf achten, dass ihre WLAN-Lösungen einen voll ratifizierten 802.11x-Standard verwenden. Bekanntlich bringen Anbieter gern auch Produkte auf der Basis von Vorversionen der Standards heraus, so dass manche – wenn auch meist eher unbedeutende – Funktionen später versehentlich anbieterspezifisch werden.

Ebenfalls sollten Unternehmen auf ein exzellentes Framework für Authentifizierung, Zugang und Identität achten (802.1X ist hier ideal), sowie auf VPN-/Tunneling-Technologie (die meisten Anbieter unterstützen SSL/TLS, SSH und IPSec) und leichte Integration mit bestehenden Directory-Systemen am Backend wie LDAP. Sich hier von proprietären Lösungen fern zu halten, hilft dabei, sich nicht zu fest an einen bestimmten Anbieter zu binden.

5. Welche Optionen für die Verwaltung stehen zur Verfügung? Zentralisiertes und unkompliziertes Management des WLAN ist wichtig, damit die IT-Abteilung erfolgreich sichere und robuste Dienste zur Verfügung stellen kann. Proaktive Maßnahmen wie Konfigurationsmanagement und regelmäßige Performance-Tests verringern letztlich die Arbeitsbelastung und helfen dabei, mehr Performance, Zuverlässigkeit und Sicherheit zu erreichen. Das Management kann dabei vor Ort oder über SaaS erfolgen. Mit einer Cloud-Lösung lässt sich das Management mehrerer Standorte vereinfachen und das Netzwerk selbst von ganz anderen Orten aus administrieren.

6. Welche Möglichkeiten zur Unterstützung von Mobil-Richtlinien gibt es? WLANs und mobile Geräte hängen eng miteinander zusammen. WLANs definieren die Möglichkeiten für die Nutzung der Geräte im Unternehmen, und die Geräte sind der wichtigste Grund dafür, warum WLANs heute ausgebaut werden müssen. Viele WLAN-Anbieter haben NAC-Kontrollen sowie Zwangsportale für BYOD- (selbst mitgebrachte) und Gast-Geräte im Portfolio; wenn Sie eine große Zahl von Geräten in Ihrem WLAN erwarten, ist das besonders wichtig. Sie wollen ja die Arbeit der mobilen Belegschaft unterstützen, doch dabei müssen die im Unternehmen geltenden Richtlinien eingehalten werden.

7. Welche Sicherheitsmaßnahmen sieht der Anbieter vor? Die Sicherheitsvorkehrungen für das WLAN sind von hoher Bedeutung, weil über dieses der Zugang der meisten Geräte in das Netzwerk erfolgt. Als grundlegende Funktionen sollten WLAN-Lösungen deshalb Verschlüsselung, Erkennung von nicht autorisierten Geräten und dergleichen bieten. Und auch hier gilt: Je proaktiver und/oder stärker automatisiert die Lösung ist, desto besser. Schließlich werden sie bei einem größeren Sicherheitsvorfall in Ihrem WLAN dem Geschehen nicht nur hinterher hecheln wollen.

8. Wie integriert sich das WLAN in bestehende und kommende Anwendungen? Unternehmen haben heute eine große Zahl von Anwendungen – und vor allem Mobile-Apps – im Einsatz. Aus diesem Grund brauchen WLAN-Lösungen gute Unterstützung für den Zugriff auf Apps sowie deren Management und Optimierung. Unternehmen mit vielen Anwendungen für Fern-Zugriff/virtuelle Desktops (VDI) zum Beispiel brauchen Werkzeuge für QoS und möglicherweise auch Optimierung, denn VDI ist sehr empfindlich hinsichtlich Latenz und Durchsatz. Finden Sie zusätzlich heraus, ob ein Anbieter Tools für Band-Steering, Fluss-Kontrolle und sogar adaptive Antennen-Technologien speziell für die Anforderungen Ihrer Apps hat.

9. Gibt es Unterstützung bei der Entwicklung eines Business Case? Die geschäftliche Begründung für WLAN lässt sich nicht unbedingt in harte Kennzahlen fassen, doch der Erfolg von Mobilitätsstrategien hängt stark von der WLAN-Installation und mehr Kapazität ab. Schon besser zu quantifizieren und damit überzeugender für Budget-Ausschüsse kann ein Vergleich zwischen einem traditionellen, kapitalintensiven Controller-System mit einem Controller-losen mit seinen höheren laufenden Kosten sein. Dies gilt in einem Umfeld stagnierender Budgets und unsicherer makroökonomischer Bedingungen umso mehr. Eine solide Basis für eine umfassende WLAN-Planung kann auch dadurch entstehen, dass Sie zunächst eine Strategie für Mobilität und Apps entwickeln. Wie Sie feststellen werden, sind WLAN-Anbieter unabhängig von der Größe Ihres Unternehmens deutlich entgegenkommender, Ihnen bei der Entwicklung von Business Cases und Szenarien zu helfen, wenn Sie gut vorbereitet sind.

10. Unterstützt der Anbieter externe WLANs? Bei den meisten Lösungen werden die Charakteristiken eines bestimmten WLANs auf der anderen Seite der Firewall im Wide-Area Network (WAN) wahrscheinlich einfach ignoriert. Um sicherzustellen, dass Befehle für Optimierung, QoS und Routing durch das WAN weitergegeben werden, müssen die meisten Unternehmen WAN-QoS bei ihrem MPLS-Provider bezahlen. Als Alternative bieten WLAN-Hersteller Produkte mit Protokollen ähnlich wie bei Generic Routing Encapsulation (GRE). Damit lässt sich Datenverkehr durch verschiedene Netzwerke tunneln, wobei QoS bewahrt wird. Achten Sie darauf, dass WLAN-Anbieter QoS verwenden – und alles in ihrer Macht stehende dafür tun, dass Ihre QoS-Regeln eingehalten werden; trotzdem dürften in den Netzwerken dazwischen eigene Regeln gelten.

Über den Autor:

Philip Clarke ist Analyst und Co-Leiter der Forschung an Funknetzen und Mobilität bei The Nemertes Research Group Inc. Er berät Kunden zu Drahtlos-Themen, schreibt Berichte über wichtige Trends und neue Ideen, nimmt statistische Analysen vor und konzipiert Research-Studien.

Artikel wurde zuletzt im Januar 2013 aktualisiert

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