Von Voice over IP zu Voice over Wireless LAN

Fixed Mobile Convergence bedeutet viel Arbeit und gute Strategien

23.07.2007 | Redakteur: Ulrike Ostler

Fixed Mobile Convergence (FMC) impliziert weit mehr als per Handy über ein Wireless LAN zu telefonieren: Der Übergang vom Firmennetz zum öffentlichen Funknetz, vom Funknetz in kabelgebundene Netze geschieht ohne Unterbrechung. Der Zugriff auf multimediale Inhalte ist personalisiert und so komfortabel wie einfach – kurz gesagt: FMC ist ein komplexes, mehrjähriges IT-Mammutprojekt. Das verlangt nach guter Strategie.

Viele denken offenbar, dass FMC einfach darin besteht, per Dual-Mode-Telefon über Funk und Kabel telefonieren zu können, fasst Paul DeBeasi, Analyst der Burton Group, das Halbwissen zusammen, das ihm derzeit als Berater entgegenschlägt. Doch einer PBX-Anlage (PBX = Private Branch Exchange) Wi-Fi beizubringen, kratze lediglich an der Oberfläche.

FMC erlaube zwar, mit Handys über die unternehmenseigene Telefonanlage (Private Branch Exchange , PBX) zu kommunizieren. Zugleich aber werde dem Nutzer eine einzige Mailbox, eine einzige Telefonnummer und nur ein Zugang zu allen PBX-Funktionen gewährt.

Darüber hinaus gehe es um „Unified Communication“ – jegliche Art der Sprach- Video- und Text-Kommunikation lässt sich dabei in Unternehmensapplikationen integrieren. So sind letztlich alle Endgeräte in einer offenen, felxiblen und mit den Geschäftsanwendungen verbundenen Kommunikation- und Kollaborationsumgebung integriert.

Schließlich reduziere FMC die On-Air-Time in öffentlichen Netzen. Die Mitarbeiter telefonieren soweit es geht über die Wireless-Netze der eigenen Unternehmen und sind so wenig wie möglich in öffentlichen Telefonnetzen unterwegs. Das gilt insbesondere für internationale Anrufe. Diese sollten über das WLAN geleitet werden, um teure Roaming-Gebühren zu sparen.

Bis jetzt allerdings freuen sich die Anwender noch ausschließlich über ihre „Allways-on“-Erfahrungen, sofern vorhanden. Denn diese ist erst durch den Einzug mobiler Kommunikation ins Unternehmen möglich.

Zwei Wege führen zum Ziel

Das Problem, das sich jedoch mit eingeschlichen hat, wird im Wesentlichen dadurch hervorgerufen, dass mobile Kommunikation für die IT ein weiteres Anwendungssilo darstellt. Das führt dazu, dass etwa Telefonnummern und Mailboxen sich verdoppeln und zudem die Telefonkosten steigen. Das alles soll sich mit der Verlagerung der Telefonie auf IP-Netze ändern.

Laut DeBeasi gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, wie Unternehmen ihre Mobil-Festnetz-Konvergenz herbeiführen können. Das ganze gibt es als Service, laut IDC-Analyst Dan Bieler hierzulande etwa von Siemens Enterprise Service, von T-Systems und British Telekom. Die andere Möglichkeit besteht wie immer darin, Equipment zu kaufen und selbst für die Netzkonvergenz zu sorgen.

Vor den Einkauf gehört jedoch eine Bestandsaufnahme: Inwieweit taugt das bestehende LAN für FMC? Reicht das IT-Personal für ein solches Projekt und ist es hinreichend fit in Sachen Netzkonvergenz? Was leisten eigentlich die existenten Management-Tools hinsichtlich FMC?

Achtung! Stolpersteine

Darüber hinaus gibt der Burton-Group-Berater ein paar Tipps für die Entwicklung einer FMC-Strategie.

  • Zunächst einmal geht es um die Verstärkung lokaler Funknetze. Laut DeBeasi gehen die meisten FMC-Szenarien davon aus, dass Inhouse-Gespräche und die Datenkommunikation über WLANs laufen werden. Das aber bedeute, dass die Unternehmen dafür sorgen müssten, dass genügend Access Points und Abdeckung für alle Bereiche einschließlich Treppen, Eingangsbereich und Aufenthaltsräume vorhanden sind. Diese sollten zudem zentral administrierbar sein. Die Intelligenz befindet sich vornehmlich in Controllern. Nur so lasse sich Konsistenz, Qualität und Benutzerakzeptanz herstellen.
  • Die Endgeräte sollten für die mobile Telefonie im Unternehmen und über öffentliche Netze taugen.
  • Manche Unternehmen gäben ihren Mitarbeitern so gut wie keine Regeln an die Hand, wie sie das mobile Engerät nützen können. So würden Blackberry und Co. häufig als persönliches Gerät verstanden. Das müsse sich ändern. Betroffen ist insbesondere die Sicherheit, also: Zugriff auf Unternehmensdaten, die Verschlüsselung der Kommunikation und Notfallpläne, falls das Smart-Device verloren geht oder gestohlen wird.
  • Zu den meist unterschätzten Werkzeugen im Unternehmen, gehören die Netzwerk-Management-Tools. Wie DeBeasi erläutert, vergäßen die IT-Techniker bei der Produktauswahl häufig, die Management-Funktionen einer genauen Prüfung zu unterziehen. Für die konvergenten Netze sei aber genau das unerlässlich. Interferenzen können die Sprachqualität stören, oder gar Gespräche verhindern. Sind Access Points nur in unzureichender Anzahl vorhanden, ist das Netz unter Umständen ständig ausgelastet. Zu viel Netzwerklast, sei es im Kabel- oder im Funknetz kann durch Paketverluste zu verfälschten und unvollständigen Übermittlungen führen.
  • Schließlich sei es wichtig, die Kapazität des Kabelnetzes zu überprüfen, so dass es tatsächlich Sprachkommunikation mit minimalen Verlusten bewältigen kann. Dazu gehörten korrekt konfigurierte Quality-of-Service-Mechanismen (QoS), um die Latenzzeiten zu minimieren.

Und als Tipp fügt DeBeasi hinzu: „Es ist eine gute Idee, erst einmal zu gucken, ob VoIP über das LAN funktioniert, bevor man sich an die Sprachübertragung in lokale Funknetzen herantraut.“

Die Anwendertrickkiste

David Sproul, IT-Manager der University of California, der der amerikanischen Schwesterpublikation von SearchNetworking.de „SearchMobileComputing.com“ Rede und Antwort stand, rät Unternehmen, die sich mit der FMC-Einführung beschäftigen, sich eine Migrations-Plan zuzulegen. Er hat gerade für den FMC-Rollout in zehn medizinischen Zentren der Stadt San Francisco einen Fünf-Jahres-Plan erstellt:

  • Die vorhandenen Techniken, die Konvergenz-tauglich sind, müssen identifiziert werden.
  • Neue Techniken, die am Markt auftauchen, müssen daraufhin untersucht werden, ob sie ins Szenario passen.
  • Das Konvergenz-Management und die -Kontrolle gehören ins Unternehmen.
  • Pilotprojekte müssen sein. So lässt sich anhand eines Piloten absehen, wie und wann sich die Investitionen auszahlen könnten. In jedem Fall aber gilt: Der Return on Investment (RoI) stellt sich manchmal nur schwer und stark verzögert ein.
  • Offene Standards, wie das Session Initiation Protocol (SIP), sind zu bevorzugen, sowohl was die Architektur als auch was die Techniken angeht.

Die so genannten Mobilfunknetze der zweiten Generation (2G), wie das Global System for Mobile Communications, GSM, sind für TDM-ähnliche Systeme (TDM = Time Division Multiplex) entworfen, die Zeitscheiben beziehungsweise Leitungsvermittlung für die Sprachverbindung nutzen. Neuere 3G-Netze unterstützen diese ebenfalls, doch der Datentransfer basiert nicht mehr auf Circuit Switched Domain, sondern, da paketvermittelnd, auf auf IP-Domain.

Aus diesem Grund verfügt UMTS über einen zusätzlichen IMS-Knoten (IMS = IP Multi-Mdia Sybsystem), der alle Daten kontrolliert – auf Authentizität, Autorisierung, Sicherheit und Berechnungsdaten. Das künftige 3G-Netz soll nach Maßgabe der Standardisierungsgremien 3GPP und IETF auf SIP basieren.

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