Unified Communications (UC) soll mit flexiblen Applikationen flügge werden, Teil 2

Stolpersteine aller Orten: Wie konvergent ist die UC-Welt?

24.10.2008 | Autor / Redakteur: Lothar Lochmaier / Andreas Donner

Erfolgt der Startschuss zwangsläufig über Voice over IP?

In der Frage, ob letztlich die Internet-Telefonie der Dreh- und Angelpunkt jedes innovativen Projekts darstellt, sind sich Anbieter wie Experten keineswegs einig. Dennoch erscheint Voice over IP (VoIP) als einer der zentralen Treiber für UC-Lösungen zu fungieren.

Auf der anderen Seite ergeben sich dadurch neue und oftmals kaum kalkulierbare Risiken bei der IT-Integration beziehungsweise Migration. In der Regel gehe der Wunsch nach UC-Lösungen mit der Anschaffung einer neuen Kommunikationslösung einher, die dann typischerweise auf VoIP basiere, sagt Jürgen Jobst von Avaya. Er sieht aber auch viele Möglichkeiten, aus vorhandenen Installationen eher sanft Richtung UC zu migrieren und vorhandene Geräte und Anlagen erstmal weiter zu verwenden.

„So können beispielsweise vorhandene Avaya Lösungen wie der Communication Manager oder Integral Enterprise mit dem Microsoft Office Communication Server gekoppelt werden“, ergänzt Jobst. Audio und Web-Konferenzen lassen sich somit zu vorhandenen Installationen hinzufügen. „So kann man die Vorteile schnell nutzen und die Budgets schonen.“ Aber es gehe definitiv auch ohne VoIP: Generell sei die Integration neuer Funktionen zwar einfacher, wenn eine einheitliche IP-Infrastrukur zugrunde liege, dies sei „aber eben nicht zwingend nötig“, bilanziert der Experte von Avaya.

Auch Anbieter Siemens sieht dies ähnlich. Ein Start über VoIP sei nicht zwangsläufig notwendig. Mit dem Openccape Unified Communications Server biete Siemens eine Software Suite an, die auf bestehende Infrastrukturen sowohl bei der IT als auch bei der Kommunikationsinfrastruktur aufsetze. „Damit kann das bestehende Investment in TDM-Technologie weiter genutzt werden“, sagt Lutz Böttcher von Siemens.

Der Start über VoIP biete allerdings den Vorteil, ein gemeinsames Netz für alle Daten nutzen zu können. „Beim Greenfield-Ansatz etwa ist das die durchaus günstigere Alternative“, so der Manager weiter. Mit Hilfe der Openccape Unified Communications Server sei die Nutzung aller Medien, unabhängig von Infrastruktur, Endgeräten oder Ort und Zeit möglich.

Marktforscher wie Berlecon Research in Berlin sehen die rettung des Alten allerdings deutlich kritischer. „VoIP ist eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung von UC“, betont Analyst Philipp Bohn. Denn gerade auf der Grundlage der traditionellen Telefonie sieht der Experte die Integration der Kommunikationsfunktionen mit der IT als zu kompliziert und unwirtschaftlich an.

Auch sei es kaum mehr sinnvoll, in den Unternehmen getrennte Netze für Daten und Sprache zu betreiben. „Damit sind natürlich hohe Anforderungen an Sicherheit, Qualität und Verfügbarkeit im IP-Netz verbunden“, räumt Bohn ein. Letztendlich bleibt die Arbeit also gerade beim großen Sprung auf konvergente Netze an den Spezialisten hängen, die sich mit gelegentlich unkalkulierbaren neuen Netzwerkstrukturen konfrontiert sehen.

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