10.02.2010 | Redakteur: Ulrike Ostler
Der Verband der deutschen Internetwirtschaft, Eco e. V., plant schon bald die Einführung eines VoIP-Gütesiegels. Um es zu bekommen, sollen sich Provider mit und ohne eigenes Netz einem unabhängigen Audit stellen müssen. Das Ziel besteht darin, den Markt für Kunden transparenter zu machen, indem Vergleichbarkeit hergestellt wird.
Wenn alles klappt, soll das Gütesiegel im kommenden Quartal an den Start gehen. Seit Ende 2008 arbeitet ein Eco-Arbeitskreis daran. Dieser besteht aus sechs bis acht Mitgliedern, VoIP-Anbieter wie die QSC AG und die Outbox AG.
Der Vergabe sollen Qualitätskriterien in vier Kategorien zugrunde liegen: die Vertragsgestaltung, der Leistungsumfang, die Sprachqualität und Ausfallsicherheit sowie die Serviceleistungen des Anbieters.
Beim Service sollen unter anderem die Kommunikationswege zum Kunden betrachtet werden. Nach Auskunft von Markus Schaffrin, der zuständige Eco Fachbereichsleiter E-Business, gehören zu den Fragen, die in diesem Zusammenhang untersucht werden, welche Support-Kanäle den Kunden zur Verfügung stehen und zu welchen Zeiten dieser erreichbar ist.
Von Interesse soll aber auch die maximale Wiederherstellungszeit bei Störungen gemäß Standard-AGB sein. In der Kategorie Vertrag werden beispielsweise die Vertragsbestandteile, der Vertragsabschluss, Dauer und Kündigung sowie die Rechnungstellung und die Zahlungsmodalitäten untersucht. Der Datenschutz soll hier ebenfalls eine Rolle spielen.
Die Sprachqualität soll durch eine Messung überprüft werden. Doch dürfte bei der Qualitätsbeurteilung nicht nur die Sprachqualität ausschlaggebend sein, sondern auch das verwendete Protokoll, die Verfügbarkeit und die eingesetzten Sicherheitsmaßnahmen.
Schließlich sollen Leistungsmerkmale wie Dreierkonferenz und Rufumleitung in die Bewertung eingehen. Dazu kommen Erreichbarkeit von Rufnummerngassen, der Notruf inklusive der Lokalisierung von so genannten „Röchelrufen“, die Einhaltung der gesetzlichen Meldepflichten und der Telekommunikations-Kundenschutz.
Ob das Gesamturteil dafür jedoch in Unterkategorien aufgeteilt wird, oder in Anlehnung an den „Datacenter-Star“ des Eco „Sterne“ vergeben werden, ist noch unklar. Ungeklärt ist auch noch, wie die Objektivität der Prüfungen gewährleistet werden kann. Schließlich soll das Audit auch für kleine Anbieter noch bezahlbar sein.
Nach Darstellung Schaffrins ist das Gütesiegel kein altruistischer Ansatz der VoIP-Anbieter. Vielmehr verschaffe das Siegel, beziehungsweise die zugehörigen Benchmarks, den Providern eine Möglichkeit, sich im Markt zu positionieren, aber auch die Grundlage für eine Bedarfsanalyse.
Ob es international ein Bewertungssystem gibt und ob der Eco-Entwurf damit konform geht, weiß Schaffrin nicht. Dennoch sieht er gute Chancen dafür, dass sich das Gütesiegel etablieren wird. Ende Januar hatte die kleine Arbeitsgruppe seine bisherige Arbeit dem gesamten VoIP-Arbeitskreis vorgestellt.
Das Fazit: „Insgesamt wurde das geplante Gütesiegel sehr positiv aufgenommen“, heißt es im Sitzungsprotokoll. Doch es habe sich auch gezeigt, dass an der einen oder anderen Stelle noch etwas Feinschliff von Nöten sei. Trotzdem erwartet der VoIP-Arbeitskreis, dass im 2. Quartal 2010 das Gütesiegels fertig gestellt ist und die ersten Zertifizierungen erfolgen können.
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