Fünf Tipps plus drei Standards zum Netzwerken – sonst tut Virtualisierung weh

Netzwerke ersticken an der Masse virtueller Maschinen

21.04.2010 | Autor / Redakteur: Rochus Rademacher / Ulrike Ostler

Neue Standards

Offenbar steht er mit dieser Ansicht nicht allein da. Das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) wird noch in diesem Jahr im Projekt IEEE P802.1 Qbg Edge Virtual Bridging der Grundstein für diese Vorgehensweise legen. Die entsprechenden Standards, mit denen die Kommunikation der VMs in einem Server den Kriterien Sicherheit und Servicequalität gerecht werden, sind in der Entwicklung schon fortgeschritten.

Drei IEEE-Standards verbannen laut Hoscheid künftig die Komplexität der Virtual-Switching-Technologie wieder ins Netzwerk:

  • „Erstens regelt die Virtual Ethernet Port Aggregation (VEPA) die Kommunikation zwischen VMs in einem Server durch einen externen Switch – VEPA lädt Switching-Aktivitäten von den Hypervisor-basierten virtuellen Switches auf einen physikalischen ab.“

Das beseitige viele Netzwerk- und Virtual-Switching-Komponenten im Rechenzentrum und erleichtere so die Verwaltung. Bis Jahresende dürfte die Industrie mit Produkten aufwarten, etwa bei der Power-Server-Plattform von IBM. Dort steuert und verwaltet die Hardware-Netzwerk-Karte das Management des virtuellen Ethernet Bridging.

  • Als zweites migriert die Multi-Channel-Erweiterung der 802.1-Bridge mit einer VM auch ihre Policies. Jede virtuelle MAC-Adresse bekommt einen Tag, der Servicequalitäten und damit die Compliance absichert.

HP und IBM unterstützen bereits den Vorläuferstandard vNIC Virtual Fabric.

  • Der dritte IEEE-Standard ist das Virtual Station Interface (VSI). Über das VSI migrieren auch die Port-Profile mit der VM – wohl 2011 werden VLAN Identifier, Port-Zugriffs- und Verkehrskontrolle sowie Port-Sicherheit dynamisch.

Neues verbindet sich mit Tradition

Nicht zu unterschätzen ist der Aufwand, die traditionelle Drei- oder Vier-Schichten-Netzwerktopologie in ein flaches Layer-2-Netzwerk zu überführen. „Belohnt wird diese Migration neben der einfachen VM-Verschiebung auch durch höhere Übertragungsgeschwindigkeiten und erleichterte Administration“, argumentiert Hoscheid.

„Außerdem zahlen sich die sehr hohen Portdichten der Non-Blocking-Geräte bei der Server-Konsolidierung und in der Energiebilanz aus.“ IBMs Ethernet-Switch Model J48E besitzt beispielsweise 48 Ein-Gigabyte-Ports.

Wächst der Bedarf, so passen durch die Virtual-Chassis-Technologie bis zu zehn Switchs in ein Rack. Über eine Entfernung von bis zu 70 Kilometer können also 480 Server an Ein-Gigaybyte-Ports angeschlossen und VMs beliebig durch die Gegend geschoben werden.

Durch die Netzwerkanpassung wird für Gartner-Analyst McDonald Virtualisierung „zu einem Schlüssel, der die Komplexität dämpft und Beweglichkeit beim Ressourcenbedarfs erzeugt“. Letzteres steuert eine Management-Suite durch Automatismen.

Die funktioniert selbstredend nicht komplett automatisch „Vielmehr trifft der IT-Verantwortliche zunächst Grundsatzentscheidungen“, stellt Hoscheid klar. „Damit seine VMs ihre Anwendungen abarbeiten können, legt er beispielsweise fest, bei welcher CPU-Auslastung zusätzliche physikalische Ressourcen notwendig werden – oder er schaltet einen separaten Prozess auf einer anderen Maschine.“

Das Management-System selbst integriert allerdings Hypervisor- und Plattform-Management, um die virtuelle Instanz samt Netzwerk und den Konfigurationsanforderungen der Anwendung von einem Server auf den anderen zu verschieben.

Der Autor:

Rochus Rademacher ist freier Journalist in Tübingen.

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