24.01.2008 | Redakteur: Ulrike Ostler

Nicht Technik sondern Lösungen stellt IBM in den Mittelpunkt seines neuen Messekonzepts für die CeBIT. Einen Schwerpunkt seines Industrie-Boulevards in Halle 2 bildet das Web-2.0-Unternehmen, das mit Hilfe von Services im Frontend, Social Software und Integration der Kommunikationswege seine Agilität und Innovationskraft fördert.
Der Einsatz von Web-2.0–Techniken in der internen und externen Kommunikation hilft Unternehmen dabei, im globalen Wettbewerb zu bestehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Betriebe groß oder mittelständisch sind. So lauten die Thesen.
Um zu belegen, dass der Umbau zu einem Enterprise 2.0 mit Hilfe von IBM-Produkten und Services gelingen kann, führt IBM gerne seine eigenen Erfolge an. So läuft „Blog Central“, die IBM-Zentrale für interne Blogs, auf „Lotus Connections 1.0“. In den vergangenen zwölf Montane haben nach Unternehmensangaben 41.800 Mitarbeiter die Blogs genutzt, über 190.000 Einträge und Kommentare erstellt und 20.500 eindeutigen Tags vergeben. Dabei kommen die meisten Blogger aus den USA, gefolgt von Großbritannien, Japan, Kanada und Indien. Deutschland liegt auf Platz 6.
Manager, die extern bloggen, nutzen ebenfalls zumeist Lotus Notes; denn das Tool bietet die Möglichkeit, die Weblog-Beiträge offline zu erstellen und dann nach dem Netzzugang zu replizieren und zu publizieren.
Das zentrale Bookmark-Sharing-Tool „Dogear“, zu Deutsch Eselsohr, läuft auf Lotus Connections 1.0 und weist derzeit 273.000 Leseempfehlungen von mehr als 7.000 Nutzern auf. Nur 2,5 Prozent davon sind als persönlich gekennzeichnet – „ein Zeichen dafür, dass die meisten ihre Erfahrungen gern mit Kollegen teilen“, sagt René Werth, Vertriebsleiter Social Software bei IBM.
Dasselbe gilt für Vorträge. „Activities“ ist eine Methode aus Lotus Connections 1.0, die das erlaubt. Rund 60.000 IBM-Mitarbeiter nutzen die Möglichkeit und haben bisher rund 34.000 Vorgänge mit 255.000 Aktivitäten bearbeitet.
„Wiki Central“ nennt sich analog zum zentralen Blog, die IBM-Zentrale für Wikis. Diese wir von zwei Dritteln der Mitarbeiterschaft genutzt. Damit greifen pro Tag rund 55.800 Mitarbeiter auf bis zu 158.000 Seiten in 8.000 Wikis zu.
Die IBM „Community Map“ umfasst 700 Communities und in den Foren stehen mehr als 36.000 Einträge.
In den Gelben Seiten der IBM, die dort „Blue Pages“ heißen, und das Mitarbeiterverzeichnis darstellen, sind die Profile aller Mitarbeiter hinterlegt, also rund 350.000. Pro Woche ereilen das System rund 3,5 Millionen Suchanfragen. Zudem sind die Seiten mit mehr als 50 Anwendungen vernetzt, die das System mit weiteren Informationen füttern. Außerdem laufen die Anwendungs-Authentifizierungen über das System.
„Jams“ und „Thinkplace“ sind Innovations-Management beziehungsweise Diskussions-Tools. Am jüngsten „Jam“ zum Thema „Innovation“, der über 72 Stunden lief, haben sich 140.000 Personen beteiligt, IBM-Mitarbeiter und beschäftigte von Partner-Firmen. Rund 37.000 Ideen wurden gesammelt, von denen nach IBM-Angaben 31 als „wegweisend“ zu betrachten sind. IBM investiere nun 100 Millionen Dollar, um diese umzusetzen. Im Bereich Thinkplace stehen derzeit zudem 6.800 neue Ideen zur Diskussion.
Schließlich dienen Web-Konferenzen über „Sametime“ als wichtiges Austauschmedium. Schon 2006 fanden knapp 217.000 Web-Konferenzen mit insgesamt 1,35 Millionen Teilnehmern statt. Dies entspricht etwa 1.000 Konferenzen pro Arbeitstag mit 6,2 Teilnehmern im Schnitt. 15,5 Prozent der Konferenzen finden mit Partnern oder Kunden statt.
Diese Techniken sind auch für die Kunden verfügbar und finden sich so oder weiterentwickelt in diversen Szenarien auf der CeBIT wieder. Zum Beispiel stellt Big Blue auf seinem nunmehr schwarz-grünen Messestand eine Technik aus seinem Böblinger Labor vor, die das Nachschlagen im Web automatisiert. „Enriched Content Browsing“ nutzt Web-2.0- und Information-Management-Techniken, um beliebige Website-Inhalte mit Hintergrundinformationen zu verknüpfen und anzuzeigen. Eine solche Anwendung kann helfen, zeitaufwändige Recherchen zu vermeiden.
Einer der CeBIT-Showcases ist eine Versicherungsanwendung. Die Ingredienzien sind Domino, Sametime mit Instant Messaging und E-Mail, DB2, Websphere Portal, Websphere Process Server, Call Manager und Voice-over-IP-Telefonie von Vocaltec. Das Ganze läuft virtualisiert unter VMware ESX 3.05.
Auf der technischen Grundlage lassen sich typische Alltagssituationen nachstellen, etwa die Bearbeitung eines Schadensfalls. Der Sachbearbeiter benötigt zur Klärung den Gutachter und kann über den Sametime-Status feststellen, ob dieser erreichbar ist. Mit nur einem Click kann er einen Anruf initiieren, oder gegebenenfalls eine Konferenz eröffnen, zum Beispiel wenn der Kunde am Gespräch beteiligt werden soll.
Eine ganz andere Anwendung, die die Möglichkeiten von Kommunikations- und Informationsintegration demonstrieren soll, stammt aus dem Labor in Rüschlikon. Der Clou ist eine 3D-Software, die die Handhabung von Krankenakten vereinfachen soll. Die „Anatomic Symbolic Mapper Engine“ (ASME) erstellt quasi eine virtuelle Karte des menschlichen Körpers, mit einem Avatar als zentralem Element.
Im Austausch mit anderen können etwa Fachärzte diesen gemeinsam nutzen, um beispielsweise Schmerzen auf den Grund zu gehen. Der Körper lässt sich dabei Schicht für Schicht erforschen. So lässt sich visualisieren, welche Regionen und Organe vom jeweiligen Krankheitsbild betroffen sind. Durch „Click to Conference“ oder „Click to Call“ lassen sich Kollegen und Patienten zur virtuellen Untersuchung einladen.
Das Pendant zur Integration von Anwendungen und Kommunikationsmedien findet sich in der Konvergenz von Netzen. Das gilt auch und insbesondere für die Netze der Telekommunikationsanbieter. Sie sehen sich mit der Notwendigkeit konfrontiert, die Betriebskosten für Netze zu senken und neue Dienste wie IP-TV anzubieten – denn sowohl Kundenloyalität als auch Margen sinken.
Für den Umstieg auf das Next Generation Network (NGN) bietet IBM ebenfalls Produkte und Dienstleistungen an. So hat IBM Global Services die Appliance „NGN-Factory“ für die Telekom entwickelt, die damit ihr Festnetz substituieren will.
Die Appliance stellt auf Basis des ETSI TISPAN-Standards eine IMS-konforme IP-basierte Class-5-Vermittlungsstelle dar. Sie bildet somit die Grundlage für die Substitution und Simulation von klassischen Telefonnetzen (POTS/PSTN) sowie die Integration zusätzlicher innovativer Dienste.
Bestandteile der so genannten „IMS Control Plane“ sind die Möglichkeit zur Virtualisierung der Geschäftskundenbeziehungen, SOA-basierte Schnittstellen (SOA = Service Oriented Architecture) zu den Service Planes sowie Software zur Steuerung und Kontrolle der Zugangs- und Transportschicht.
Auf der CeBIT werden an den Demopunkten nicht die Rechner, sondern die Frontends beziehungsweise Anwendungen zu sehen sein. Diese greifen auf die Installation im Frankfurter Competence Center zu. Für die Technik sollen sich insbesondere Reseller interessieren, aber auch für potenzielle Dienstleistungskunden dürfte sich ein Blick ins Netz der Zukunft lohnen.
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