Frauen benachteiligt, Fachkräfte Mangelware

Zuwenig weibliche Fachkräfte und Spezialisten in der IT-Branche

28.08.2007 | Redakteur: Martin Hensel

Laut einer Studie des Schulungshauses Training Camp ist für weibliche IT-Fachkräfte der Einstieg ins Berufsleben oft zu schwierig. Zugleich fehlen der deutschen IT-Branche jedoch rund 40.000 Spezialisten. Der Branchenverband Bitkom fordert jedoch wieder einmal eine verstärkte Zuwanderung von ausländischen Fachkräften.

Eine aktuelle Studie des Schulungsanbieters Training Camp belegt, dass der Anteil an weiblichen Absolventen im Fach Informatik im vergangenen Jahr nur bei 17 Prozent lag. Selbst diese wenigen qualifizierten IT-Expertinnen hätten es schwer, in der Branche Fuß zu fassen.

Einer Umfrage unter 125 weiblichen IT-Spezialisten zufolge sind 56 Prozent der Meinung, dass der Einstieg in die IT-Branche die größte Hürde sei. Sobald diese überwunden ist, habe man aber größere Aufstiegschancen als in anderen Geschäftsfeldern, geben 49 Prozent der Befragten an.

„Schon aufgrund des Fachkräftemangels sollten die Verantwortlichen alles in Bewegung setzen, um eine Beschäftigung für Frauen attraktiver zu machen“, betont Robert Chapman, Mitgründer und Geschäftsführer von Training Camp. „Aber ganz offensichtlich gibt es in der männerdominierten IT-Branche noch viele Vorurteile gegenüber weiblichen IT-Kräften, die aus der Steinzeit stammen“, ergänzt er.

Akuter Mangel an Spezialisten

Auch der akute Fachkräftemange scheint den Ressentiments keinen Einhalt zu gebieten. Nach aktuellen Zahlen, die der Bundesverbandesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) jetzt vorlegte, gibt es im IT-Sektor derzeit zwischen 25.000 und 28.000 freie Stellen. Weitere 10.000 Arbeitsplätze für IT-Spezialisten kommen in den Anwenderbranchen vom Maschinenbau über den Handel bis zu den Finanzinstituten noch hinzu.

Demgegenüber steht die Zahl der arbeitslosen DV-Fachleute. Diese habe sich seit Anfang 2005 auf rund 30.000 halbiert, was dem Stand dem Dotcom-Boom-Jahr 2000 entspricht.

Um den Zuzug hochqualifizierter Einwanderer zu erleichtern, fordert der Bitkom die Politiker auf, die Hürden zu senken. Man müsse die Einkommensgrenzen als Voraussetzung für eine dauerhafte Niederlassungserlaubnis von 85.000 Euro auf die Hälfte reduzieren sowie die Arbeitsmöglichkeiten für ausländische Studenten verbessern, die in Deutschland ihren Abschluss machen.

Um die Fachkräfte einzugruppieren soll ein Kriterienkatalog helfen. Zu dem Auswahlkriterien gehörten beispielsweise Qualifikation, Sprachkenntnisse und Alter der Zuwanderer.

Keine Besserung in Sicht

„Eine gesteuerte Zuwanderung entlastet die Sozialsysteme, stärkt das Wirtschaftswachstum und führt zur Schaffung neuer Arbeitsplätze“, erläutert Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer.

Aus Sicht des Bitkom wird sich der Fachkräftemangel bei stabiler Konjunktur sogar noch verschärfen. So sei die Zahl der Studienanfänger im Fach Informatik seit 2000 um ein Viertel auf rund 28.000 im vergangenen Jahr eingebrochen. Zugleich liege die Quote der Studienabbrecher ungebrochen hoch. Demzufolgte dürfte damit zu rechnen sein, dass nur etwa die Hälfte der Studierenden einen Abschluss erreiche.

Doch auch laut Scheer kann der Bedarf an IT-Spezialisten nicht allein durch Anwerben im Ausland gedeckt werden. Er Fordert: „Reformen im Bildungssystem sind daher die zweite große Herausforderung zur Bekämpfung des Fachkräftemangels.“ Außerdem müssten Unternehmen parallel dazu ihre Investitionen in Aus- und Weiterbildung erhöhen.

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