Einschneidender Strategiewechsel

Microsoft kündigt Gratis-Office als Web-Version an

29.10.2008 | Redakteur: Stefan Riedl

Mit der nächsten Office-Version geht eine abgespeckte Gratisversion einher.

Die Free-Lunch-Mentalität der Online-User fordert auch von Microsoft ihren Tribut: Zusammen mit der kommenden lokal installierten Generation der Office-Suite, kommt eine abgespeckte Variante ins Reich des kostenfreien Webs.

Eine abgespeckte Version der beliebten Office-Suite bietet Microsoft demnächst gratis als Online-Software an. Privatanwender, die eingeblendete Werbung in Kauf nehmen, müssen keine Gebühr bezahlen. Anders als bei der Konkurrenz werden im Microsoft-Workspace allerdings nicht die Inhalte einer semantischen Analyse unterzogen, um passende Werbeeinblendungen generieren zu können. Bei Microsoft stützt man sich bei der zielgruppengerechten Ansprache lediglich auf drei Informationen: Den angegebenen Namen, die angegebene Postleitzahl und das angegebene Alter. Privatnutzer, die Werbeeinblendung ablehnen, sowie Unternehmen müssen eine Mietgebühr in SaaS-Manier zahlen.

Die Ankündigung

Dies kündigte Microsoft auf der gegenwärtigen Professional Developers Conference (PDC) an. Beim „Online-Office“ handelt es sich um vereinfachte Versionen von Word, Excel, PowerPoint und OneNote. Sie lassen sich mit Standard-Web-Browsern wie Internet Explorer, Firefox oder Safari über das Internet nutzen. Dokumente „in der Cloud“ können dann via Web, mit dem PC, unterwegs mit dem Notebook oder per Smartphone bearbeitet werden.

Office Live als Plattform

Die Web-Anwendungen kommen mit der nächsten Version von Microsoft Office auf den Markt, dessen Launch-Termin noch nicht fest steht. Für Konsumenten stehen die Web-Anwendungen über Office Live zur Verfügung. Unternehmen erhalten sie durch ein gehostetes Abonnement sowie bestehende Volumenlizenzprogramme.

Insgesamt spielt das Thema Web-Collaboration über die Office-Live-Plattform eine zentrale Rolle bei dieser Strategie. Das Modell „Microsoft Office Live Workspace“, das in den USA bereits erfolgreich angelaufen ist, kann seit Mai dieses Jahres von Unternehmens- und Privatkunden in deutscher Version genutzt werden. Bislang ermöglichen es dort über Web-basierte Erweiterungen des Standard-Office-Pakets echte Online-Collaboration zu betreiben. Dokumente können im Office-Live-Workspace jederzeit online abgerufen und mit anderen geteilt werden. Insbesondere bei studentischen Projekten wird diese Möglichkeit bereits gerne genutzt.

Die Beweggründe

Doch was treibt Microsoft überhaupt dazu, das gewinnträchtige Office-Geschäft selbst mit Gratisangeboten zu unterminieren? Immerhin brachte die Bürosoftware-Sparte im vergangenen Geschäftsjahr 18,9 Milliarden US-Dollar Umsatz und 12,4 Milliarden US-Dollar Gewinn. Zunächst einmal liegt es am Marktumfeld. Insbesondere Google sorgt mit seinem kostenfreien Angebot „Text & Tabellen“ seit geraumer Zeit für Furore. Die Software des Suchmaschinenbetreibers ermöglicht Büroarbeit in den meisten der gängigen Dateiformaten, darunter DOC, XLS, ODT, ODS, RTF, CSV, PPT.

Außerdem hat man bei Microsoft schon genug Software-Pakete über die Ladentheke verkauft, als dass man sich vom SaaS-Trend beirren lassen würde. Lokal installierte Office-Pakete warten mit einem Zeitvorteil bei der Dateiverarbeitung gegenüber Online-Versionen auf. Außerdem dürfte auch über die Mietvarianten beachtliche Umsätze in die Konzernkassen fließen.

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