28.09.2009 | Autor / Redakteur: Dr. Franz-Joachim Kauffels / Andreas Donner
Mit der Modulation alleine ist es aber nicht getan. Wir benötigen dazu auch State-of-the-Art digitale Signalverarbeitung und Vorwärts-Fehlerkorrektur. Der gesamte Bereich nennt sich „Kohärente Optische Systeme“.
Diese werden auch erheblichen Einfluss auf Corporate Networks haben, denn immerhin kann man – um es kurz zu sagen – mit verbesserten Methoden auf dieser Ebene höhere Datenraten auf schlechtere Glasfaser-Kabel bringen (die ja der Realität entsprechen).
Viele Unternehmen nutzen heute 10 GbE mit OM3-MMF oder einfacher SMF. Mit Dispersionskompensation (wie es heute 10 GBASE-LRM kann) schaffen hier die meisten auch den Schritt zu 40 GbE locker. Nebenbei bemerkt, das brauchen sie auch, denn ab jetzt steht auch die 16 Gb-Version des Fibre Channels zur Verfügung. Möchte man diese via FCoE konsolidieren, reicht dazu ein 10 GbE nicht mehr aus, und Link Aggregation kann man hier wegen der Vorgaben aus FC-BB-5 nicht nutzen.
Für den Schritt auf 100 GbE gibt es dann drei Alternativen: Parallelbetrieb von 4X25 GbE (ganz schlecht, das gibt für jede Verbindung acht Fasern), Einzug besserer Fasern (wird wohl dann SMF; es war auf der ECOC immer noch keine OM-4-Faser zu sehen) oder Anwendung kohärenter Technik (sehr elegant, dann reicht das System, was bislang 40 GbE unterstützte). Ähnliche Überlegungen gelten auch für den Betrieb von Ausweich-RZs oder über RZ-Grenzen wandernde Virtuelle Maschinen.
Die Diskussion der Informationsverdichtung vor der eigentlichen Übertragung zog sich in verschiedenen Facetten durch die ganze Konferenz. Ich habe hier allerdings nur die Dinge angesprochen, die innerhalb der nächsten zwei Jahre zur konkreten Produktrealität werden.
Auf der Ausstellung konnte man dann die Komponenten sehen, die z.B. in den nächsten 1-2 Jahren von den Switch- und Router-Herstellern verbaut werden. Dabei sieht man auch, wie sie schrumpfen. Komplette 10 Gb-Transceiver sind mittlerweile so klein wie ein Stecknadelkopf. Noch bei der ECOC 2008 in Brüssel benötigte ein 40 GbE Transceiver ein 300-Pin Gehäuse so groß wie zwei Zigarettenschachteln. Jetzt gibt es 40 GbE im kompakten QSF-Gehäuse, wie wir es schon für 10 GbE kennen, ein 40 GbE Transceiver kann also letztlich in einen Stecker integriert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung waren die FTTH-Lösungen. Hier wecken offensichtlich die international aufgelegten Investitionsprogramme Begehrlichkeiten. Technisch gibt es aber nicht viel wirklich Neues; es geht vor allem um Vereinfachungen bei der Installation, Energiesparen und Kostensenkung.
Wirklich auffallend war aber eine andere Tendenz: seit Jahren steigert sich die Anzahl asiatischer Anbieter und in diesem Jahr haben sie es geschafft, die Dominanz zu erreichen. So höflich die asiatischen Anbieter sind, so wenig zimperlich sind sie auch: so „schmückten“ immer wieder Fahnen mit der Aufschrift „Taiwanese Quality – Chinese Prices“ die Stände der Aussteller. Innovationen sind hier nicht zu erwarten, aber sie falten die Komponentenpreise erheblich zusammen. Und dies hat leider zum Ausbleiben einiger interessanter US-Anbieter wie AMD, AMCC usw. geführt.
Die ECOC 2009 brachte erhebliche, dringend benötigte Impulse für die 40 und 100 Gbps-Übertragung – von der DWDM-Fernstrecke bis hin zum Corporate Network.
Die nächste ECOC findet Ende September 2010 in Turin statt.
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Dr. Franz-Joachim Kauffels ist seit über 25 Jahren als unabhängiger Unternehmensberater, Autor und Referent im Bereich Netzwerke selbständig tätig. Mit über 15 Fachbüchern in ca. 60 Auflagen und Ausgaben, über 1.200 Fachartikeln sowie unzähligen Vorträgen ist er ein fester und oftmals unbequemer Bestandteil der deutschsprachigen Netzwerkszene, immer auf der Suche nach dem größten Nutzen neuer Technologien für die Anwender. Sein besonderes Augenmerk galt immer der soliden Grundlagenausbildung.
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