Experten blicken in die Zukunft: Technik, die die Welt verändern kann
Der Fachverband IEEE feiert sein 125-jähriges Bestehen
12.03.2009 | Redakteur: Ulrike Ostler

Energie per Funk-LAN ist laut IEEE einer der zukunftsweisenden Techniken
Unmengen an Spezifikationen haben Gruppen des weltgrößten technischen Fachverbands IEEE erarbeitet. Vorgestern feierte die Organisation anlässlich ihres 125-jährigen Bestehens mit Veranstaltungen und Podiumsdiskusionen über Technologien, die die Welt verändert können. Auf einer eigens eingerichteten Website stehen die Informationen für jeden zur Verfügung.
Über 375.000 Mitglieder in 160 Ländern zählt das Institute of Electrical and Electronics Engineers Inc. (IEEE). Die Themen reichen von Luft- und Raumfahrtsystemen, Computer und Telekommunikation über Biomedizintechnik und Stromerzeugung bis hin zu Verbraucherelektronik. Der Verband widmet sich der Verbesserung von Technologien.
Damit einher geht, dass dreißig Prozent der weltweiten Literatur im Bereich Elektrotechnik und Elektronik und im Bereich Informatik von ihm veröffentlicht werden. Es hat nahezu neunhundert aktive Industriestandards entwickelt. Die Organisation fördert jährlich über neunhundert Konferenzen weltweit.
Zum Auftakt der Feierlichkeiten diskutierte am 10. März 2009 ein Podium von Technikexperten in New York über aufkommende Technologien aus den Bereichen Biometrik, Computer, drahtlose Energieübertragung und anderen Bereichen, von denen man glaubt das Potential zu haben, die Welt verändern zu können. Lewis Terman, der Präsident des IEEE von 2008 sagt dazu: „Heute werfen wir einen Blick in die Zukunft, zusammen mit einigen der treibenden Kräfte in der Entwicklung von Innovationen und technologischen Erweiterungen zum Wohle der Menschheit.“
Wer sich für diese Sicht auf die Zukunft interessiert, kann sich die Beiträge auf der Seite „Celebrtae IEEE´s 125th Anniversary“ anschauen.
Sieben Technologien stehen im Fokus
- Es geht darum Energie drahtlos in einem Radius von einigen Metern von einer zentralen Stromquelle aus zu gewöhnlichen Endverbrauchergeräten zu übertragen. Expertin hier ist Katie Hall, Seniormitglied des IEEE, Chief Technology Officer, WiTricity. Sie entwickelt die Technik, um die Endverbraucher-, Industrie-, Medizin-, Militär- und Transportmärkte an den Vorteilen drahtloser Energieübertragung teilhaben zu lassen und dabei Leben zu retten, Energie zu sparen und die Umwelt zu schonen.
- Rangachar Kasturi, IEEE-Fellow und Professor hat indes ein Rahmensystem geschaffen, das Text, Gesichter und Fahrzeuge in Standbildern und auf Videos erfassen und verfolgen kann. Es soll möglich sein, mit Hilfe von Computern, Fahrzeuge, Menschen und Objekte aus großer Entfernung und unter ungünstigen Bedingungen zu erfassen und zu erkennen. Das führt zu einer schnelleren, exakteren Erfassung von möglichen ökologischen, gesundheitlichen oder sicherheitsrelevanten Bedrohungen.
- Ray Liu, IEE-Fellow und Professor an der Universität von Maryland, und sein Team haben ein Modell entwickelt, das auf einer Interaktionsprüfung von genomischen und proteomischen Daten eines Menschen auf Basis eines einfachen Bluttests beruht. Mit Hilfe dieses Modells kann bestimmt werden, ob sich die Testperson in der Übergangsphase befindet, an Krebs zu erkranken und um welchen Krebstypus es sich dabei handelt. Diese Informationen ermöglichen bestenfalls eine präventive Behandlung.
- Dharmendra Modha, Seniormitglied des IEEE und Manager Cognitive Computing im IBM Almaden Research Center setzt ein Computersystem ein, das die Fähigkeiten des Gehirns – Empfindung, Wahrnehmung, Aktion, Interaktion und Kognition – simuliert. Es hat das Potenzial, die Funktionalität und Antwortquote von Heimcomputern wesentlich zu verbessern, Eine der praktischen Anwendungen könnte sein, Finanziers dabei zu unterstützen, in Sekundenbruchteilen Entscheidungen zu treffen.
- Miguel Nicolelis, Mitglied des IEEE, Professor und Kodirektor im Center for Neuroengineering des Medizinzentrums der Duke-Universität, und sein Team haben einen Mikrochip entwickelt, der es Menschen ermöglicht, über ihr Gehirn mit Robotern zu kommunizieren und es umgekehrt Robotern ermöglicht, eine Antwort direkt an das Gehirn zurückzusenden, ganz ohne Sichtkontakt oder Berührung. Mit Blick in die Zukunft glaubt er, dass seine Arbeit auch die Kommunikation zwischen menschlichen Gehirnen erlauben wird.
- Krishna Palem, IEEE-Fellow und Professor der George Brown School of Engineering an der Rice-Universität entwickelt die Wahrscheinlichkeitschip-Technologie. Diese wägt Genauigkeit bei Berechnungen gegen erhebliche Verminderung an Stromverbrauch ab, womit die Möglichkeit besteht, dass Endgeräte wie Mobiltelefone nur in Abständen von Wochen aufgeladen werden müssen anstelle von wenigen Tagen. Auf dieser Basis entstand ein LED-Rollup-„Slate“, das Zugang zu Lehrmaterial für Studenten in verarmten/abgelegenen Regionen zu sehr niedrigen Kosten ermöglicht und dabei sehr wenig Energie verbraucht.
- Roy Want, IEEE-Fellow und Senior Principal Engineer bei der Intel Corporation, konstruiert derzeit eine Mobillösung unter dem Namen „Dynamic Composable Computing“, die die Leistung von tragbaren Geräten enorm verbessern und dabei die Fähigkeit bieten wird, mehrere Ressourcen zwischen Computern freizugeben, einschließlich Anzeige, Netzwerke, Verarbeitung, Speicherung und Peripheriegeräten. Beispielsweise könnte ein Mobiltelefonnutzer, der über kein Kamera-Handy verfügt, drahtlos auf ein anderes Gerät in der Nähe zugreifen, vorausgesetzt der Zugriff wurde gestattet.
Weitere Veranstaltungen
Die feierliche Veranstaltung war jedoch nur ein Auftakt. Weitere Feierlichkeiten sind über das ganze Jahr verteilt: Dazu gehören lokale und globale Mitglieder- und Kundenveranstaltungen; ein erster Studentenwettbewerb mit dem Titel „IEEE Presidents‘ Change the World Competition“; eine weltweite Medienrunde mit Internet-Übertragung zu den neu aufkommenden, die Welt verändernden Technologien; den „Engineering the Future Day“ des IEEE am 13. Mai 2009.
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