Ausbildung zu einseitig auf Großunternehmen ausgerichtet

Studie prangert IT-Fachkräftemangel im Mittelstand an

09.06.2008 | Autor / Redakteur: Peter Hempel / Martin Hensel

Der deutsche IT-Mittelstand klagt über Fachkräftemangel.

Im Rahmen einer Studie wurden im Frühjahr 2008 100 IT-Fachkräfte in persönlichen Gesprächen befragt. Der Netzwerkspezialist T&A Systeme wollte so herausfinden, worin der Fachkräftemangel in der IT-Branche begründet ist. Von den befragten Branchenexperten sind 72 Prozent der Meinung, dass der Mangel seine Hauptursache in einseitiger Ausbildung hat.

Zu theoretisch seien die deutschen Ausbildungen in der IT-Branche nicht, differenziert der Netzwerkspezialist T&A Systeme. Durch eine Umfrage bei 100 Branchenexperten wollte er die Ursachen für den derzeitigen Fachkräftemangel in Deutschland genauer beleuchten. „Oft wird dieser Mangel fälschlicherweise mit zu theoretischer Ausbildung begründet, die am Berufsalltag vorbeigehe“, kommentiert Alexander Zinn, Geschäftsführer bei T&A Systeme.

Diese Sichtweise sei zu undifferenziert. Das Hauptproblem liege vielmehr darin, dass die Studenten überwiegend Methoden vermittelt bekommen, die nur in großen Strukturen Sinn machen. „Dabei wird vernachlässigt“, führt Zinn weiter aus, „dass die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland kleine Strukturen hat“. Dort seien Aufgaben nicht spezifisch abgegrenzt, sondern breiter angelegt und verlangen von den Mitarbeitern ein höheres Maß an Flexibilität beim Eindenken in die jeweiligen Kundenstrukturen.

16 Prozent der Befragten sagten aus, dass das dringlichste Problem in diesem Zusammenhang zu wenig Praktika seien. Dazu Alexander Zinn: „Natürlich stehen die Unternehmen selbst auch in der Pflicht, durch die Gewährung angemessener Praxiszeiten dem Studenten schon während der Ausbildung einen Einblick in die Anforderungen zu ermöglichen, die später auf ihn zukommen.“

T&A Systeme wollte außerdem erfahren, warum es so viele Kandidaten zu großen Unternehmen zieht und sich deshalb der deutsche Mittelstand Sorgen um seinen Nachwuchs machen muss. Für 38 Prozent der Branchenkenner steht dabei die Aussicht auf ein hohes Gehalt an erster Stelle. Immerhin rund ein Fünftel der Befragten glaubt, dass alleine der hohe Bekanntheitsgrad dieser Unternehmen für den positiven Zuspruch auf Kandidatenseite sorgt.

Jeweils 18 Prozent entschieden sich bei der Umfrage für „Aussicht auf eine große Karriere“ beziehungsweise die „gefühlte Sicherheit des Arbeitsplatzes“ als wahrscheinliche Hauptgründe, warum frisch ausgebildete Spezialisten in größeren Unternehmen anheuern. Das lässt Zinn differenzieren: „Die Konzerne haben durch den Fachkräftemangel meiner Ansicht nach nicht so viele Probleme.“

Große Karrierechancen auch bei kleinen Unternehmen

Spürbar würde der Mangel hauptsächlich auf der mittleren Ebene. Dabei befänden sich gerade die mittelständischen Unternehmen in einer sehr guten Ausgangsposition, weil sie Auszubildende und Absolventen früher und gezielter in die praktische Arbeit beim Kunden einbeziehen könnten. „Das müsste wesentlich stärker kommuniziert werden“, fordert Zinn. Auch das finanzielle Argument hinke: „Wo Kundenprojekte zufriedenstellend abgewickelt werden und die Auftragslage stimmt, wird auch entsprechend gut bezahlt.“

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