04.01.2008 | Autor / Redakteur: Gerhard Kafka / Andreas Donner
Bei der Entwicklung des Internet-Protokolls (IP) vor über 30 Jahren wurde bewusst eine offene und hochverfügbare Plattform gewählt. Denn schließlich galt es damals, drei verschiedene Netze des amerikanischen Verteidigungsministeriums zu verbinden und gleichzeitig eine ausfallsichere Infrastruktur zu schaffen. Das Thema Sicherheit stand seiner Zeit jedoch nicht auf der Agenda. Heute wird das IP-basierte Internet von rund einer Milliarde Anwendern täglich benutzt.
Wer betreibt eigentlich dieses Internet? Und auf welchen Standards basiert diese universelle Kommunikationsplattform? Welche Dienste stehen den Benutzern zur Verfügung? Und wie könnte die Entwicklung in Richtung einer konvergenten, leistungsfähigen und sicheren Infrastruktur weitergehen?
Es gäbe noch Dutzende Fragen rund ums Internet, aber die genannten zählen zu den wichtigsten und sollen hier beantwortet werden.
Das 1969 entstandene Arpanet, ein Projekt der Advanced Research Project Agency (ARPA) des Department of Defense (DOD) wurde 1972 der Öffentlichkeit vorgestellt und zur gemeinsamen Vernetzung den Universitäten und Forschungseinrichtungen übergeben. Dieses Netzwerk erhielt den Namen Internet und war eng mit der Entwicklung des Betriebssystems Unix und dem Protokollstack TCP/IP verbunden. Mit der Adaptierung von TCP/IP in das Arpanet im Jahr 1983 wurde der Name Internet richtig populär.
Der Erfolg des Internets und der damit eng verbundenen TCP/IP-Protokollfamilie beruht auf der Tatsache, dass sich diese universelle Kommunikationsplattform auf offene Standards stützt. Die so genannten Internetstandards heißen RFCs (Request for Comment) und werden bei der IETF (Internet Engineering Task Force erarbeitet. Die Anzahl dieser RFCs nähert sich mittlerweile der Marke von 5.000. Neben der IETF sind aber auch noch folgende weitere Organisationen, die sich mit der Struktur und Registrierung befassen, tätig:
Das Internet kennt keinen einzelnen Betreiber sondern besteht aus einer Vielzahl von miteinander (redundant) verbundenen Einzel- und Backbonenetzen. Dies können unter anderem sein:
Die Internetplattform ist die Basis für zahlreiche Dienste, zu welchen auch die folgenden wichtigen zählen:
Die folgenden Dienste sind heute nicht mehr aktuell und sollen deshalb nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden:
Dafür haben interessante neue multimediale Dienste mit zunächst proprietären und danach standardisierten Protokollen die Nutzung des Internets erweitert:
Die Antwort darauf lautet: Ja! Ein Hauptgrund dafür ist die mangelnde Sicherheit. Ein weiterer die Anonymität, die es kriminellen Elementen sehr leicht macht, ihr Unwesen mit immer neuen und raffinierteren Methoden zu treiben. Und schließlich neigt sich der Vorrat an IPv4 Adressen dem Ende zu. Höchste Zeit als für die Anwender, sich mit dem Thema IPv6 intensiv zu befassen.
Bei der Weiterentwicklung des Internets bewegt sich bereits seit zehn Jahren etwas. Z.B. das Internet2: ein Projekt für ein schnelleres Internet, basierend auf einem Glasfaser-Backbone. Es wurde 1997 von der UCAID (University Corporation for Advanced Internet Development) ins Leben gerufen. Das Hochgeschwindigkeitsnetzwerk verbindet mehr als 200 Universitäten, die gemeinsam mit Technologieunternehmen und Regierungen am Internet von Morgen arbeiten.
Seit 2005 arbeitet die NSF an einem Projekt namens GENI (Global Environment for Network Innovations). In einem eigenen experimentellen Netz wird hier an der Zukunft des Internets gearbeitet. Etwa zur gleichen Zeit gründete man unter dem Namen FIND (Future Internet Network Design) ähnliche Forschungsvorhaben an den US-amerikanischen Universitäten wie z.B. Rutgers, Stanford, Princeton, Carnegie Mellon und dem MIT. Die GENI-Forscher stehen noch am Anfang Ihrer Forschung und sind der Meinung, dass neue Entwicklungen vorerst parallel zum jetzigen Internet laufen sollten. Man plant eine öffentliche Präsentation für 2017 und erst ab ca. 2022 den schrittweisen Ersatz des jetzigen Internets.
In Europa arbeitet der Entwicklungsinformationsdienst CORDIS mit seinem FIRE-Projekt (Future Internet Research and Experimentation) an einer Neuentwicklung des Internets. Mit dem Projekt DIMES (Distributed Internet MEasurements & Simulations) versuchen israelische Forscher, den Aufbau des Internets zu verstehen, um es verbessern zu können. Sie sind der Ansicht, dass durch zusätzliche Peer-to-Peer-Kommunikation die Effizienz des Webs gesteigert werden kann.
Und aus dem japanischen Ministerium für Kommunikation kam kürzlich die Meldung, dass japanische Forscher eine neue Netzwerktechnologie entwickeln wollen, um das Internet in seiner derzeitigen Form zu ersetzen. Damit soll vor allem den wachsenden Problemen mit Sicherheit und Qualität der Daten entgegengetreten werden. Der Zeitpunkt, zu dem die Post-Internet-Netzwerktechnologie dringend notwendig ist, wurde mit 2020 angegeben.
Anfang Dezember 2007 wurde das von Infineon geführte und vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) geförderte Projekt „NGN-PlaNetS“ abgeschlossen. Gemeinsam mit Alcatel-Lucent, Deutsche Telekom AG, Stollmann, der Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik ESK und der Universität Paderborn wurden Lösungen entwickelt, die zeitkritischen Diensten wie etwa der Telefonie, Videokonferenzen oder auch interaktiven Spielen entsprechende Übertragungsqualität zuweisen und sichern können.
Das im Rahmen des Projektes entwickelte Konzept sieht vor, für einen Teilnehmer, der einen zeitkritischen Dienst nutzen möchte, einen Datenpfad durch das Internet festzulegen, entlang dem die notwendige Netzkapazität für die Zeit der Nutzung reserviert wird. Verschiedene Netzelemente vom Teilnehmeranschluss bis zum Übergang in das Kernnetz wurden in dem Projekt entsprechend weiterentwickelt und in einem gemeinsamen Labor-Aufbau (PlaNetS-Demonstrator) zusammengeschaltet.
Gerhard Kafka arbeitet als freier Fachjournalist für Telekommunikation in Egling bei München
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