18.05.2011 | Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Andreas Donner
Über die Tücken der digitalen Dividende haben sich Techniker auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland ausgetauscht. Mobilfunkübertragungen gemäß LTE 800 gelten als mögliche Störquelle für bis zu 700.000 Funkmikrofone oder Triple-Play-Dienste aus dem Kabel. Die Deutsche Telekom bestreitet Störungen durch derzeit 541 Basisstationen.
Die Digitale Dividende gilt in der öffentlichen und politischen Diskussion häufig nur als Heilsbringer zur Abdeckung „Weißer Flecken“: Freigewordene Fernsehfrequenzen sollen als Übertragungsmedium dienen, um Breitbandinternet in bislang unterversorgte Gebiete zu bringen. Dass der Plan nicht ohne Tücken ist, wurde Anfang des Monats auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland klar.
Bei der Podiumsdiskussion „LTE – Die Fläche rückt ins Zentrum“ sorgte sich Matthias Fehr, Vorsitzender des APWPT e.V. (Association of Professional Wireless Production Technology) darüber, dass LTE 800 Funkmikrofone stören könnte. Betroffen seien nicht nur Veranstalter, Musiker und Medien, sondern beispielsweise auch Pfarrer, die drahtlose Mikrofone nutzen. Insgesamt müssten bis zu 700.000 Geräte ausgetauscht werden. Dem entsprechend fordert der Interessenvertreter angemessene Entschädigungen für die Neuanschaffung von Geräten.
Ulrich Freyer, Analyst für Medientechnik, wies auf weitere Störpotentiale hin. So sei es denkbar, dass LTE-Endgeräte auch Fernsehgeräte beeinträchtigen. Neben schlecht abgeschirmten Consumer-TVs betreffe das auch Kabelanbieter. Mit deren bis 862 MHz spezifizierten Kabelnetze seien sogar wechselseitige Störungen möglich. Das heißt: So wie LTE-Endgeräte Triple-Play-Dienste aus dem Kabel beeinträchtigen, könnte auch das Kabel seinerseits den LTE-Mobilfunk stören.
Eine Lösung des Problems sieht der Experte in der Erhöhung von Anforderungen für Kabelnetze; konkret gemeint ist damit eine größere Einstahlfestigkeit. Zudem könnten Anwender ihr Nutzungsverhalten ändern und die Position von LTE-Geräten variieren oder zu besser abgeschirmten Produkten greifen.
Karl-Heinz Laudan von der Deutschen Telekom kennt die möglichen Probleme. Bei den derzeit 541 LTE-800-Basisstationen seines Arbeitgebers sind ihm aber keine Störungen bekannt – obwohl LTE dort bereits heftig genutzt werde. Grund hierfür: Vor der Inbetriebnahme der Funkstationen steht eine Anmeldung mit Angaben zu Sendeleistung oder Antennenrichtung. Durch zusätzliche Justierungen und Polarisationsänderungen ließen sich Störungen weitgehend reduzieren.
Konkurrierende Funkdienste sind laut Laudan übrigens auch ein Grund dafür, dass grenznahe Gebiete mitunter nicht effizient mit LTE versorgt werden können. So nutzen Tschechien und Polen das UHS-Band bspw. für militärische Anwendungen.
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