Richtfunk ist billiger, zuverlässiger und breiter

Kein DSL? Mietleitung und LAN zu teuer? Wie wäre es mit Richtfunk?

31.07.2009 | Redakteur: Ulrike Ostler

Richtfunksysteme sind nicht nur etwas für Carrier, eine Strecke amortisiert sich in 6 bis 24 Monaten, Bild: Pan Dacom Direkt GmbH

Richtfunk kann die schnellere, leistungsfähigere und kostengünstigere Alternative zu fest verdrahteten Verbindungen sein. Denn anders als viele glauben, können nicht nur Mobilfunkanbieter diese Technik verwenden, sondern auch Behörden und jedes Unternehmen. Kein Wunder, dass der Markt wächst, erläutert Markus Wingen, Produkt-Manager bei NEC Network Solutions, Düsseldorf.

Richtfunk baut mittels Mikrowellen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen auf, unter der Bedingung, dass zwischen Sende- und Empfangsantenne eine Sichtverbindung besteht.

Dass die Technik zunächst als etwas „altbacken“ und lediglich als Übergangslösung erscheint, liegt vielleicht an ihrer vergleichsweisen langen Vergangenheit. Denn sie stammt aus den 50er und 60er Jahren.

Damals baute die damalige Deutsche Bundespost als Monopolist im Fernmeldebereich ein vergleichsweise engmaschiges Netz von Fernmeldetürmen. Über diese wurden die Verbindungen zwischen einzelnen Vermittlungseinrichtungen hergestellt, in der Regel in Distanzen von 100 bis 120 Kilometern.

Richtfunk für lange Strecken und als Backup

Außerdem entstand neben dem Telefonnetz zu dieser Zeit auch Richtfunkstrecken zur Verbreitung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkprogramme gebaut. Es gab Verbindungen aus den Studios zu den über das Land verteilten Sendeanlagen und zwischen den Funkhäusern.

In den 90er Jahren entdeckten die Mobilfunkbetreiber den Richtfunk, und zwar zur Anbindung von Basisstationen an übergeordneten Einheiten. Der Grund: niedrigere Betriebskosten als bei gemieteten kabelgebundenen Leitungen, schnellerer Aufbau und direkter Zugriff auf die Hardware.

Insofern führen viele Richtfunkstrecken quasi ein Schattendasein, als Backup. Zum Beispiel setzte das Landesamt für zentrale Aufgaben und Technik der Polizei, Brand- und Katastrophenschutz (LPBK) Mecklenburg-Vorpommern, Richtfunkverbindungen als Rückfallebene für das vom Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern (DVZ) betriebene Landesverwaltungs- und Informationsnetz (LAVINE) und das landesweite Polizeiinformations-System (LAPIS), ein, als 2007 der G8-Gipfel in Heiligendamm stattfand.

Hier wurden insgesamt elf Funkfelder mit 108 Megabit pro Sekunde Übertragungsrate aufgebaut, um strategisch wichtige Standorte in Schwerin, Rostock sowie im Großraum Heiligendamm zu verbinden und weitere Stationen redundant zu vernetzen.

weiter mit: Welche Frequenz wofür?

Aktuelle und zukünftige Standards und Frequenzen im Bereich Richtfunk

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