Umstellung der Mobilfunknetze auf All-IP

Paket Core von Alcatel adressiert nun auch 3G- und 4G-Netze

19.03.2010 | Redakteur: Ulrike Ostler

Alcatel-Lucent schnürt ein Paket, mit dem Mobilfunkanbieter mehr aus ihren Netzen machen sollen

Alcatel-Lucent stellt ein Funktionspaket vor, das Mobilfunkanbieter dabei unterstützen soll, der Explosion des mobilen Datenverkehrs zu begegnen. Das Unternehmen kündigte Erweiterungen für „Mobile-Packet-Core-Lösung“ sowie einen umfassenden Ansatz für das IP-Netz- und Regel-Management an, das die IP-Möglichkeiten von 4G-Netzen den Abonnenten heutiger 3G-Dienste zugänglich machen soll.

Heute stehen Diensteanbieter vor den teils sich widersprechenden Aufgaben, wie die Netzkapazität zu erhöhen bei gleichzeitiger Senkung der Kosten pro Bit für Zusatzdatendienste, neue Geschäftsmodelle einzuführen, die über die „All-you-can-eat“-Angebote von heute hinausgehen und die eigenen Netze auf All-IP umzustellen, was einen vereinfachten Betrieb und eine geringere Komplexität mit sich bringen soll.

Im vergangenen Jahr war Alcetal-Lucent in das so genannte Evolved Packet Core–Segment eingestiegen. Die Kunden sollten dabei mit Technik und Erfahrung im Funkzugangsnetz (RAN) unterstützt werden, ihre 2G- und 3G-Netze um Dienstleistungen im IP-Core und zu erweitern.

Peter Jarich, Service Director bei Current Analysis, besinnt sich darauf: „Letztes Jahr haben wir das Unternehmen ermutigt, seine Lösung auf den Betrieb von 2G- und 3G-Netzen zu erweitern. Damit könnte Alcatel-Lucent seine Mobilfunkkunden besser unterstützen.“ Jarich ist Autor der Analyse zu Mobile-Packet-Cores: „The Mobile-Packet-Core: „Why It’s More Important Than Ever and What Operators Need.“

Die neueste Erweiterung des Angebot-Pakets leiste nun genau das. Unter anderem kombiniert „Mobile-Packet-Core“ die Gateways mit Regel- und Analyse-Tools. Die Betreiber erielten damit eine Differenzierungsmöglichkeit bei ihren Diensten, so Jarich.

Das Paket im Überblick

Darüber hinaus sollen die jetzigen Erweiterungen umfangreiche Funktionen für jeden Teil des Netzes bieten, einschließlich dem Mobile-Packet-Core in 3G- und LTE-Netzen. Gleichzeitig sollen sie niedrigere Kosten bei Bereitstellung, Betrieb und Wartung in allen Teilen des Netzes, vom Funkzugangsnetz (RAN) über Backhaul-Elemente bis hin zum Packet-Core ermöglichen.

Die neue Wireless-Packet-Core-Lösung von Alcatel-Lucent umfasst folgende neue Funktionen:

  • 2G und 3G GGSN-Funktionalität (Gateway GPRS Support Node) an Mobile-Packet-Core-Gateways, die auf „7750“-Service-Routern von Alcatel-Lucent basieren. Die 4G-Mobile-Packet-Core-Gateway-Plattform unterstützt nun auch GGSN für 2.5G und 3G sowie Serving-Gateways und Packet-Data-Network-Gateways für LTE.

Dadurch sollen Diensteanbieter eine skalierbare Lösung für GPRS/EDGE, HSPA, HSPA+ und LTE aus einem Guss erhalten. Der 7750 Service Router bietet laut Hersteller die zehnfache Leistung und die zehnfache Skalierbarkeit im Vergleich zu herkömmlichen 3G-Packet-Core-Gateways. Der erweiterte 7750 Service-Router ist seit 2009 in weltweiten LTE-Testnetzen im Einsatz und steht ab der zweiten Jahreshälfte 2010 kommerziell zur Verfügung, um dann 2G, 3G und LTE-Dienste auf einer Plattform zu verarbeiten.

  • Der Alcatel-Lucent Wireless-Mobility-Manager (WMM) eignet sich für für 2.5G/3G SGSN (Serving GPRS Support Node) und LTE MME (Mobility Management Entity) auf einer unternehmensintern entworfenen, standardisierten „ATCAv2“-Plattform. Die kombinierten Funktionen ermöglichen es Betreibern, ihre bestehenden Packet-Core-Netze zu erweitern oder zu erneuern, so dass diese aktuell HSPA und HSPA+ unterstützen, und gleichzeitig auf der Signalisierungs- und Steuerungsebene über Leistungsreserven verfügen, die ein Mobility Management Entity-System benötigt, wenn auf LTE umgestellt werden soll.

Um flexiblere Bandbreite zu ermöglichen, die dafür sorgen kann, dass sich Netze effizienter und rentabler betreiben lassen, bietet Alcatel-Lucent jetzt folgende Funktionen an:

  • „5780 Dynamic Services Controller“ (DSC) von Alcatel-Lucent, der 3G- und LTE-PCRF (Policy and Charging Rule Function) liefert, kann dazu beitragen, dass Mobilfunkbetreiber ihre Netzwerkressourcen optimieren und rentabler nutzen. Unter anderem können sie ihren Kunden so persönlich angepasste Dienste mit der erforderlichen Dienstqualität, sowohl in einer 3G- als auch einer LTE-Umgebung zur Verfügung stellen. Der Controller bildet zudem die Grundlage für ein konvergentes Festnetz-/Mobilfunk-Richtlinien-Management. Durch dieses wird jede Anwendung auf jedem Bildschirm überall verfügbar. Der 5780 DSC wird derzeit weltweit getestet und ist in der zweiten Jahreshälfte 2010 kommerziell verfügbar.
  • Durch eine Erweiterung des „5620 Service Aware Manager“ (SAM) unterstützt dieser nun auch den neuen Wireless-Packet-Core und den 5780 DSC, einschließlich eines einheitlichen, durchgehenden Managements von Nutzerdaten sowie von Steuerungsebenen im gesamten Mobile-Backhaul und Packet-Core. 5620 SAM, der derzeit bei mehr als 270 Diensteanbietern im Einsatz ist, bietet automatische Konfigurations-, Fehler- und Performance-Management-Tools. Sie sollen die Zeit verkürzen, die für die Markteinführung von neuen Mobilfunkdiensten benötigt wird.
  • „9900 Wireless Network Guardian“ (WNG) bietet Mobilfunkanbietern eine gute Sicht auf das Abhängigkeitsverhältnis zwischen der Leistung einzelner Netzelemente und der vom Nutzer erlebten Dienstequalität (QoE) im gesamten Funknetz. Der 9900 WNG, der neuerdings bei einem großen nordamerikanischen Mobilfunkbetreiber im Einsatz ist, trägt zur dynamischen Selbstoptimierung bei.

Zusammenfassend sagt Basil Alwan, Präsident der IP-Sparte und verantwortlich für die Carrier-Strategie bei Alcatel-Lucent über das Angebotspaket: „Unsere High Leverage Network-Strategie hat Diensteanbietern ermöglicht, großflächig Triple-Play-Echtzeitdienste (Internet, Sprache und IPTV) anzubieten. Nun erweitern wir diese Strategie auf Mobilfunkanbieter, da diese sich einem gewaltigen Anstieg an Daten- und Videoanwendungen gegenüber sehen.“

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