11.04.2007 | Autor / Redakteur: Lisa Phifer / Andreas Donner
Viele WLAN-Nutzer wissen, dass man mit dem Protokoll 802.1X Anwender authentifizieren kann, die drahtlos auf ein Netzwerk zugreifen. Wenige Nutzer wissen jedoch, dass sich mit 802.1X auch der drahtlose Datenverkehr in einem virtuellen LAN mit all seinen Nutzer- und Gruppenberechtigungen kanalisieren lässt. Doch um die kritische Verbindung zwischen Authentifizierung und Autorisierung zu bewerkstelligen sind einige Kniffe nötig.
Wie bereits im Artikel „WLAN-Datenverkehr zielsicher steuern mit VLANs“ beschrieben, können mit 802.1Q-Tags Ethernet-Pakete in logische Gruppen eingeteilt werden. Die Pakete werden gekennzeichnet, sobald sie in ein LAN gelangen, sodass Geräte wie Gateways, Router und Firewalls Sicherheits- und QoS-Filter anwenden können.
Beispielsweise kann ein Access Point (AP) drahtlosen Datenverkehr so kennzeichnen, dass er sich isoliert vom kabelgebundenen Datenverkehr durchs Netzwerk bewegt – vom AP zum Egde-Switch, vom Core-Switch zum Internet-Router.
Der bereits erwähnte Artikel beschrieb einerseits, wie Tags von kabelgebundenen Geräten angewandt und gefiltert werden, und erläuterte andererseits die besten Vorgehensweisen bei der Konfiguration eines VLANs. Doch wie weiß ein Access Point, welcher VLAN-Tag zu welchem Paket gehört?
RFC 3580 beschreibt Richtlinien für den Gebrauch von 802.1X mit RADIUS (Remote Authentication Dial In User Service). Diese Richtlinien erklären, wie RADIUS-Attribute den entsprechenden 802.1X-Protokollfeldern – dazu gehören Gründe für das Beenden einer Verbindung, Geräte- und AP-Identifier, Timeouts und herstellerabhängige Attribute – zugeordnet werden. Im Besonderen beschreibt RFC 3580, wie RADIUS-Server getunnelte Attribute einsetzen können, um VLAN-Tags innerhalb von Zugangsberechtigungsprozeduren zurücksenden zu können. In der nachstehenden Zeichenfolge ist der VLAN-ID eine ganze Zahl zwischen 1 und 4094:
Hierbei müssen RADIUS-Server und alle APs diese Zuordnung nach RFC oder die gleichen herstellerabhängigen Attribute unterstützen.
Um nach dieser Methode vorgehen zu können, muss der AP so konfiguriert werden, dass er VLAN-Tag-Werte des RADIUS-Servers akzeptiert und dem Verkehr zuordnet. Abhängig vom AP gelingt dies mit pauschalen AP-Parametern oder mit RADIUS-Profilen, welche einzelnen Wireless-Geräten oder SSIDs zugeordnet werden. Beispielsweise lässt sich ein RADIUS-Profil allen SSIDs zuordnen, die WPA- oder WPA2-Verschlüsselung verwenden, während statische VLAN-Tags solchen SSIDs zugeordnet werden, die nicht 802.1X nutzen (z.B. Gäste-WLANs). Bei dieser Konfiguration ist es sinnvoll, ein eigenes VLAN für die AP-Verwaltung einzurichten.
Außerdem müssen bei der RADIUS-Konfiguration Benutzer und Gruppen sowie die zugehörigen VLAN-Tags berücksichtigt werden. Der Radius-Server kann die Zugriffsberechtigungen auch bei einem anderen Authentifizierungsserver abfragen, etwa bei einem Domain Controller. Beispielsweise kann ein Domain Controller die authentifizierte Mitgliedschaft in einer Benutzergruppe zurücksenden. Der RADIUS-Server verwendet diese, um den richtigen Tag zu finden und dem AP als Tunnel-Private-Group-ID-Attribut zu übermitteln.
Des Weiteren sind VLAN-fähige Geräte nötig (u.a. ein mit den APs verbundener Ethernet-Switch), der RADIUS-Server selbst und eventuell ein DHCP-Server, der drahtlose Geräte mit IP-Adressen versorgt. Die APs und der RADIUS-Server können nicht gekennzeichnete Pakete austauschen oder (vorzugsweise) ihr eigenes VLAN nutzen. Der DHCP-Server muss mit allen aktiven VLANs verbunden sein, um DHCP-Anfragen aus allen VLANs bearbeiten zu können.
Auch wenn man das gesamte WLAN einem einzigen VLAN zuordnet, oder via 802.1X alle Anwender auf VLANs aufteilt: Zugangskontrollen bleiben für die Durchführung von Sicherheits- und QoS-Richtlinien in jedem Fall weiter erforderlich. Denn mit VLAN-Tags lassen sich zwar unterschiedliche Richtlinien für LAN-Pakete anwenden, die über dieselbe physische Schnittstelle (Trunk) empfangen werden, doch wo genau diese Richtlinien angewandt, und wie sie letztlich formuliert werden, liegt immer noch im Ermessen des Administrators.
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