28.03.2008 | Autor / Redakteur: Dr. Andreas Stiehler / Andreas Donner
Es ist knapp 10 Jahre her, dass B2B-Marktplätze im Internet noch als Revolution und E-Procurement-Anbieter als Pioniere des E-Business gefeiert wurden. IT-Lösungen sollten dazu beitragen, dass der gesamte Einkauf transparenter wird und Einkaufsleiter von operativen Tätigkeiten entlastet werden, um sich stärker strategischen Fragen der Beschaffung und der Lieferantenzusammenarbeit zuwenden können. Doch dann wurde es ruhig um dieses Segment – bis heute.
Fast scheint es, als ob der IT-Beschaffungsmarkt seit den turbulenten E-Business-Boomzeiten in einen Dornröschenschlaf gefallen ist und erst jetzt ganz langsam daraus erwacht.
Tatsächlich haben sich IT-Lösungen in der Beschaffung weniger stark durchgesetzt als ursprünglich angenommen. Belege dafür finden sich u.a. im „Stimmungsbarometer Elektronische Beschaffung“, einer vom BME und der Universität Würzburg jährlich publizierten Befragungsstudie. So deuten die Ergebnisse zwar an, dass heute ein Großteil der deutschen Unternehmen elektronische Kataloge zur Beschaffung einsetzt. Schaut man jedoch etwas genauer auf die Befragungsresultate, so stellt sich heraus, dass die Mehrheit der E-Katalognutzer gerade einmal die Hälfte oder weniger des katalogfähigen Beschaffungsvolumens über elektronische Bestellsysteme abdeckt.
Mit anderen Worten: Nur ein Teil der katalogfähigen Ware wird von den meisten Unternehmen heute elektronisch bestellt – typischerweise über kostenlose Shop-Systeme von Lieferanten. Der Rest wird nach wie vor traditionell per Telefon und Fax in Auftrag gegeben. Sicher lässt sich mit Shop-Lösungen der Einkauf an der einen oder anderen Stelle vereinfachen. Dass sie jedoch zu einer spürbaren Entlastung der Einkaufsverantwortlichen von operativen Tätigkeiten oder gar zu einer Prozesskostenersparnis führen, darf bezweifelt werden.
Hinzu kommt, dass gerade einmal 20 bis 30 Prozent der Unternehmen IT-Lösungen zur Unterstützung von Sourcing- und Collaboration-Prozessen einsetzen. Von der Vision eines IT-gestützten Supplier Relationship Management (SRM) scheinen die meisten Einkaufsorganisationen in deutschen Unternehmen also noch weit entfernt.
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