11.12.2006 | Autor / Redakteur: Serdar Yegulalp / Ulrike Ostler
Ein Systemabsturz vernichtet in wenigen Minuten den gesamten Datenbestand. Bei einem extern gehosteten System läuft die Wiederherstellung per Fernzugriff. Das bedeutet hohe Anforderungen
Ein Systemabsturz vernichtet in wenigen Minuten den gesamten Datenbestand. Bei einem extern gehosteten System läuft die Wiederherstellung per Fernzugriff. Das bedeutet hohe Anforderungen an die Protection-Strategie und das Desaster-Recovery.
Vieles kann bei einem extern gehosteten System in Sachen Recovery und Protection schief gehen. Die meisten Probleme lassen sich jedoch gut in vier Kategorien einteilen: Hardwareausfall, Softwarefehler, Anwenderfehler und Vorsatz oder Arglist.
Der Hardwareausfall betrifft defekte Festplatten und Netzteile, während schwerwiegende Bugs, die dazu führen, dass ein System nicht erreichbar ist, den Softwarefehlern zuzuordnen sind. Anwenderfehler treten hingegen auf, wenn ein System per Fernzugriff aus Versehen heruntergefahren wird, statt es neu zu starten, oder wenn im Hosting-Center ein Techniker den Strom versehentlich beim falschen Cage abschaltet. Vorsatz oder Arglist liegt vor, wenn Viren, Würmer und vorsätzliche Sabotage das Netz oder die angeschlossenen Rechner zum Absturz bringen.
Für gewöhnlich leigen jedoch Hardwareausfall und Anwenderfehler vor. Die Systeme in einem Rechenzentrum befinden sich zwar in klimatisierten Räumen, Das verlängert ihren Lebenszyklus enorm. Das heißt aber nicht, dass keine Hardwaredefekte mehr vorkommen.
Schwere Anwenderfehler führen in der Regel zu Datenverlusten. Das Gegenmittel heißt Remote-Backup-Strategie. Doch kann man auch hier mit Kanonen auf Spatzen schießen. Deshalb beiten die meisten Hosting-Firmen je nach gekauftem Paket verschiedene Backup-Stufen an.
Entscheidungskriterien für die passende Remote-Backup-Strategie sind einerseits die Datenmenge und andererseits die Wichtigkeit der auf dem RemoteServer gespeicherten Daten.
Gängige Angebote sind Backup auf Band, Network Attached Storage (NAS) oder eine Disk-to-Disk-Backup-Lösung. Bei sehr kleinen zu sichernden Datenmengen reicht oftmals schon ein extern verwalteter Ordner, der die lokalen Daten regelmäßig aufnimmt und zum Download wieder freigibt. Steigt das tägliche oder monatliche Datenaufkommen in den Mega- oder Gigabyte-Bereich und handelt es sich um unternehmenskritische Datenbestände, lohnt sich auf jeden Fall der Backup-Dienst der Hosting-Firma.
Hardwareausfall gehört zu den Problemen, die sich nicht so einfach vermeiden lassen. Beim Totalausfall einer Festplatte muss sie ersetzt werden. Gegen solche Ausfälle helfen verschiedene Strategien, die je nach Budget und der Menge der zu schützenden Daten ausgewählt werden sollten. Die aufwändige Variante ist eine redundant ausgelegte Hardware bei dem der Rechenbetrieb auf Zweitrechnern mit derselben Performance weiterläuft. Alternativ oder ergänzend sollte ein frühzeitiges und häufiges Backup dienen.
Redundante Zusatzhardware steht normalerweise nur beim ersten Kauf eines gehosteten Servers zur Verfügung. Hier werden üblicherweise RAID-Arrays eingesetzt, wobei jede Festplatte im Array gespiegelt wird. Fällt eine Platte aus, kann sie einfach entnommen und ersetzt werden, ohne dass das gesamte System auseinandergebaut werden muss.
Dieses Konzept wird auch bei anderen Hardwarekomponenten angewandt. So kann beispielsweise ein Server mit redundanter Stromversorgung selbst beim Ausfall des Netzteils weiterlaufen. Das defekte Netzteil wird ausgewechselt, während das System ganz normal weiterarbeitet.
Bei Speichermodulen mit der so genannten „Hot-Pluggable“-Funktion ist es genauso - das System enthält mehrere redundante Dual Inline Memory Modules (DIMM) und sobald eines ausfällt, kann es ganz ausgebaut und ausgetauscht werden, ohne das System herunterfahren zu müssen. Solche Ausfälle sind allerdings bei den meisten Hosting-Firmen mit Gebühren verbunden.
Die nicht ganz preiswerte, aber auch sicherste Lösung ist ein Failover mit Clustering, bei dem ein zweiter Server als passiver Cluster-Knoten fungiert. Fällt der aktive Knoten aus irgendeinem Grund aus, dann springt der passive Knoten ein und initiiert die Übernahme der Dienste.
Die Hosting-Firmen sollten einen Cluster mit zwei Knoten bereitstellen, was allerdings höhere Kosten nach sich zieht. Das setzt beim Anwenderunternehmen ein Betriebssystem voraus, das Failover-Clustering unterstützt. Ob das Hosting eines zweiten Servers sich jemals rechnet, ist ungewiß, denn der Server kommt so gut wie nie zum Einsatz, bietet dafür aber ein sicheres Polster mit hoher Systemverfügbarkeit.
„Cold-Swap“ ist eine Methode, die am besten bei Anmietung mehrerer Racks oder sogar einer ganzen Cage funktioniert. Wenn beispielsweise vier Server angemietet wurden, können zwei davon als Online-Server und zwei als ausgeschaltete Backup-Server eingerichtet werden. Im Falle eines Systemausfalls baut man die Festplatten des defekten Systems in einen der anderen Rechner ein oder behält die Festplatten mit kritischen Daten in einem SAN oder NAS und holt sich die Files bei Bedarf wieder zurück in das operative System.
Die Ausgaben für diese Option sind deutlich höher als die Kosten für die meisten bisher angesprochenen Möglichkeiten, dafür erhalten Unternehmen aber eine sehr flexible Lösung. Jederzeit können Administratoren das Cold-Swap-System auch bei laufendem Rechnerbetrieb konfigurieren und mit beliebiger Hardware ausstatten, die sich gänzlich von dem eingesetzten Online-System unterscheidet.
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