Einfache Netzwerkdiagnose für User und Administratoren

Die letzte Meile abhorchen

22.01.2007 | Autor / Redakteur: Annette Stadtler / Ulrike Ostler

Diagnose-Tool Foto: Pixelquelle

Um Probleme auf der „letzten Meile“ – also die Bandbreite des jeweiligen Endbenutzers bzw. Endgeräts – zu erkennen und zu lösen, gibt es wenige Möglichkeiten. Das Open-Source-Tool NDT hat sich auf das Aufspüren typischer Ursachen in diesem Segment spezialisiert.

Zwar wissen viele Netzwerkadministratoren, welche Bandbreite im Netzwerkinneren zwischen Switches, Servern und Routern zur Verfügung steht, denn hierfür gibt es kommerzielle Tools von Network General und Network Instruments sowie freie Software wie Wireshark. Allerdings ist es fast nicht möglich, jeden angeschlossenen Rechner auf seine verfügbare Bandbreite zu überprüfen.

Um diese Lücke zu schließen, unterhält das Internet 2 Consortium innerhalb der End to End Performance Initiative das Open-Source-Projekt Network Diagnostic Tester (NDT). Hierbei handelt es sich um ein Client-Server-Programm, das Netzwerkkonfigurations- und Performance-Tests auf Desktop- und Laptop-Ebene durchführt.

Die Lösung umfasst ein Client-Programm als Java-Applet oder auf Basis von Kommandozeilen und zwei Server-Programme, die auf Linux-Server mit Web-100-Kernel laufen. Die Bedienung und Testergebnisse sind so ausgelegt, dass sowohl Endbenutzer als auch Experten das System betreiben und auswerten können.

Koordination des Projekts

Richard Carlson, Netzwerkingenieur der Internet 2 Performance Architectures and Technologies Group, leitet und koordiniert die Entwicklungen. 2001 startete das Projekt, das finanzielle Unterstützung durch kommerzielle Hersteller und die amerikanische Nationalbibliothek für Medizin erhält.

Mit Hilfe von NDT lassen sich spezifische Netzwerkprobleme aufdecken. So vergleicht die Lösung die verfügbare Bandbreite mit dem theoretischen Maximum. Dadurch tauchen Flaschenhälse auf, die entstehen, wenn beispielsweise ein Fast Ethernet Link mit 90 Megabit pro Sekunde auf eine WAN-Verbindung mit 45 Megabit pro Sekunde geschaltet ist.

Daneben entlarvt NDT Duplex-Mismatch-Fehler. Diese treten auf, wenn Administratoren eine feste Geschwindigkeit und Duplex-Betrieb am Switch einstellen und Desktops oder Laptops auf automatischen Betrieb hinsichtlich Geschwindigkeit und Duplex-Einstellung konfiguriert sind. Dies führt zu starken Einschränkungen beim Rechner-Durchsatz.

Das findet NDT

Während Netzwerktestprogramme häufig reine Datensammlung betreiben, ist das Ziel eines NDT-Einsatzes, herauszufinden, warum eine Beeinträchtigung aufgetreten ist. Sowohl Infrastrukturprobleme als auch Konfigurationsprobleme auf Seiten des Hosts werden erkannt. Endanwender erhalten einen Einblick und Netzwerkadministratoren bekommen zusätzliche Informationen, die sie in die Lage versetzen, das spezifische Problem zu lösen.

Im vergangenen Jahr haben die Entwickler eine neue Testreihe für Firewalls entwickelt. NDT kann nun Firewalls und andere Netzwerk-Appliances entlarven, die den TCP-Verkehr beeinflussen. Eine solche Störung kann dazu führen, dass Applikationen nicht wie gewohnt ablaufen.

Für dieses Jahr sind Weiterentwicklungen geplant, die den Ursachen von Datenstaus auf den Grund gehen sollen. Sind beispielsweise 24 PCs mit 100 Megabit-pro-Sekunde-Verbindungen an einem 1.000 Megabit-pro-Sekunde-Port angeschlossen, kann es bei einer hohen Auslastung zu einer Absenkung der Geschwindigkeit auf 10 Megabit pro Sekunde bei allen Host-Verbindungen kommen. NDT soll in der Lage sein, Geschwindigkeitseinbußen wegen konkurrierender Datenströme herauszufinden.

Die NDT-Lösung ist bereits auf einigen US-Servern im Einsatz. In Europa hat sich die Lösung noch nicht so weit verbreitet. Jedoch plant das europäische Kernforschungszentrum CERN bei Testreihen, die in diesem Jahr starten, NDT einzusetzen. Das Internet 2 Konsortium erhofft sich durch diesen Einsatz eine verstärkte Nachfrage in Europa.

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