Das Imperium schlägt zurück

Microsoft kündigt Windows Phone 7 Series an

24.02.2010 | Autor / Redakteur: Rüdiger Spies / Katrin Hofmann

Rüdiger Spies, Independent Vice President, Enterprise Applications, IDC München

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona stellte Microsoft die neue Version des Windows Mobile 6.5, Windows Phone 7 (WP7), vor. Selbst wenn die jetzige Ankündigung ein Schritt in die richtige Richtung ist, bleibt abzuwarten, ob Microsoft sich wieder zurück ins Rampenlicht des Betriebssystemmarktes für Smartphones manövrieren kann.

In den letzten zwei Jahren hat sich der Markt für Betriebssysteme im Smartphone-Sektor deutlich verändert. Die Anzahl der Betriebssysteme ist ebenfalls gestiegen (z.B. Mac OS für iPhone, New Android, Palm webOS, Symbian) und nun hat auch noch Nokia angekündigt, neue Versionen 3 und 4 von Symbian in diesem Jahr verfügbar zu machen. Microsoft kam hingegen mit Windows Mobile 6.5 erst Ende letzten Jahres auf den Markt.

Am 15. Februar 2010 stellte Microsoft auf dem Mobile World Congress in Barcelona die neue Version des Windows Mobile 6.5, Windows Phone 7 (WP7), vor, das voraussichtlich gegen Ende diesen Jahres verfügbar sein wird. Der Anbieter ist davon überzeugt, dass er mit der neuen Version den Anwendern eine „Superphone-Erfahrung“ ermöglicht. Zwar gibt es bisher noch keine verfügbare Hardware, dennoch konnte Microsoft bei der Ankündigung mit einigen Fakten aufwarten.

Folgende Eckpunkte wurden vom Anbieter genannt:

  • Die Anwender-Erfahrung soll wesentlich mehr auf den privaten Benutzer Bezug nehmen, sodass dieser viel leichter zwischen seinen unterschiedlichen persönlichen und beruflichen Prioritäten hin und her wechseln kann.
  • Microsoft will künftig viel mehr Einfluss auf die Hardware-Eigenschaften bei den Geräteherstellern nehmen.
  • Jedes Gerät soll fünf Bedienknöpfe aufweisen. Drei davon sollen auf der Vorderseite angeordnet sein und einer soll der Suchmaschine Bing zugeordnet werden. Außerdem wird es einen Windows-Button und einen Zurück-Button geben.
  • Zudem stellt Microsoft sechs sogenannte „life tiles“ auf dem Startbildschirm zur Verfügung. Diese sind den folgenden Gruppen zugeordnet: Leute, Bilder, Musik und Video, Spiele, Marketplace und Office.
  • Bezüglich der Partner hat das Unternehmen die Zusammenarbeit mit vier großen Mobilfunkbetreibern in den USA angekündigt (Verizon Wireless, AT&T, Sprint und T-Mobile). Außerhalb der USA demonstriert Microsoft seine Stärke in Bezug auf Partnerschaften durch folgende Mobilfunkbetreiber: Vodafone, Telefonica, Deutsche Telekom, Orange, SFR, Telefonica Italia und Telstra.
  • Die Liste der Hardware-Partner umfasst Samsung, LG und die HTC, HP und Dell sowie Garmin-Asus, Sony Ericsson, Toshiba und Qualcomm. Erstaunlich ist zunächst, dass Motorola auf dieser Liste nicht auftaucht. Auf den zweiten Blick ist es allerdings nicht mehr so überraschend, wenn man das Motorola-Engagement in punkto Android-Plattform in Betracht zieht. Es bleibt daher offen, ob Motorola zu einem späteren Zeitpunkt Geräte mit WP7 herausbringen wird.

IDC sieht die Windows Phone 7 Series von Microsoft als richtigen Schritt in dem stark umkämpften Markt für mobile Betriebssysteme. Das Unternehmen hat die Mittel und den Willen, die notwendigen weiteren Schritte für eine erfolgreiche Positionierung einzuleiten. Mit dem neuen Betriebssystem konzentriert Microsoft sich mehr auf den Consumer-Markt. Der Softwarehersteller hat schließlich erkannt, dass eine leistungsfähige Bedienoberfläche eine entscheidungskritische Voraussetzung dafür ist, ob Anwender die Geräte im privaten als auch im beruflichen Umfeld einsetzen können.

Obwohl Microsoft mit WP7 zu den anderen erfolgreichen Betriebssystemen aufschließt, ist der Verfügbarkeitstermin Ende 2010 ein besonders kritisches Element für das Unternehmen, denn der Markt bewegt sich im Moment extrem schnell. Android und das iPhone geben den Takt in diesem Umfeld an. Diskussionen über andere mobile Betriebssysteme wie beispielsweise Palms webOS beeinträchtigen die Aufmerksamkeit bezüglich der Microsoft-Aktivitäten. Es besteht die Gefahr, dass der Anbieter den Zug verpasst, weil sich das Fenster für einen erfolgreichen Anschluss bald schon schließen könnte. Microsoft muss deshalb in den Jahren 2010 und 2011 wirkliche Erfolge vorweisen, um tatsächlich zurückschlagen zu können.

In den letzten beiden Jahren hat der Softwareanbieter an Boden verloren. Selbst wenn die jetzige Ankündigung ein Schritt in die richtige Richtung ist, bleibt abzuwarten, ob Microsoft sich Anfang des Jahres 2011 gestärkt wieder zurück ins Rampenlicht des Betriebssystemmarktes für Smartphones manövrieren kann.

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