IPv6-Botschafter Meinel macht mit Wissen Mut zur Migration

IPv6 schlägt IPv4 – Aber warum steigt keiner um?

18.01.2010 | Redakteur: Ulrike Ostler

Ursachen für den Migrationsunwillen

Professor Meinel: „Der 3. Nationale IPv6 Gipfel unter der Ägide des HPI findet am 10. und 11. Juni 2010 in Potsdam statt“
Professor Meinel: „Der 3. Nationale IPv6 Gipfel unter der Ägide des HPI findet am 10. und 11. Juni 2010 in Potsdam statt“

Da kein unmittelbarerer Nutzen erkennbar sei, schöben die Unternehmen und Provider die IPv6-Migration vor sich her. „Vor einem ähnlichen Problem stand die IT-Welt schon einmal, so Meinel, „als die Migration von ASCII zu Unicode anstand.“ Unicode erlaubt im Gegensatz zum ASCII-Format die Darstellung von jedwedem sinntragendem Schriftzeichen, weil die Anzahl der möglichen Codepositionen erhöht wurde. Seit Version 2.0 stehen 17 Bereiche zu je 65.536 Zeichen zur Verfügung.

Es bleibe jedoch Tatsache, dass sich in Asien und zunehmend auch in den USA, IPv6-Adressen für jegliche Internetdienste und Endgeräte durchsetzten. Wollten deutsche Firmen den Anschluss an den Weltmarkt nicht verlieren, müsse auch hierzulande migriert werden.

Dafür sei nicht einmal ein harter Switch notwendig, sondern ein langsamer Umstieg im Rahmen von normalen Modernisierungsarbeiten möglich. Die Betriebssysteme sowie viele Netzwerkkomponenten unterstützten längst IPv6.

Wege zur Ipv4-Ipv6-Koexistenz

Zudem könnten sich die Unternehmen auf eine lange Koexistenz einstellen, für die es verschiedene Übergangstechniken gebe. Generell unterscheidet Meinel drei Möglichkeiten IPv4 und IPv6 gleichzeitig zu nutzen: Dual Stack, Tunneling und Translation (siehe: Bildergalerie).

  • Von Dual Stack ist die Rede, wenn derselbe Rechner eine Koexistenz von IPv4 und IPv6 erlaubt (siehe Bildergalerie: Abbildung 1).
  • Tunnelling ist im Prinzip ein Kapseln der Pakete, jetzt von IPv6-Datenverkehr durch IPv4-Netzwerke, später von IPv4-Datenverkehr durch IPv6-Netzwerke. Dieses Verfahren wird notwendig, wenn alle Knoten zwischen den Endpunkten keinen Dual Stack besitzen. (siehe Bildergalerie: Abbildung 2)
  • Wenn jedoch IPv6-only-Netze mit IPv4-only-Netzen kommunizieren sollen, ist eine Übersetzung notwendig – von IPv6-Datagrammen in IPv4-Datagramme (siehe Bildergalerie: Abbildung 3)

Der Aufwand und die Hürden werden überschätzt

Generell gilt jedoch der Leitsatz: „Dual-stack where you can; tunnel where you must.“ Noch besser sei jedoch die Umstellung auf ein IPv6-only-Netz. Denn erstens ei alles andere lediglich eine Hilfskonstruktion und mit entspechenden Einschränkungen behaftet und zweitens sei das Einrichten und der Betrieb heute uneingeschränkt möglich. Drittens werde der Aufwand zumeist überschätzt. „Das Umstellen unserer eigenen HPI-Site hat gerade einmal einen halben Nachmittag gedauert“, so der Professor.

Inhalt des Artikels:

zurück »1 »2 »3 »4 »5

Kommentar zu diesem Artikel
Also, ich hab´ mir mal ein Mini-Netz, bestehend aus 3 Knoten (PC, Notebook und IP-Drucker)...  lesen
posted am 05.03.2010 um 10:48 von selbermacher

Hi, also ich würde dem Chef vorschlagen, Sie auf das Seminar "Sichere IPv6-Einführung,...  lesen
posted am 04.03.2010 um 13:51 von Unregistriert

Hi, zu der aktuellen Diskussion möchte ich fragen, ob und wie es möglich ist, ein Windows-LAN...  lesen
posted am 04.03.2010 um 13:28 von Netzwerker

Zum Thema IPv6 Einführung gibt es von SearchNetworking jetzt auch ein gutes Seminar mit Benedikt...  lesen
posted am 03.03.2010 um 08:17 von wnieberle


Mitdiskutieren

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 2042901)

Willkommen im Special NGN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

 

Andreas Donner, Chefredakteur SearchNetworking.deherzlich willkommen in unserem Special zum Thema "Next Generation Networking". Über Next Generation Networking, oder kurz NGN, lässt sich so manche Definition im Internet finden – alle mit großen Gemeinsamkeiten aber auch vielen kleinen Unterschieden.

 

An dieser Stelle hat die Redaktion von SearchNetworking deshalb alles Wissenswerte für Sie zusammengefasst, was aus unserer Sicht in den Bereich des Next Generation Networking fällt. Allem voran gehört hierzu selbstverständlich der Bereich Fixed Mobile Convergence, oder kurz FMC, der wie kaum ein anderes Thema die Verbreitung von IP-basierenden Kommunikationsdiensten repräsentiert.


Selbstverständlich dürfen im Umfeld eines NGN-Specials auch der kommende IP-Standard IPv6, das Thema Gigabit-Ethernet und der Bereich MAN- & WAN-Networking, in dem zur Zeit das Thema Ethernet vs. MPLS eine starke Rolle spielt, nicht zu kurz kommen. Abgerundet werden die Inhalte unseres Specials durch den Bereich Mobile Networking, in dem es hauptsächlich um die Standards 802.11n, WiMax, UMTS & Co. geht, die mit ihren hohen Bandbreiten und Service-Merkmalen erst die Grundlage für Networking und IP-Kommunikation mit drahtlosen, mobilen Geräten schaffen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Schmökern in diesen zukunftsträchtigen Themen.

Andreas Donner
Chefredakteur SearchNetworking.de