Netzwerk-Grundlagen – Rechenzentrumsnetze im Umbruch, Teil 3

Die grundsätzliche Funktionsweise der Virtualisierung im Überblick

29.06.2010 | Autor / Redakteur: Dr. Franz-Joachim Kauffels / Andreas Donner

Der Hypervisor

Der Hypervisor ist ein spezialisierter Scheduler. Das von ihm erzeugte System der Elementarprozesse ist auf die Unterstützung der Laufzeitumgebungen der virtuellen Maschinen optimiert. Er unterstützt ausschließlich virtuelle Maschinen.

Wir haben gesehen, dass ein normaler Scheduler anwendungsunterstützende und systemunterstützende Elementarprozesse erzeugt. Das macht der Hypervisor auch, aber er erzeugt diese zwei Arten Elementarprozesse in Gruppen, und zwar eine Gruppe für jede virtuelle Maschine. Das wäre weiter nicht aufregend, aber die dadurch entstehende zweistufige Verwaltungsstruktur für Elementarprozesse ist wesentlich flexibler als die bei einem gewöhnlichen Scheduler übliche flache Organisation.

Stehen dem Hypervisor mehrere Prozessoren oder Cores zur Verfügung, kann er dieses System dazu nutzen, die Gruppen sehr elegant auf die parallel arbeitenden Cores abzubilden. Hierfür kann er verschiedene Strategien anwenden und diese sogar mischen. Die Elementarprozesse zweier virtueller Maschinen haben nichts miteinander zu tun und erfüllen so die notwendige Voraussetzung für die Parallelisierung.

Auch für einen Hypervisor benötigen wir eine Steuerung. Also gibt es auf einem entsprechenden System noch eine Service-Konsole, an die weitere Funktionen, wie z.B. Clustering-Services angegliedert werden können. Das sehen wir in Abbildung 6.

Frühe Hypervisor-Varianten haben sich für die Realisierung ihrer Funktionen noch der vorhandenen Scheduler bedient, wie das in der Abbildung 6 noch zu sehen ist. Das führt aber nicht zu der gewünschten Leistung, weil z.B. die Bildung der Prozessgruppen für die virtuellen Maschinen und andere Funktionen dazu führen, dass bei Beibehaltung des alten Schedulers nicht nur durch den Hypervisor wieder eine neue Schicht eingeführt wird, sondern auch keine wirkliche Eleganz bei der zweistufigen Prozessverwaltung erreicht werden konnte.

Konsequenterweise ersetzt der Hypervisor in modernen Systemen die alte Struktur aus Scheduler und Elementarprozessen vollständig. Damit wird er zum neuen zentralen Element in einer Systemumgebung, die die Virtualisierung unterstützt.

Normale Anwendungen können damit auch auf reinrassigen virtuellen Maschinen laufen und nicht mehr nur auf dem alten Scheduler-System. Lediglich für die Unterstützung der Steuerungsfunktionen muss ein kleiner Rest vom alten System bewahrt bleiben.

Der Hypervisor profitiert natürlich davon, dass er eine in hohem Maß standardisierte Umgebung unterstützen kann, die ausschließlich durch die für die virtuellen Maschinen notwendigen Laufzeitumgebungen gebildet wird. Die Gesamtkonstruktion sehen wir in Bild 7 am Beispiel VMware. Weitere bekannte Hersteller von Virtualisierungssoftware sind Citrix und Microsoft.

Es gibt eine Reihe grundsätzlicher Konstruktionsalternativen für Virtualisierungssoftware. Sie haben einen unmittelbaren Einfluss auf die Leistung. Betreiber haben normalerweise vor allem ein Interesse an einer schnellen Transaktionsverarbeitung. Wir werden in der nächsten Folge zeigen, dass virtualisierte Systeme hier unabhängig von ihrer Grundkonstruktion einen massiven Vorteil gegenüber konventionellen Betriebssystemen haben.

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Über den Autor

Dr. Franz-Joachim Kauffels ist seit über 25 Jahren als unabhängiger Unternehmensberater, Autor und Referent im Bereich Netzwerke selbständig tätig. Mit über 15 Fachbüchern in ca. 60 Auflagen und Ausgaben, über 1.200 Fachartikeln sowie unzähligen Vorträgen ist er ein fester und oftmals unbequemer Bestandteil der deutschsprachigen Netzwerkszene, immer auf der Suche nach dem größten Nutzen neuer Technologien für die Anwender. Sein besonderes Augenmerk galt immer der soliden Grundlagenausbildung.

Auch außerhalb seiner Autorentätigkeit für SearchNetworking.de beschäftigt sich Kauffels intensiv mit der Aus- und Weiterbildung von IT-Professionals. So stellt Kauffels in Zusammenarbeit mit dem Consulting-Unternehmen ComConsult bspw. Lehr-Videos für alle Bereiche moderner Netzwerktechnik bereit. Neben einigen weiteren hochinteressanten Videos ist auch der rund 13-minütige Webcast „Netzwerk-Technologien der nächsten Jahre“ kostenfrei abrufbar – einzig ein Viewer-Modul muss hierfür auf dem PC installiert werden.

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Andreas Donner, Chefredakteur SearchNetworking.deder Mann hat Ahnung – ich bin mir sicher, dass auch Sie spätestens nach dem Lesen des zweiten Beitrags von Dr. Franz-Joachim Kauffels zu dieser Erkenntnis gelangen werden!

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Last but not least lässt Sie Dr. Kauffels in der Rubrik "Rumours, Facts & Visions" an seiner Meinung zu aufkeimenden Technologietrends und an seiner technischen Beurteilung diverser Analysteneinschätzungen teilhaben. Zudem lesen Sie hier Kauffels' Kommentare zu Produkten, Entwicklungen und Standardisierungen sowie Hintergründe zu Kooperationen und Zusammenschlüssen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Schmökern. 


Herzlichst,
Andreas Donner

Chefredakteur SearchNetworking.de