Wird WebRTC-basiertes Video das Netzwerk an seine Grenzen bringen?

WebRTC soll Video-Konferenzen vereinfachen. Wirkt sich dies aber negative auf die Netzwerk -Performance aus?

Video-Anrufe sind nicht mehr länger nur eine populäre Wahl, um mit Verwandten und Freunden zu kommunizieren. Anwendungen...

wie zum Beispiel Skype und FaceTime haben Nutzern gezeigt, wie einfach und vergnüglich Video-Anrufe sein können. Unternehmen wollen die gleiche Option für Ihre Mitarbeiter nutzen. 

Manchmal reicht ein normaler Anruf oder eine Konferenz nur mit Ton einfach nicht aus. Herkömmliche Video-Konferenzen sind möglicherweise nicht nur teuer und umständlich, sondern verschwenden wertvolle Zeit für die Anmeldung und das Starten einer Sitzung.

Genau an dieser Stelle springt WebRTC (Web Real-Time Communications) ein. Die aufstrebende Open-Source-Initiative ermöglicht es, dass man Web-Browser für Echtzeit-Audio und -Video verwendet. Man setzt hier auf JavaScript-APIs und benötigt somit keine zusätzlichen Plug-Ins. 

Diese Leistungsmerkmale lassen sich in jegliche Websites oder Applikationen implementieren. Auch Hello von Firefox funktioniert auf diese Weise. Künftig verspricht WebRTC, Video-Konferenzen für jeden mit einer Webcam oder einem Browser einfach zu machen. Derzeit funktioniert es nur mit Chrome, Firefox und Opera. Um an einer Video-Sitzung teilzunehmen, muss man lediglich auf einen Link klicken.

WebRTC erleichtert Video-Konferenzen deutlich und macht es auch für den Business-Einsatz attraktiver. Gibt es allerdings möglicherweise eine Schattenseite, wenn Video so simpel benutzbar wird? 

Große Mengen an Video-Traffic könnten sich negativ auf nicht vorbereitete Unternehmens-Netzwerke auswirken. WebRTC hat verglichen mit konventionellen Video-Konferenz-Systemen andere Anforderungen an die Bandbreite. Frühe Benutzer von WebRTC-basiertem Video sagen allerdings, dass sich solche Schreckens-Szenarien hinsichtlich des Netzwerks bislang noch nicht zeigten. Die Vorteile bei der einfachen Benutzung von WebRTC seien unschlagbar.

 WebRTC in UC (Unified Communications) ist noch in den Kinderschuhen.

Charles River Laboratories ist ein Provider für klinische Labor-Services für die Branchen Pharma, medizinische Geräte und Biotechnologie. Für das Unternehmen ist Video nicht mehr länger ein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Das sagt Ray Beaulieu, leitender Direktor des Netzwerk-Betriebs und der Infrastruktur der Firma. 

Das Unternehmen hat das virtuelle Konferenz-Raum-Produkt coSpaces von Acano installiert, um die 22 existierenden Raum-basierten Systeme mit den Desktops der Mitarbeiter zu verbinden. Die Unterstützung für WebRTC hat sich laut Beaulieu als Bonus herausgestellt. 

Weil der Standard die Verwendung von Video einfacher macht, hat sich die Benutzung von Video im Unternehmen bereits ausgeweitet, um mit Kunden zu kommunizieren. Die IT-Abteilung musste dabei nicht einmal unterstützend eingreifen. Zirka 300 Mitarbeiter nutzen derzeit Video-Konferenzen. Darunter befinden sich Geschäftsführer, Wissenschaftler, sowie die IT- und Personalabteilung.

„Die meisten unserer Angestellten, die jemals Video für Meetings verwendet haben, wollen nicht mehr nur Audio benutzen. Ihnen gefällt die Interaktion von Angesicht zu Angesicht“, sagt Beaulieu. „Auch wenn die Qualität nicht 100 Prozent perfekt ist, verwenden wir die Technologie dennoch. Wir tolerieren das“, fügt er an.

Einige Unternehmen sind bereits große Fans von Video-Konferenzen. Andere machen damit gerade erste Schritte und setzen dabei auf freie Video-Services. Somit erkunden sie, inwiefern visuelle Kommunikation für ihre Firma funktioniert und wie bereitwillig Anwender die Technologie einsetzen.

WebRTC stellt andere Anforderungen an das Netzwerk

Herkömmliche Video-Konferenz-Plattformen verschlingen in der Regel jede Menge Bandbreite, um Paket-Verluste und so genanntes Jitter zu vermeiden. Aus diesem Grund war Video für viele Firmen ein kostspieliges Unterfangen. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen hatte Probleme. Konventionelle Video-Konferenz-Produkte wurden in den vergangenen Jahren allerdings besser. Viele Anbieter und Provider bieten nun Video an und achten dabei darauf, wie sich Netzwerk-Ressourcen schonen lassen.

Wie bei den Vorgängern auch, verbraucht WebRTC-basiertes Video mehr Bandbreite als IP-Telefonie oder Echtzeit-Kollaboration. Diese Art von Video benötigt allerdings Internet-Bandbreite und keine LAN- oder private WAN-Bandbreite, sagt Andrew Davis, leitender Partner und Branchen-Analyst bei Wainhouse Research in Boston. 

Eine zuverlässige Internet-Verbindung ist ein Muss für WebRTC. Unternehmen müssen laut Davis außerdem sicherstellen, dass sie genügend Bandbreite haben, um die Anzahl der erwarteten Video-Anrufe unterstützen zu können.

Internet-Bandbreite kann manchmal teuer sein, merkt Davis an. WebRTC erfordert allerdings nicht so viele Netzwerk-Ressourcen wie das bei herkömmlichen Video-Angeboten der Fall ist. ESU 10 (Educational Service Unit 10) ist eine Firma, die Schulungs-Services für mehr als 40 K-12-Schulgemeinden zur Verfügung stellt. Man führt Beta-Tests von LifeSize Cloud durch. 

Das ist ein neuer WebRTC- und Cloud-basierter Service des Video-Konferenz-Anbieters LifeSize. ESU 10 verwendet Video-Konferenz-Technologie seit Anfang der 1990er Jahre, um Schulungen und Meetings zwischen Lehrern zu realisieren. Da WebRTC auf das Internet als Transport-Medium setzt, kann das IT-Team Video nun bei noch mehr Schulen einsetzen, sagt John Stritt, Direktor für das Fernstudium bei ESU 10.

„Wir befinden uns in der glücklichen Lage, in allen unseren Schulgemeinden eine gute Internet-Verbindung zu haben. Aus diesem Grund ist es kein Problem, all diese Services aus Sicht der Bandbreite zu unterstützen“, sagt Stritt. Die Schulen verfügen alle mindestens über eine 100-Mbps-Verbindung zu Network Nebraska. Das ist ein landesweiter Netzwerk-Service von der Nebraska Information Technology Commission, die eine Zwei-Gbps-Backbone in fünf Segmenten zur Verfügung stellt: Sie kann in Spitzenzeiten sogar fünf Gbps liefern.

ESU10 plant, den Service LifeSize Cloud für das Fernstudium und das Halten von Kursen zwischen den Schulen einzusetzen. Es geht hier um Unterricht, für den man keinen speziellen Lehrer vor Ort hat.

„Wir versuchen uns von all jenen Hindernissen zu befreien, die Video-Hardware mit sich bringt. Wir hatten schon Fälle, in denen sich Personen in ihrem Auto befanden und dennoch an einem Meeting teilnehmen konnten. So lange sie eine WLAN-Verbindung haben, können Sie Video und Audio empfangen“, sagt Stritt. „Es ist für alle beteiligten Parteien extrem günstig, dass man sich von eigentlich von überall mit jedem Gerät verbinden kann“, fügt er hinzu.

Zur effizienten Verwendung der Bandbreite kommt hinzu, dass WebRTC-basiertes Video auch nicht so viel Prozessor-Leistung wie herkömmliches Desktop-Video benötigt, sagt Beaulieu. Die Anruf-Qualität von WebRTC ist geringer als HD-Video. Letzteres liefert eine Auflösung von 1080p oder 720p. 

WebRTC-basiertes Video wird mit 480p betrieben. Bei Konferenzen mit herkömmlichem Desktop-Video war bei älteren Endgeräten immer die Gefahr gegeben, dass das Video ruckelt, weil die entsprechenden Maschinen einfach nicht schnell genug waren.

Beaulieu sagt: „Bei WebRTC ist das offensichtlich ein geringeres Problem, da es nicht so viel Prozessor-Leistung benötigt.“

WebRTC kann auch mit sich ändernden Netzwerk-Bedingungen umgehen, fügt Beaulieu an. „Anrufe brechen nur selten ab. Möglicherweise gibt es je nach Netzwerk-Konditionen dann und wann ein Stottern, aber die Verbindung bleibt bestehen. Werden die Konditionen wirklich schlecht, dann lässt die Technologie die Video-Frames außen vor und verwendet das Audio so gut wie möglich“, erklärt er.

WebRTC macht es einfacher, dass Anwender mithilfe mobiler Web-Browser an Video-Konferenzen teilnehmen können. Deswegen muss man das WLAN nun mit in die Rechnung aufnehmen. Bei herkömmlichen Video-Konferenzen hat das bisher kaum eine Rolle gespielt.

„Ich glaube, dass wir uns lediglich auf unser WLAN-Netzwerk fokussieren müssen. Bisher haben wir niemals angenommen, dass dieses Netzwerk hohe Priorität für eine Echtzeit-Plattform sein wird“, meint Beaulieu. „Damit müssen wir uns in diesem Jahr definitiv beschäftigen.“

Frühe Anwender finden, dass WebRTC die Video-Benutzung bereichert

WebRTC ist bisher noch kein ratifizierter Standard. Die API der Initiative befindet sich immer noch in der Entwicklung. W3C (World Wide Web Consortium) und die IETF werden WebRTC so lange nicht standardisieren, bis die finale Version der API akzeptiert ist. Das hindert allerdings einige IT-Profis nicht daran, WebRTC-basierte Video-Angebote und -Produkte zu verwenden.

Die Firma JurisLink bietet sichere Video-Konferenz-Services an. Damit verbinden sich Verteidiger mit Klienten in Gefängnissen und Haftanstalten. Der Kern des Angebots besteht aus Microsoft Lync. Derzeit ist man dabei, eine auf WebRTC basierende Konferenz-Anwendung auszurollen. Der neue Service basiert auf der Technologie des WebRTC-Startups CaféX Communications. 

Für die Anwälte und Insassen ist das nicht nur einfacher zu benutzen, sondern die neue Anwendung wird auch so skalieren, dass sie die Anforderungen von JurisLinks Kunden erfüllt. Das sagt der CEO von JurisLink Slade Culli Trabucco. Der alteingesessene Lync-Client limitiert den Video-Anruf auf zwei Teilnehmer. Mit dem WebRTC-basierten Client können bis zu vier Anwender an der sicheren Konferenz teilnehmen.

JurisLink betreibt die Internet-Verbindungen zu den Gefängnissen. Auch einige der etwas abgelegeneren Anstalten wie zum Beispiel in Pamlico County in North Carolina versorgt die Firma. Hier gibt es nur eine DSL-Verbindung und während der Tests gab es laut Trabucco bisher keine Performance-Probleme. Die Technologie ist auch zu älterer Video-Ausrüstung kompatibel, die JurisLink an seine Kunden ausgibt, fügt er an.

„Wir testen zwar immer noch, aber ich sehe keine Einschränkungen oder Unterschiede bei der Qualität, wenn man WebRTC-basiertes Video mit WebEx, Lync oder einem anderen Produkt vergleicht“, erklärt er.

Noch wichtiger ist vielleicht, dass die WebRTC-basierte Anwendung einfach zu benutzen ist. Anders als bei Lync-basierten Services müssen die Anwender Trabucco zufolge die Kamera oder das Mikrofon nicht konfigurieren.

WebRTC: Was hemmt noch?

„Die Gefängnisleitung schickt den Insassen lediglich zu einer ausgemachten Zeit in einen Raum mit einem Computer und das Meeting findet statt“, erläutert er. „Die Sitzung wird von der Seite der Haftanstalt automatisch initiiert. Der Anwalt kann so sehr einfach an dem Treffen teilnehmen. Die Häftlinge nutzen ein Headset und können sich unter vier Augen unterhalten. Somit ist es möglich, privat mit dem Anwalt zu kommunizieren“, erklärt er.

Charles River Laboratories findet, dass WebRTC-basiertes Video für Anwender einfacher ist. Das Unternehmen hat kürzlich eine Agentur auf den Galapagos-Inseln akquiriert. Bevor die beiden Instanzen ihre IT-Infrastruktur und Video-Systeme integrierten, konnten Anwender mithilfe von WebRTC-basierten virtuellen Treffpunkten bereits erste Meetings abhalten.

„Zwei Kulturen zu vermischen ist via Video wesentlich einfacher. Es wird mehr gewitzelt und es kommt zu weniger Missverständnissen, wenn man die Mimik des Anderen sehen kann“, sagte Beaulieu. „Weil wir dieses gemischte Modell fahren, haben die Menschen eine Wahl. In der nächsten Phase wollen wir nun herausfinden, was wir für unsere Kunden tun können, um die Kommunikation mit den Wissenschaftlern zu verbessern“, fügt er an.

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Artikel wurde zuletzt im Januar 2015 aktualisiert

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