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So profitieren CIOs von der Digitalisierung

CIOs sollten schnell agieren, um eine digitale Unternehmensstrategie umzusetzen. Dafür müssen sie für die richtige Infrastruktur sorgen.

Das Wort Digital hören CIOs heutzutage dauernd. Manche sehen es als Chance und als Wegbereiter, andere aber als eine Bedrohung oder Störung. Maßlos unterschätzt wird dabei jedoch die einmalige Gelegenheit für CIOs, Führungsstärke zu zeigen.

Jedes Jahr publiziert Deloitte die Studie Global CIO Survey, die sich mit den Sichtweisen, Prioritäten, Möglichkeiten und Herausforderungen beschäftigt, mit denen sich weltweit Technologieführer auseinandersetzen müssen. Ziel der Studie von 2016/2017 ist, die Auswirkungen und das Grundverständnis dieser Rolle besser zu verstehen – gemeint sind hier der Wert und Einfluss, den Technologieführer auf ihr Unternehmen haben. 2016 haben mehr als 1.200 CIOs aus 48 Ländern an Deloittes Umfrage teilgenommen.

Eines der von der Studie hervorgehobenen Probleme ist, dass viele CIOs und Geschäftsführer noch immer ein sehr begrenztes Verständnis davon haben, was mit Digital eigentlich gemeint ist und welche Möglichkeiten mit Digital verbunden sind. Deloittes Daten und Interviews zeigen, dass viele es als kundenorientierte Frontend-Tools und -Technologien begreifen. Für Deloitte stellt das nur die Spitze des digitalen Eisberges dar.

Die darunterliegende Struktur besteht aus anderen kritischen Bereichen, wie zum Beispiel Legacy, Modernisierung, Investitionen, Infrastrukturkonsolidierung, Cyber-Security sowie Daten- und Analyse-Tools. Während digitale Technologie reifer wird, sollte sie auch aufkommende Technologien aufgreifen, wie zum Beispiel Predictive Analytics, maschinelles Lernen, das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT), Robotik, Cloud, Cyber und Mixed Reality (Augmented und Virtual Reality). Digital bringt all diese Technologien unter einen Hut.

Digitale Technologie verändert auch die Arbeitsabläufe. Gleichzeitig kann sie das Kundenerlebnis verbessern, und dafür sorgen, dass das Mitarbeitererlebnis interessanter, produktiver und effizienter wird. Digitale Technologie ändert grundsätzlich Aktivitäten und prägt zukünftige Geschäftsmodelle. Sie hilft bei der Erschließung neuer Märkte und der Entwicklung neuer Produkte und Services.

Dafür muss Technologie in jedem Aspekt eines Unternehmens verankert sein. Die Rolle des CIOs sollte eine aufregendere sein. Diese neue Denkweise sollte CIOs dazu veranlassen, nicht nur auf sich ändernde Geschäftsanforderungen zu reagieren, sondern diese auch aktiv mitzugestalten und voranzutreiben.

Die Erfahrungs- und Erwartungslücken schließen

Doch wenn CIOs diese digitale Umwandlung vorantreiben möchten, müssen sie ihre digitalen Kenntnisse und Investitionen entwickeln und verbessern. In der Deloitte-Umfrage stuften mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Technologieführer ihr IT-Unternehmen bezüglich der Kompetenzen als unterdurchschnittlich ein. Betroffen seien vor allen Dingen Kundenerfahrungen sowie digitale Erfahrungen und Analytik. Zwei von fünf CIOs gaben an, dass sie nicht genug in aufkommende Technologien investieren. Das ist ziemlich überraschend, wenn man bedenkt, dass die Rolle des CIOs die Leitung der technologischen Zukunftsplanung beinhalten sollte.

Es gaben 57 Prozent der CIOs an, dass man von ihnen erwartet, bei der Business Innovation und der Entwicklung neuer Produkte und Services mitzuwirken. Mehr als die Hälfte jedoch gaben an, dass Innovation- und Disruption-Prioritäten momentan noch nicht existieren beziehungsweise noch in der Entwicklungsphase stecken. Ähnlich verhält es sich mit der IT-Sicherheit, die für 61 Prozent ein wichtiger strategischer Punkt ist. Aber nur 10 Prozent der CIOs nennen IT-Sicherheit und IT-Risiko-Management dann als Top-Business-Priorität. Es ist wichtig, dass Technologieführer diese Erwartungslücke entweder schließen oder damit fertig werden, sonst wird der Ruf des CIO-Berufs beschädigt.

 Geschäftserwartungen versus IT-Fähigkeiten.
Abbildung 1: Geschäftserwartungen versus IT-Fähigkeiten.

Eine andere Studie von Deloitte und MIT Sloan Management besagt, dass 87 Prozent der Führungskräfte glauben, digitale Technologie würde ihr Geschäft stören. Nur 44 Prozent dieser Führungskräfte sind der Meinung, dass sich ihre Firmen hinreichend auf diese neuen digitalen Trends vorbereiten.

Das Wort Digital hat sich zur Kampfparole entwickelt. Jedes Unternehmen hat aber jeweils verschiedene digitale Schwerpunkte. Man kann davon ausgehen, dass innerhalb einer Firma die verschiedenen Führungskräfte diejenige digitale Agenda priorisieren, die ihrem eigenen Tätigkeitsfeld am nächsten steht.

Das ist ein Zwiespalt, den CIOs als große Bedrohung und auch als große Chance ansehen. Andererseits könnte eine unzureichende digitale Vorbereitung als Anschuldigung gegen CIOs und die IT-Organisation im Allgemeinen angesehen werden.

Auf sich allein gestellt würden Führungskräfte diese Möglichkeiten auf unterschiedliche Weise in Angriff nehmen. Beispielsweise würde ein Chief Marketing Officer sich nur auf die Kunden fokussieren, während der Chief Financial Officer sich auf Analyseverfahren konzentrieren würde, um sich einen Einblick in das Management und in Finanzberichte zu verschaffen. Der Chief Operating Officer wiederum würde sich vielleicht nur mit der Digitalisierung von Lieferketten beschäftigen. Wo Digitalisierung den einzelnen Führungskräften in ihren jeweiligen Tätigkeitsfeldern hilft, kann es andererseits allgemein zu schlechten Investitionen führen und womöglich die großflächige Einführung im Unternehmen als Ganzes gefährden.

Doch all diese Bereiche haben technologisch gesehen viele Gemeinsamkeiten. Der CIO ist deshalb in der Lage, über den Tellerrand hinauszuschauen und kann dabei helfen, Investitionen zu leiten, die die richtige Kombination technischer Fähigkeiten, Architekturen und Vertriebsmodelle verbinden. CIOs können dazu beitragen, kostspielige Einzelausgaben oder widersprüchliche Lösungen zu vermeiden. Gemeinsame Ansätze in Sachen Sicherheit, Verlässlichkeit und Skalierbarkeit sollten vom CIO und seinem Team durchgesetzt werden.

 Die Rolle des CIOs, Realität versus Erwartungen.
Abbildung 2: Die Rolle des CIOs, Realität versus Erwartungen.

Auf Verbraucherseite schreitet die Technologie in Höchstgeschwindigkeit voran. Es ist in vielerlei Hinsicht unvermeidbar, dass sich verschiedene Teile eines Unternehmens auf ihre eigene digitale Technologie fokussieren. Dieser Vorgang nennt sich Schatten-IT.

Gute CIOs versuchen jedoch nicht, solche Verhaltensweisen zu kontrollieren und zu blockieren. In der Abteilung mit den wohl besten IT-Fähigkeiten, sollte da nicht die IT-Führungskraft die Veränderungen einleiten?

Werden Sie Mitgestalter

In der Umfrage von 2015 hat Deloitte drei Merkmale für CIOs festgestellt: Verlässliche Betreiber, Anstifter für Veränderungen und Business-Mitgestalter. Während Muster sich verändern können und es kein Idealzustand gibt, ist die Business-Mitgestaltungsrolle besonders entscheidend, um die allgemeine digitale Agenda zu leiten.

Business-Mitgestalter verbringen weniger Zeit damit, technologische Plattformen zu bauen und deren Betrieb zu leiten. Stattdessen wird mehr Zeit in die Kommunikation und die Einflussnahme auf das restliche Unternehmen investiert.

Die gute Nachricht ist, dass die Mehrheit der CIOs (66 Prozent) in der Umfrage 2016/17 dieser Rolle entsprechen wollen. Der Wille ist also da, bloß fühlen sich ein Drittel noch nicht dazu in der Lage (34 Prozent).

Die Digitalisierung stellt für CIOs eine herausfordernde und aufregende Zeit dar. CIOs können neue Wege einleiten. Sie erreichen das, nicht indem sie alle digitalen Aspekte von einzelnen Unternehmensleitern an sich reißen, sondern indem sie die Rolle eines Leiters annehmen, der alle separaten Initiativen zu einer gemeinsamen Technologiestrategie zusammenfasst. CIOs von heute sollten diese Herausforderung annehmen – nicht nur für sich selbst oder für ihre IT-Teams, sondern für das Unternehmen als Ganzes.

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Artikel wurde zuletzt im März 2017 aktualisiert

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