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SDN/NFV: Darauf bei der Netzwerk-Transformation achten

Während TK-Firmen wie Verizon längst mit SDN arbeiten und auch Kunden entsprechende Services anbieten, tun sich Unternehmen noch schwer mit der Netzwerk-Transformation.

Verizon arbeitet wie viele seiner Mitbewerber in der Telekommunikationsbranche mit Software-defined Networking (SDN) für seine Netzwerkinfrastruktur. Im Sommer 2016 startete der Konzern das nach eigenen Angaben bis dahin branchenweit größte OpenStack-NFV-Projekt.

SearchNetworking.de hat mit Detlef Eppig, Managing Director Verizon Germany, über SDN und was Unternehmen dabei beachten sollten, gesprochen.

Im Jahr 2015 stellte Verizon den ersten global betriebenen Software-defined Wide-Area-Network-Service (SD-WAN) vor. Seitdem konzentrieren Sie sich auf Software-defined Networking beziehungsweise auf die Virtualisierung von Netzwerkfunktionen (SDVerizonN/NFV). Warum denken Sie, dass dies die richtige Strategie ist?

Detlef Eppig: Zu den größten Herausforderungen in einer vernetzten Welt zählt es, genügend Netzwerkressourcen bereitzustellen, um die steigende Nachfrage nach mehr Kapazitäten und komplexeren Anwendungen zu unterstützen. Sobald IoT-Geräte beginnen, traditionelle Netzwerke stärker zu nutzen, werden die Unternehmen feststellen, dass die Nachfrage höher ist als das Angebot. Ältere Netzwerkinfrastrukturen werden diese Herausforderung nicht bewältigen.

Unternehmen benötigen daher neue Ansätze, um die steigende und kaum vorhersehbare Nachfrage zu erfüllen. Die Komplexität der Lösungen macht die Modernisierung von alten Netzwerken unerschwinglich teuer. Daher werden viele Unternehmen die Virtualisierung nutzen. Sie ermöglicht es, Network-as-a-Service zu verwenden, anstatt auf ein zentrales On-Premises-Modernisierungsprojekt zu setzen.

Was sind die Vorteile von SDN und welche Faktoren behindern derzeit in Deutschland eine großflächige Umsetzung in Unternehmen?

Eppig: Organisationen sind immer noch dabei, mehr über softwaredefinierte Technologien zu lernen und wie sich die Netzwerke weiterentwickeln. Wir arbeiten eng mit vielen unserer Kunden zusammen und beraten sie dabei, wie virtualisierte Netze ihre neuen digitalen Strategien unterstützen und wie sich ältere Netze modernisieren lassen. Das braucht Zeit. Allerdings setzen wir seit dem Start im Jahr 2016 bereits mehrere SDN-Strategien für Kunden in ganz Europa um.

„Zu den größten Herausforderungen in einer vernetzten Welt zählt es, genügend Netzwerkressourcen bereitzustellen, um die steigende Nachfrage nach mehr Kapazitäten und komplexeren Anwendungen zu unterstützen.“

Detlef Eppig, Verizon

Die folgenden Punkte sollten Unternehmen bei einer Netzwerktransformation beachten:

  • Halten Sie die Geschwindigkeit: Durch SDN gelingt es Unternehmen, mit Veränderungen Schritt zu halten. So können sie besser auf Benutzer, Kunden und Marktchancen reagieren. Ein primärer Treiber für die Implementierung von SDN ist es, die Beschaffung und Bereitstellung von komplexen Netzwerken zu vereinfachen.
  • Virtualisierung des Netzwerks: Grundsätzlich geht es bei SDN darum, Daten und Datenfluss für eine bessere Kontrolle zu separieren. In einer SDN-Umgebung wird die Intelligenz, die zur Datenkontrolle benötigt wird, von der tatsächlichen physischen Übertragung der Daten getrennt. Diese Abstraktion ermöglicht es Unternehmen, ihre Bandbreitennutzung zu optimieren und Netzwerkfunktion zur Virtualisierung zu verwenden. Dies ist die Möglichkeit, viele der Netzwerkaufgaben, die aktuell über dedizierte physikalische Geräte abgebildet sind, mit Softwarelösungen zu realisieren. Im Vergleich zur physischen Hardware ist Software einfacher zu kaufen, zu testen und zu implementieren. Zudem ist Software einfacher zu skalieren und zu pflegen. Schließlich ermöglicht sie es auch, einen Vendor beziehungsweise Feature-Lock-in zu reduzieren, wodurch die Geschäftsagilität steigt.
  • Automatisiertes Up- und Down-Scaling: Durch eine robuste SDN-Strategie ist ein Netzwerk in der Lage, elastisch und flexibel auch hohen Datenverkehr zu bewältigen, während die wichtigsten Anwendungen priorisiert werden. Eine intelligente Automatisierung vermeidet zudem einen stockenden Datenfluss.
  • Erfolgsrezept: Es ist wichtig, Ziele und Pläne von Anfang an zu untermauern, um einen robusten Governance-Prozess zu etablieren. Damit wird die Migration in die Cloud von Anfang an erfolgreich und interne Teams können sich auf neue Arbeitsweisen ausrichten, um den ROI zu maximieren. Von Anfang an sollten Unternehmen ein klares Verständnis über die kurze, mittlere oder sogar langfristige Cloud-Strategie sowie zu ihrer aktuellen Anwendungslandschaft haben.
  • Predictive Analytics nutzen: Bleiben Sie einen Schritt voraus, indem Sie nicht nur auf Informationen zugreifen, wie Anwendungen im Netzwerk ausgeführt werden, sondern auch um mit diesen Daten herauszufinden, welche Parameter geändert werden könnten, um die Leistung einer Anwendung weiter zu verbessern.
  • Verbesserte Lösungen entwickeln: Da die Sicherheitsbedrohungen zunehmen, implementieren Unternehmen eine Vielzahl an erweiterten Security-Lösungen. SDN ermöglicht den Einsatz von leistungsfähigeren Lösungen, ergänzt um einen Analytics-Layer, um so auch das Problem eines Vendor-Lock-ins zu adressieren.
  • Schützen Sie den Perimeter: Security-Funktionen sollten in die Netzwerkebene integriert werden, um geschäftskritische Daten vor potenziellen Einbrüchen zu schützen. Ein Tool dafür ist der Software-defined Perimeter (SDP), der den Ansatz einer Nicht-Erkennbarkeit (Fachjargon: Non-discoverability) nutzt, um einen sicheren Zugriff auf Geräte und Anwendungen über eine öffentliche Cloud zu ermöglichen.
  • Kosten eingrenzen: Mit intelligenten Netzwerklösungen wird die Verbindung zu einer Cloud bedarfsgerecht hergestellt, um so die Kosten zu kontrollieren. Unternehmen zahlen damit nur für den jeweils genutzten Service, erweitern also das Cloud-Verbrauchsmodell auf den Layer der Netzwerkanbindung.
  • Zentralisiertes Management: Ein zentralisiertes Management ermöglicht einen agileren Betrieb, wodurch sich die Kosten besser kontrollieren lassen. Die vollständige End-to-End-Service-Automatisierung ermöglicht die Bereitstellung von Netzwerkressourcen, Reduzierung von Fehlern, verbesserte Service-Levels und die Nutzung von APIs, um Netzwerkfunktionen und Traffic nahtlos und nahezu in Echtzeit zu steuern.
  • Verbesserte Service-Erfahrung: Durch die Netzwerk-Transformation erhalten Unternehmen anspruchsvollere Netzwerkfunktionen und Services. Diese unterstützen bei der Verbesserung der operativen Effizienz durch Funktionen, die sich mit der Geschwindigkeit von Software implementieren lassen.

Welche Standards werden sich durchsetzen und auf welche setzt Verizon?

Eppig: Verizon arbeitet in vielen Standard-Konsortien mit, da in diesem Anfangsstadium alle wichtig sind. Die wesentlichen für SDN/NFV lauten:

  • ONUG (Open Networking User Group)
  • MEF (Metro Ethernet Forum)
  • CSA (Cloud Security Alliance)
  • TM Forum
  • OpenStack

Verizon investiert kräftig in den Aufbau eines 5G-Netzes. Welche Rolle werden Ihrer Meinung nach Glasfasernetze einnehmen? Wofür wird 5G benötigt?

Eppig: Da sich die digitale Transformation weiter beschleunigt, wird auch der Bedarf an Bandbreite zunehmen. Glasfasernetze werden hierbei immer eine wichtige Rolle spielen und sie bilden den Kern eines globalen Telekommunikations-Backbones. Mit 5G wird eine erhebliche Bandbreite auf den Endgeräten der Anwender ermöglicht, so dass sich hier viele neue und spannende Szenarien ergeben werden.

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Artikel wurde zuletzt im September 2017 aktualisiert

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