Das Border Gateway Protocol als Protokoll für hybrides SDN

Das Border Gateway Protocol, ein bekanntes Protokoll für das Routing im Internet, eignet sich auch für hybrides Software-defined Networking (SDN).

Das Border Gateway Protocol (BGP) ist ein weithin bekanntes Kern-Protokoll für das Routing im Internet. Manche...

Anbieter hoffen darauf, es auch für hybrides Software-defined Networking (SDN) einsetzen zu können.

Anhänger von SDN konzentrierten sich bislang auf OpenFlow als das Protokoll zur Entkoppelung von Steuerungs- und Datenebene von Netzwerken. Jetzt aber behaupten einige Anbieter, dass es weniger auf das „Southbound“-Protokoll selbst ankommt, sondern auf die operative Agilität und die Programmierbarkeit, die sich über SDN erreichen lässt – ob mit OpenFlow oder ohne. Als potenzielles Protokoll für SDN haben diese Anbieter BGP herausgepickt, das die von SDN versprochene Netzwerk-Programmierbarkeit ebenfalls ermöglichen soll.

Wie genau wird BGP von ihnen eingesetzt? Der Controller verwendet BGP als „Protokoll für die Steuerungsebene und nutzt als Management-Protokoll zur Interaktion mit physischen Routern, Switches und Netzwerkdiensten wie Firewalls NETCONF“, erklärt Ankur Singla, Vice President für SDN und Orchestrierungssysteme bei Juniper Networks.

Dadurch, so Singla, „kann SDN in einer Umgebung aus Produkten mehrerer Anbieter realisiert werden, ohne dass die Infrastruktur verändert werden muss. OpenFlow sagt nichts zu Controller-Interoperabilität und löst nicht das Konfigurationsproblem. Aus diesem Grund setzt sich Juniper für einen Standard-basierten Ansatz ein“.

Kann ein Controller Border Gateway Protocol als SDN-Protokoll zur Programmierung von Datenströmen (Flows) nutzen? Dazu Singla: „Der Controller arbeitet auf mehreren Ebenen der Abstraktion – von Routing- und Bridging-Topologien bis zu Flow-basierter. Mit BGP werden keine Datenströme programmiert, aber es operiert auf höheren Ebenen wie physischen und virtuellen Topologien (Schichten 2 und 3), Sicherheitsrichtlinien und dergleichen“.

Service-Provider haben laut Brad Casemore, Forschungsleiter für Rechenzentren-Netzwerke bei IDC, kein Problem mit BGP. Bei Personal in Rechenzentren könne das aber anders aussehen: „Diese Leute haben es mit Fragen wie Konvergenz-Zeiten zu tun und verstehen BGP als WAN-Protokoll, nicht als eines, das man im eigenen Rechenzentrum verwendet“.

Trotzdem planen einige Anbieter, BGP zusammen mit anderen ausgereiften Protokollen für SDN einzusetzen. Juniper zum Beispiel setzt bei seinem SDN-System Contrail sowie für Netzwerk-Virtualisierung auf BGP.

„Eines des größten Probleme bei SDN-Systemen ist die Interoperabilität von Controllern – im Augenblick wird wenig darüber gesprochen, weil wir noch in einer frühen Phase sind und sich niemand von Standardisierungsgremien bremsen lassen will“, sagt Singla. „Von OpenFlow wird das Thema Controller-Interoperabilität aber gar nicht adressiert“.

Aus diesem Grund schlägt Juniper eine Architektur vor, die im vergangenen Jahr von der Arbeitsgruppe L3VPN der Internet Engineering Task Force (IETF) verabschiedet wurde. Das Unternehmen will seine SDN-Plattform weiter mit Innovationen voranbringen und parallel dazu mit den Normungsgremien an Standardisierung für mehr Interoperabilität arbeiten.

Laut Singla kann Border Gateway Protocol den Investitionsbedarf für SDN verringern, weil es Netzwerk-Betreibern die Möglichkeit gibt, „bestehende Netzwerk und Infrastruktur-Komponenten nahtlos zu integrieren“. Zudem mache die Weiterverwendung bestehender Protokolle den Einsatz von langsameren Software-Gateways unnötig, die sonst als Brücke zwischen physischer und virtueller Welt gebraucht würden.

Auch der laufende Betrieb lässt sich nach den Worten von Singla durch die Verwendung von BGP und anderen etablierten Protokollen vereinfachen. Denn mit ihrer Hilfe lasse sich die Netzwerk-Komplexität verringern, und SDN-Systeme ließen sich auf diese Weise mit bestehender Geschäftslogik und Prozessen integrieren, die in Jahren der Arbeit mit BGP, MPLS und dergleichen entstanden sind.

Bei der Wahl der passenden Architektur gehe es zuallererst darum, ausgereifte Technologien einzusetzen, von denen bekannt ist, dass sie skalierbar sind und schwierige Probleme der Kunden lösen. „So wird Routing seit Jahrzehnten ohne den Einsatz von Flows betrieben, weil es sich so besser skalieren lässt“, erklärt Singla. Für viele Dienste der Schichten 4 bis 7 dagegen ließen sich Flows gut einsetzen.

Traditionelle Protokolle werden schon für die Interoperabilität mit älteren Systemen und vor allem mit dem Internet gebraucht. Speziell für BGP stellt sich für die Branche jedoch die Frage, ob man  solche Protokolle mit in die Welt von SDN nehmen möchte. „Das ist eine große Frage, und wir haben noch keine klare Antwort darauf“, sagt dazu Casemore. „Es gibt hier eine Zweiteilung: Die Cloud ist nicht das Gleiche wie ein großes Unternehmen – die großen Cloud-Anbieter gehen deutlich anders vor als normale Unternehmen. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es deshalb noch keine Universallösung für alle“.

Artikel wurde zuletzt im Juni 2013 aktualisiert

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