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Canonical-Gründer Mark Shuttleworth über Ubuntu, Cloud und IoT

Ubuntu soll als gemeinsamer Layer die unterschiedlichen Anforderungen an verteilte Systeme in der Cloud und einzelne Geräte im IoT erfüllen.

Die Cloud und das Internet der Dinge (IoT) stellen andere Anforderungen an Betriebssysteme, als dies früher bei reinen Desktop- und Server-Umgebungen der Fall war. Und ein Betriebssystem für die Cloud muss in Sachen Management und Softwareverteilung andere Vorgaben erfüllen als ein OS für einzelne IoT-Geräte.

Im Interview erläutert Mark Shuttleworth, Gründer von Canonical, welche Strategie die Firma hinter Ubuntu in Sachen Cloud und IoT verfolgt und wo noch Hindernisse zu überwinden sind.

Herr Shuttleworth, lassen Sie uns mit einigen grundlegenden Informationen zu Canonical beginnen.

Mark Shuttleworth: Die Zentrale von Canonical ist in London, wir haben außerdem Büros in Asien und Nordamerika. Das Unternehmen ist in zwei Gruppen unterteilt. Eine Gruppe ist auf Cloud-Scale Operations fokusiert: Private Cloud, Public Cloud, Telko, NFV und andere industriespezifische Herausforderungen rund um die Cloud. Das sind beispielsweise Media Transcoding, Big Data, Maschine Learning und derartige Arten von datenzentrischen Aktivitäten. Wir handhaben wirklich sehr viele Maschinen und VMs und müssen herausfinden, wie man diese Dinge effizient organisiert und betreibt.

Die andere Gruppe ist auf das exakt andere Ende des Spektrums fokussiert. Das sind einzelne Geräte, kritische Geräte. Beispiele dafür wären ein Top-of-Rack Switch, ein Roboter, ein Wi-Fi Access Point oder eine GSM-Antennenanlage. All das sind einzelne Geräte, an die wir täglich neuer Software für Security Updates oder neuen Funktionen liefern wollen. Wir benötigen dafür eine sehr präzise Sprache, die dieses Up- und Downgrading für das Management von Millionen von Geräten beschreibt.

Das sind also die beiden Enden des Spektrums. Wir haben Ubuntu als den gemeinsamen Layer und Juju in der Cloud für die Verwaltung von komplexen verteilten Systemen. Und wir haben Snaps am andere Ende für die präzise Organisation von Software auf einzelnen Geräten.

Wie viele Mitarbeiter hat Canonical?

Shuttleworth: Es sind unter 1.000, ich denke rund 800 Leute.

Ist Canonical eine profitable Firma?

Shuttleworth: Nein, ich investiere weiter, um diese Fähigkeiten zu schaffen. Unser Umsatz wächst substantiell Jahr für Jahr und wir sind Führer in den Schlüsselbereichen von Cloud und IoT. Zwei Drittel der Workloads in der Public Cloud laufen heute mit Ubuntu auf Amazon, Microsoft, Google, Softlayer, Digital Ocean und auf allen großen Public Clouds. Zwei Drittel der OpenStack-Private-Clouds sind auf Ubuntu bereitgestellt.

Wir bieten professionelle Services für Unternehmen wie At&T, NTT und Deutsche Telekom, Etisalat, Bell Canada und eine lange Liste von kommerziellen Engagements rund um Private Clouds im Telko-Bereich. Genauso haben wir die größten Firmen der Welt als Kunden. Walmarts Private Cloud etwa läuft auf Ubuntu. Wir haben also heute eine sehr tiefe Einbindung in die Cloud. Heute ist die Cloud ein kleiner Teil von deren Gesamtgeschäft, aber es ist der Teil, der rapide wächst – und er wächst auf uns.

Und wenn ich auf die andere Seite des Spektrums auf IoT schaue, dann unterstützen die neuen OCP White Box Switches (Open Compute Project, die Red.) weitgehend Ubuntu. Und in Sachen Robotik nutzten 80 Prozent der Roboter der DARPA Robotics Challenge im letzten Jahr Ubuntu. Alle Drohnen, die App-Stores haben, sind Ubuntu-zentrisch. Alle selbstfahrenden Autos, über die Sie gelesen haben, setzen auf Ubuntu. Zusammengefasst denke ich also, dass das wir in einer Führungsposition sind. IoT ist noch relativ klein, aber wächst sehr schnell und unsere Position ist sehr stark. Wir haben gesehen, welche Begeisterung unsere Snap-Story für diese Zielgruppe erzeugt hat. Wir haben wirklich Probleme gelöst für die Leute, die die Geräte machen, die sie kaufen und die, die Software aufspielen.

Wen sehen Sie als Ihren größten Mitwerber?

Shuttleworth: Bei der Unternehmensinfrastruktur könnte das Red Hat sein. Alle unsere Kunden, die von Red Hat zu uns wechseln – das ist immer ein langsamer Prozess – tendieren generell nicht dazu, zurückzugehen.

Bei IoT sehe ich im Moment als unseren größter Mitwerber eine Kombination aus Windows und ich glaube, dass Android ein Mitbewerber werden wird. Windows 10 ist kostenlos für IoT und ich denke, dass sie ein wichtiger Mitwerber sind. Ich mag sie, wir haben uns gut verstanden in der Cloud und haben dort ein gutes Verhältnis. Ich denke, sie haben smarte Sachen für IoT gemacht, um ihre Plattform sehr nutzbar zu machen, das respektiere ich. Android haben wir bis jetzt nicht gesehen, aber ich gehe davon aus, dass es an Bedeutung gewinnen wird.

Warum migrieren die Kunden von Red Hat zu Ubuntu?

Shuttleworth: Wir stehen aufgrund unserer Cloud-Erfahrung für eine besseres Management Experience. Wir bieten außerdem eine viel bessere Developer Experience und die Leute, die sich ernsthaft mit Cloud beschäftigen, sind oft durch die Entwickler motiviert.

Sie wollen die Entwickler zufriedenstellen, weil die ihre Cloud-Applikationen bauen, die sie profitabel machen. Wir haben also eine bessere Developer und Management Story. Dann haben wir eine bessere Operation Story. Unser OpenStack ist sehr einfach zu betreiben, denn wir haben dafür viel investiert.

Es gibt eine große Zahl an IoT-Betriebssystemen, sind da noch andere Mitbewerber?

Shuttleworth: Es ist nicht schwer, Linux für ein IoT-Gerät zu kreieren. Das ist dann ein Gerät, das Linux darauf hat. Aber das ist etwas anderes als ein standardisiertes Betriebssystem für viele Geräte – das ist hart zu realisieren. Was wir gerade sehen ist ein Markt, der von dieser Art von Geräten mit eigenem OS zu einer Welt wechselt, in der es im Interesse von allen ist, eine gemeinsame Plattform zu haben.

Mark Shuttleworth, CanonicleMark Shuttleworth,
Canonicle

Der Grund dafür sind Sicherheits-Updates. Heute sagen die Käufer: „Wenn in meinem Konferenzraum etwas Mikrofon und Kamera hat, dann möchte ich die Software managen können.

Wenn es ein Linux hat, dass irgendwer irgendwo gemacht hat, dann kann ich das nicht. Es muss ein standardisiertes Linux sein, das ich managen kann. Deshalb sind Betriebssysteme wie Ubuntu viel nützlicher, wenn der Markt anspruchsvoller wird und standardisierte Geräte gesucht werden, die verwaltbar sind.

Macht es wirklich Sinn, jedes Gerät, etwa einen Kühlschrank, mit dem Internet zu verbinden?

Shuttleworth: Nein, das macht keinen Sinn. Aber ich denke, es wird passieren. Tatsache ist, dass das auch gerade passiert. Und das Problem für Regierungen ist, dass sie nichts dagegen tun können. Solange Sie die Software dieses Kühlschranks updaten können, ist das ok, weil die meisten Hacks den Umstand nutzen, dass alte Softwareversionen weit verbreitet wurden. Mit Ubuntu Core und Snaps würde die Kühlschranksoftware jeden Tag aktualisiert werden, ohne dass jeder das managen müsste.

Es ist kein Land bekannt, in dem es Sicherheitsvorschriften für Internetgeräte gibt. Jeder kann also Geräte selbst ohne Mindeststandards wie Passwörter ins Internet hängen. Bleibt das so?

Shuttleworth: Das wird sich ändern. Ich sehe erste Diskussionen dazu. Wenn Sie ein elektrisches Gerät in Deutschland verkaufen wollen, das über die Steckdose mit Strom versorgt werden soll, dann muss es vorher Tests absolvieren. Auch ein Gerät, das im Netzwerk hängt, sollte einen entsprechenden Sicherheitstest bestehen. Der Unterschied ist aber, dass der Test sich nicht auf das Gerät heute fokussieren darf, sondern auf seinen gesamten Lebenszyklus. Wie beseitige ich Probleme in der Software? Elektrische Probleme können Sie sofort beheben, aber solche mit Software dauern möglicherweise drei Monate oder zwei Jahre.

Wie sieht es denn mit Ubuntu für Mobilgeräte aus? Da ist es recht ruhig geworden, ist das Projekt „on hold“?

Shuttleworth: Es ist nicht „on hold“ im Moment, aber ich möchte dazu keine weiteren Angaben machen.

Das Interview haben wir während des Mobile World Congress 2017 in Barcelona geführt.

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2017 aktualisiert

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