SDN - Hype oder wichtiger Schritt hin zum Software-defined Data Center (SDDC)?

Im Netzwerk-Bereich ist Software-defined Networking derzeit das Trendthema. SDN könnte ein wichtiger Baustein für das ebenfalls trendige SDDC sein.

Christian Lorentz, Riverbed

Viele Technologien, die einst gefeiert wurden, sind ebenso schnell wieder in der Versenkung verschwunden. Manche konnten die großen Hoffnungen, die in sie gesetzt wurden, nicht erfüllen. Andere waren zu fehlerhaft oder zu teuer und wieder andere wurden von verschiedenen Branchen nicht angenommen, sodass sich keine Standards durchsetzen konnten. 3D-Fernseher sind ein gutes Beispiel hierfür, denn die außerordentliche Seherfahrung wurde lange und ausführlich gehypt, konnte sich aber bis heute weltweit nicht in den Wohnzimmern der Verbraucher durchsetzen.

So wie Verbraucher zögern, ein paar Hundert Euro für ein zusätzliches Feature auszugeben, das sie dann vielleicht doch nicht nutzen, zögern viele Unternehmen, mehrere Hunderttausend Euro in Technologien zu investieren, die sich möglicherweise nicht auszahlen. Dennoch kommt kein Unternehmen mehr an Schlagworten wie “Cloud” und “Virtualisierung” vorbei.

Das aktuelle Trendwort ist SDN, Software-Defined Networking. Die Frage ist nun, ob SDN einfach nur eine weitere teure Ergänzung für das Rechenzentrum ist oder ob SDN die Netzwerk-Architektur wirklich grundlegend verändern kann?

SDN verändert Spielregeln

Die Beziehung zwischen den SDN-Controller-APIs. (Quelle: Riverbed)

SDN macht es möglich, dass verschiedene Netzwerk-Elemente per Software verwaltet werden. Application Programming Interfaces (APIs) verbinden Netzwerk-Funktionalitäten miteinander und stellen sie unter die Kontrolle von spezieller Software. So müssen Änderungen an diesen Funktionalitäten nicht mehr über eine Anpassung der physischen Infrastruktur-Hardware durchgeführt werden. Für das Load Balancing waren beispielsweise bislang spezielle Geräte notwendig.

Heute reicht dafür eine Software, die auf gängigen Servern läuft. Zudem können Anwendungen, die unterschiedliche Konfigurationen brauchen, ebenso in den gleichen Systemen gehostet sein, ohne dass es Kompatibilitätsprobleme gibt.

SDN vereinfacht demnach die physische Netzwerk-Infrastruktur und zentralisiert das Management von Traffic und Application Delivery. So können Administratoren Ressourcen sehr schnell verschieben und immer da nutzen, wo sie gerade gebraucht werden. Das ist besonders im Hinblick auf sich verändernde geschäftliche Anforderungen ein Vorteil, da so die Anzahl von redundanten und nicht genutzten Netzwerk-Elementen verringert werden kann.

SDN als Sprungbrett zum SDDC

Es zeigt sich, dass SDN für sehr große Netzwerke auf jeden Fall ein beachtlicher Schritt nach vorne ist. Dennoch sollten Sie SDN nicht implementieren, nur weil es gerade in Mode ist. Vielmehr muss Software-defined Networking als Schritt hin zu einem fundamentaleren Richtungswechsel in der IT gesehen werden – dem Software-definierten Rechenzentrum (Software-defined Data Center, SDDC). Werden aktuell immer mehr ehemals Hardware-basierte Funktionalitäten auf Software übertragen, ist es ein offensichtlicher Prozess, dass über kurz oder lang auch das komplette Data Center virtualisiert wird.

SDDC ist also die Fortsetzung eines Musters, das IT-Administratoren bereits von der Server-Virtualisierung kennen. Dabei geht es nicht nur darum Workloads zu bündeln, sondern Provisionierung, Verschiebung und Snapshots leichter zu realisieren, wenn alles Software-basiert läuft. Damit liefert die Server-Virtualisierung ein gutes allgemeines Beispiel.

Nach der Server-Virtualisierung kam die Virtualisierung von Desktop-Computern. Benötigte Software-Programme mussten dort immer manuell installiert werden. Über die letzten zehn Jahre hinweg hat sich das geändert und Anwendungen können von internen Server auf die Rechner gestreamt oder sogar als Web-basierte Anwendung zur Verfügung gestellt werden. Heute sind auch komplett virtuelle Rechner Standard, bei denen das Betriebssystem nicht auf dem Computer selbst, sondern auf einem Server außerhalb liegt.

Jetzt kommt die Virtualisierung auch im Netzwerk an und verschiedene Elemente sind oft schon virtuell. So können heute schon über virtuelle LANs physisch getrennte Netzwerksegmente logisch gruppiert werden. Mit virtuellen Switches können einzelne Server den Traffic je nach Ressourcen auf verschiedene virtuelle Maschinen verteilen. Komplett virtualisierte Netzwerk gibt es allerdings bisher kaum.

Ein vollständig virtuelles Rechenzentrum verbindet alle Segmente, Zugangskontrolllisten, Forwarding und Shaping-Regeln sowie andere Elemente über Software-Lösungen. Ein solches Netzwerk wird die physischen Elemente komplett von den virtuellen trennen, sodass die Control Plane nicht mehr auf individueller Router-Ebene sitzt, sondern vollständig Software-basiert ist. Aus Sicht der Anwendungen und Betriebssysteme funktioniert ein solches Netzwerk genau wie ein physisches Netzwerk – oberhalb der Netzwerkebene ist keine weitere Konfiguration notwendig.

Die Vorteile des Software-defined Data Centers

Virtualisierungs-Technologien haben ihren Wert bereits unter Beweis gestellt. SDDC ist eine vollständige Virtualisierung und könnte Vorteile in den folgenden drei Bereichen mit sich bringen:

  • Effizienz: Je mehr Teile eine komplexe Maschine hat, desto mehr Teile können folglich auch kaputt gehen. In einem Netzwerk kann das dazu führen, dass die kompletten Systeme nicht verfügbar sind. Bei SDDC werden alle Ressourcen von physischen Netzwerken je nach Bedarf aufgeteilt– beispielsweise auch, wenn Anwendungen unterschiedliche Anforderungen haben.
  • Sicherheit: Unternehmensnetzwerke werden heute immer häufiger angegriffen. Je komplexer Netzwerke werden, desto mehr Einfallstore gibt es für Cyber-Kriminelle. In einem SDDC ist die Kontrolle über das Netzwerk konsolidiert und zentralisiert – damit haben die Verantwortlichen größere Transparenz in das Netzwerkverhalten und so auch mehr Kontrolle über das Netzwerk.
  • Kosteneffizienz: Kontinuierlich schrumpfende Budgets zwingen IT Administratoren dazu, ständig weitere Aufgaben mit weniger Ressourcen zu stemmen. Generisches “White Box” SDN-fähiges Equipment ist oft günstiger und senkt sowohl einmalige Ausgaben als auch Instandhaltungskosten.

Vorbereitungen für die Zukunft

Für viele Unternehmen ist ein richtiges SDDC noch recht weit entfernt. Dennoch sollten sich Firmen heute schon überlegen, was sie in den kommenden Jahren erreichen wollen. Jetzt gilt es die Grundsteine dafür zu legen und so den Übergang zu einem umfassenden SDDC in der Zukunft zu vereinfachen. Unternehmen sollten die richtigen Infrastruktur-Elemente also möglichst früh einsetzen, sowie Virtualisierungs-Technologien und SDN wann immer möglich implementieren. So werden sie Schritt für Schritt zu einem vollständigen virtualisierten Data Center gelangen.

Das Konzept des komplett virtualisierten Data Centers wird die IT grundlegend verändern. Wer sich gut auf diese Veränderung vorbereitet, wird sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber denen verschaffen, die immer noch warten, um sicherzugehen, dass es SDDC nicht so ergeht, wie dem 3D-Fernsehen.

Über den Autor: Christian Lorentz ist Senior Product Marketing and Alliance Manager bei Riverbed.

Artikel wurde zuletzt im Januar 2014 aktualisiert

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