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Kommunikations-Dienstleister müssen die digitale Transformation in Angriff nehmen

Schnell wechselnde Kundenanforderungen und neue Mitbewerber beschleunigen die Technologie-Evolutionen in der Telekommunikationsbranche.

Viele Unternehmen untersuchen derzeit, wie sie die Vorteile disruptiver Technologien wie Cloud, Mobile, Social und Big-Data-Analytics nutzen und die Digitale Transformation vorantreiben können. Auch Kommunikationsdienstleister müssen sich dieser Aufgabe stellen.

Die Kommunikationsdienstleister spielen eine zentrale Rolle in digitalen Wertschöpfungsketten, denn Unternehmen nahezu aller Industrien nutzen Kommunikationsnetzwerke für ihre Services.

Die entscheidende Frage für Dienstleister in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) hinsichtlich der Digitalen Transformation lautet: Wie können sie die Chancen ergreifen, die die Digitalisierung bietet, um sich effektiv gegen die zahlreichen neuen rein digitalen Unternehmen zu behaupten, die den Markt und die Services disruptiv verändern.

Der technologische Aufholbedarf von IKT-Unternehmen

Ein wesentlicher Punkt der Herausforderung für Kommunikationsdienstleister betrifft ihre eigene Infrastruktur, die oft der technologischen Entwicklung hinterherhinkt. Ein beträchtlicher Teil ihrer Enterprise-Kunden hingegen arbeitet bereits seit Jahren mit transformativen Technologien wie Cloud-Services oder Virtualisierung.

Wenn also Kommunikationsdienstleister den Unternehmensmarkt gut bedienen wollen, müssen sie den Weg der Digitalen Transformation mitgehen und im Zuge dessen verstärkt softwaredefinierte, virtualisierte Architekturen nutzen. Herkömmlicherweise basieren Netzwerkservices auf anforderungsspezifisch angepasster proprietärer Hardware, die eine größere Investition erfordert. Inzwischen aber können Netzwerkservices auch auf einer Private-Cloud-Plattform auf kostengünstigen Industriestandardservern mit hoher Dichte laufen. Diese technologische Veränderung erhöht die Wirtschaftlichkeit und ermöglicht eine größere Dynamik der Industrie.

Die neue Dynamik führt auch zu einer Umgestaltung des Industrieökosystems und zu einer Verschiebung von Wettbewerbslinien. Wo vorher etablierte Netzwerk-Equipment-Provider vertikale Lösungen bereitgestellt haben, die Telekommunikationsunternehmen miteinander verknüpft haben, ist mit virtuell implementierten Netzwerkfunktionen der Weg frei für kleinere Independent-Software-Vendor (ISV), um in den Markt einzutreten.

Open Source dominiert in softwaredefinierter Welt

Bei der Entkoppelung der Software von der Hardware nimmt gerade Open Source eine entscheidende Rolle ein, da hier neue Communities eng bei der Definition von Lösungen der nächsten Generation zusammenarbeiten. In den teilnehmerstarken Upstream-Communities können Lösungen schneller gefunden und Innovationen beschleunigt werden. Diese Entwicklungen ermöglichen auch Kommunikationsdienstleistern, sich von proprietärer Technologie zu lösen und eine größere Freiheit bei der Auswahl des Herstellers zu gewinnen, der genau ihre Anforderungen zu jeder beliebigen Zeit erfüllen kann.

Darüber hinaus können sie selbst in den Communities mitwirken und sie als eine zusätzliche Plattform für Forschung und Entwicklung nutzen. Ein gutes Beispiel ist das Softwareprojekt OpenStack, über das Kommunikationsunternehmen Zugang zu Entwicklern in der softwaredefinierten Welt erhalten und ihre eigene Cloud-Infrastruktur auf bewährten Technologien und Best Practices aufbauen können.

Generell bewegt sich die gesamte Telekommunikationsbranche in Richtung Transformation, die Umsetzung in den einzelnen Unternehmen erfolgt allerdings in unterschiedlicher Form und Geschwindigkeit. Wenn sie sich auf die neue Dynamik einstellen und die Digitalisierung vorantreiben, gibt es eine weitere Herausforderung neben der Technologiemodernisierung, und zwar die Notwendigkeit zur Anpassung der Unternehmenskultur. Die Umsetzung der Digitalen Transformation erfordert eine offene Denkweise im Hinblick auf interne Strukturen, neue Entwicklungsansätze wie Container oder DevOps und generell hinsichtlich des Themas Kollaboration.

Insgesamt hat aber bereits die Ära des offenen Telekommunikationsunternehmens begonnen, unterstützt von einem offenen Ökosystem. Wie bereits vor einiger Zeit in anderen Industrien gesehen, werden Kommunikationsdienstleister künftig in der Lage sein, Innovationen schneller voranzutreiben, Kosten zu reduzieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Allerdings müssen diejenigen, die die Open-Source-Vorteile nutzen möchten, auch wissen, wie sie im Ökosystem navigieren können. Sie sollten die Unterschiede zwischen Upstream-Projekten und gehärteten, gesicherten Produkten verstehen. Und sie müssen vor allem berücksichtigen, welche Technologien für andere Hardware und Software zertifiziert sind, und erkennen, dass auch Lock-in- und Kompatibilitäts-Risiken bei proprietärer Open-Source-Software bestehen – bei den so genannten Forks.

Auf dem Weg der Digitalen Transformation

Einige Kommunikationsdienstleister haben den Digitalisierungsweg bereits sehr erfolgreich eingeschlagen. Swisscom etwa hat die IT-Transformation frühzeitig in Angriff genommen. 2012 hat das Unternehmen eine Cloud-Strategie konzipiert, um die eigene Infrastruktur zu vereinfachen und neue Angebote für Kunden zu entwickeln, die ihnen helfen, ins digitale Zeitalter einzutreten. Mit OpenStack hat Swisscom die Infrastruktur auf einer einzigen Cloud-Plattform konsolidiert, um zum einen schnellere und agilere Entwicklungen zu ermöglichen.

Zum anderen wird damit im Hinblick auf sich ändernde Kundenanforderungen auch eine einfachere Skalierung von Applikationen unterstützt. Auf dieser virtuellen Basis hat Swisscom sein PaaS-Angebot (Platform as a Service) gestartet, so dass auch die Kunden Applikationen schneller konzipieren und bereitstellen können. Das Cloud-Projekt hat Swisscom zusätzliche Umsatzchancen eröffnet – sowohl bei Unternehmens- als auch bei Privatkunden. Zum Beispiel entwickelt ein Lösungsanbieter für das Hotelgewerbe eine Türzutrittskontroll-Applikation auf der Swisscom Application Cloud. Und mittlerweile können Privatkunden die Vorteile der Dropbox-ähnlichen Swisscom-App MyCloud nutzen, die den Subskribenten unbegrenzten Speicherplatz zur Verfügung stellt.

Einige der fortschrittlicheren Cloud-Umgebungen, die Kommunikationsdienstleister bereits realisiert haben, bieten industriespezifische Lösungen, die mit vorhandenen Applikationen auf Unternehmensseite integrierbar sind. T-Systems beispielsweise offeriert vertikale Cloud-Services, die auf Applikations-Container-Technologien basieren. Voraussichtlich werden verstärkt solche Services im Umfeld des Internets der Dinge (IoT) aufgegriffen, beispielsweise können Logistikunternehmen ihre Flotte mittels Sensoren überwachen.

Und auch der Gesundheitssektor kann erheblich von der Digitalisierung vieler Services profitieren, von der Patientenüberwachung bis zum Dokumentenaustausch zwischen Krankenhäusern. Eine weitere Branche, die Innovationen mittels Cloud-basierter Digitalisierung vorantreiben kann, ist der Handel; er kann die Kundenerfahrung zum Beispiel auf Basis von Proximity-Marketing oder Datenanalysen von Kaufhausbesuchen verbessern.

Digitale Transformation liegt im Trend

Die Schätzungen, welche Summen tatsächlich in die Digitale Transformation weltweit fließen, variieren. Die Marktforscher von IDC prognostizieren, dass 2019 Technologien und Services rund um die Digitale Transformation 75 Prozent aller IT-Ausgaben ausmachen. 2020 soll bei der Hälfte der Global-2000-Unternehmen der Großteil des Geschäftserfolgs von der Fähigkeit abhängen, digital optimierte Produkte und Services bereitzustellen. (IDC, Webinar „IDC FutureScape: Worldwide IT Industry 2017 Predictions“, 1. November 2016)

Die dynamische Kraft der Communities

Es ist mehr als deutlich, dass für den Erfolg moderner Kommunikationsdienstleister in einer digitalen Welt Agilität, Flexibilität und Skalierbarkeit essenzielle Bestandteile jedes Informations- und Kommunikationstechnologie-Ökosystems sein müssen. Genau dies kann durch Network Functions Virtualization (NFV) sowie Software-defined Networking (SDN) und weiter gefasst durch offene Cloud-Plattformen wie OpenStack sichergestellt werden.

Schnell wechselnde Industrieanforderungen und neue Marktteilnehmer beschleunigen Technologie-Evolutionen in der Telekommunikationsbranche – sie verursachen aber gleichzeitig einen höheren Druck für etablierte Unternehmen. Sie müssen diese Herausforderungen bewältigen, ohne dabei die Geschäftseffizienz und Netzwerk-Performance negativ zu beeinträchtigen – und auch ohne eine Erhöhung der Total Cost of Ownership (TCO).

„Die neue Dynamik führt auch zu einer Umgestaltung des Industrieökosystems und zu einer Verschiebung von Wettbewerbslinien.“

Santiago Madruga, Red Hat

Es ist aber nicht ausreichend, innovativ zu sein, Innovationen müssen zudem mit Internetgeschwindigkeit vorangetrieben werden, das heißt, Unternehmen müssen sich von Legacy-Ansätzen verabschieden und sich der neuen Dynamik stellen, die sich auch darin zeigt, wie Verbraucher heute interagieren und Technologie nutzen.

Das Zusammenspiel von Veränderungen, Innnovationen und Wettbewerb hat den Weg für neue Ökosysteme in der Industrie geebnet, die auf einem offenen, kollaborativen Ansatz basieren. Es gibt gegenwärtig täglich mehr als eine Million Open-Source-Projekte und Open Source spielt bei vielen großen technologischen Durchbrüchen eine entscheidende Rolle, von Data Science über die Künstliche Intelligenz bis zu Social Media. Um künftig im Wettbewerb bestehen zu können, müssen auch Kommunikationsdienstleister bereits jetzt in Open-Source-Communities mitwirken, in denen engagierte Experten mit unterschiedlichem Background zusammenarbeiten, um Probleme zu lösen und künftige Netzwerke zu definieren.

Über den Autor:
Santiago Madruga ist Leiter EMEA Telco und ICT bei Red Hat.

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Artikel wurde zuletzt im Mai 2017 aktualisiert

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