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Ein WAN-Optimierer ist großartig – sofern er funktioniert

Ein Anbieter versprach mit der Einführung eines WAN-Optimierers verbesserte Performance. Der Schuss ging aber dummerweise nach hinten los.

Beim Thema WAN-Optimierung wird einem warm ums Herz. Das gilt vor allen Dingen dann, wenn eine neue Version des Codes für meine favorisierten VPN-Geräte zur Verfügung steht, die Site-to-Site-Verbindungen ermöglichen. Ich habe mich in der Vergangenheit schon mit dedizierten WAN-Optimierern beschäftigt und dabei erfahren, wie sehr teure, magische Kisten mithilfe von Komprimierung und anderen Tricks aus einer T1-Leitung eine gefühlte T3 machten. Solange das funktioniert, ist das eine großartige Angelegenheit.

Als meine Security Appliances mit dem Leistungsmerkmal WAN-Optimierer ausgestattet wurden, baute ich bereits Luftschlösser, inwiefern sich die Verbindungen zwischen den Standorten verbessern würden. Ich spreche hier zum Beispiel vom Laden der AD-Profile (Active Directory), da die Domänen-Controller im Hauptnetzwerk gehostet sind. Diese wurden installiert, bevor Caching am Standort durchführbar war. Der Anbieter hatte große Leistungssprünge in Sachen Server Message Block (SMB) und HTTP-Traffic versprochen. Weiterhin würde man die in den Appliances eingebauten SATA-Festplatten mit einem TByte Speicherkapazität zum Leben erwecken und diese als Teil der WAN-Optimierung nutzen. Ich saß eigentlich schon auf heißen Kohlen und wartete auf die ersten Anrufe im Stil von: „Was hast Du mit dem Netzwerk angestellt? Es ist irre schnell!“

Anrufe habe ich auch erhalten. Allerdings ging der Schuss nach hinten los und die Anwender jammerten mir die Ohren voll: „Ist das Netzwerk ausgefallen? Was ist denn da los bei Euch? Kein einziger AD-Rechner funktioniert!“

Ein Anruf beim technischen Support war notwendig

Wie Sie sich vorstellen können, war ein Anruf beim technischen Support des WAN-Optimierers unvermeidbar. Der VPN-Tunnel war vorhanden und jeglicher Traffic war OK, der nicht optimiert wurde. Relativ schnell habe ich eine zu lange Sitzung mit dem Support-Techniker abgebrochen, bei der wir Daten sammelten. Im Endeffekt habe ich die WAN-Optimierung deaktiviert. Als würde man einen Schalter umlegen, waren die Probleme beim Datenfluss verschwunden und es gab keinen Grund zur Beschwerde mehr. Meine WAN-Verbindung mit hoher Latenz blieb ein paar Wochen eine solche, bis der Anbieter neuen Code lieferte und wir einen weiteren Versuch unternahmen. Dieser scheiterte ebenfalls. Der nächste auch und beim darauf folgenden war es auch nicht besser. Ein Jahr und mehrere gescheiterte Versuche später, dieser Hardware eine WAN-Optimierung zu spendieren, hat der Anwender aufgegeben. Die Funktion wurde endgültig entfernt und die Sache wird nicht weiterentwickelt.

Warum teile ich diesen eher düsteren Abschnitt meiner WAN-Geschichte mit Ihnen? Zunächst einmal ist das kürzlich passiert und zwar mit einem Anbieter von Netzwerkhardware, der dazu tendiert, Code-Änderungen für seine Geräte relativ häufig auszurollen. Zweitens durchläuft der Bereich WAN derzeit eine riesige Evolution. Viel davon kommt mit Software-defined Networking (SDN ) und aus diesem Grund ist es Zeit für einen Realitäts-Check.

Auf der vor Veranstaltung Networking Field Day 9 gab es doch relativ viele Diskussionen zum Bereich SDN-WAN und dergleichen. Weiterhin gibt es viele Artikel von den Teilnehmern, inwiefern sich SDN verändert. Aus persönlicher Sicht kann ich mich mit Ciscos neuen, intelligenten WAN-Angeboten anfreunden, die den Pfad selbst optimieren und andere toll klingende Funktionen mit sich bringen. Die Preise für Internetverbindungen purzeln und wir haben Zugriff auf 4G Edge Routing. Wir können heute Außenstellen auf eine Art und Weise anbinden, wie wir es uns vor ein paar Jahren nicht um Traum hätten vorstellen können. Es sind in der Tat aufregende Zeiten. Ich applaudiere und gratuliere allen in diesem WAN-Spiel, die Caching, Komprimierung und automatisches QoS-Management (Quality of Service) weiter verbessern. Dabei ist es gleich, ob das mittels SDN realisiert wird oder auf eine andere Weise. Außerdem liebe ich den Gedanken, dass alle WAN-Verbindungen irgendwann dank WAN-Optimierung alle verworfenen Pakete intelligent neu routen.

Einfach gesagt: Stellen Sie sicher, dass es funktioniert

Für den Moment habe ich einen Ratschlag aus den WAN-Schützengräben: Was auch immer Sie vorschlagen oder unter dem Motto Tolle Entwicklungen aus dem WAN-Universum verkaufen, es muss einfach funktionieren. Das WAN muss ohne Wenn und Aber bereit stehen und zwar so zuverlässig, wie man das bisher gewohnt war. Es ist wirklich so einfach. Alles Weitere und tolle Neuerungen wie WAN-Optimierer sind lediglich das Sahnehäubchen.

Die Anwender auf der anderen Seite der WAN-Verbindungen sind ebenfalls Menschen. Sie sind reale Mitarbeiter, die echte Arbeiten durchführen. Für halbgare Lösungen und öffentliche Betatests unter Zuhilfenahme der Kunden ist einfach kein Platz: Das gilt vor allen Dingen dann, wenn Sie davon nichts wissen und dem auch nicht zugestimmt haben.

Ich befand mich hinsichtlich der WAN-Optimierung auf der Seite der Verlierer. Trotz des Versprechens eines vertrauenswürdigen Anbieters hat der Hype nicht funktioniert und ich habe dafür büßen müssen. Ich bin ganz gut im Bereich Schadenskontrolle und höre die Nachtigall in der Regel rechtzeitig trapsen. Dennoch hat mein persönlicher Ruf ein paar blaue Flecken bekommen und meine Abteilung hat für eine gewisse Zeit nicht gut dagestanden. Schlimmer ist aber noch, dass sich die Geschichte negativ auf meine Kunden auswirkte und das ist eine Sache, die nicht tolerierbar ist.

Liebäugeln Sie mit Evolution, gehen Sie aber sehr behutsam vor. Lassen Sie außerdem Ihre tolle neue WAN-Idee erst dann auf die Kunden los, wenn diese marktreif ist.

Über den Autor:
Lee Badman ist Netzwerktechniker und technischer Leiter eines WLANs für eine große, private Universität. Er unterrichtet außerdem die Themen Netzwerk, drahtlose Netzwerk-Administration und drahtlose Security.

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Artikel wurde zuletzt im Februar 2016 aktualisiert

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