Die Bare-Metal-Switch-Branche bringt Bewegung in die Netzwerk-Welt

Die Anbieter so genannter Bare-Metal-Switche trennen Hardware und Software. Das Konzept kommt gut an und wird die Netzwerk-Branche verändern.

Die Bare-Metal-Switch-Branche übernimmt möglicherweise die Netzwerk-Welt oder auch nicht. Auf jeden Fall hat sie jede Menge Staub aufgewirbelt und einiges bewegt.

Lange Zeit hatten Netzwerk-Techniker gar keine andere Möglichkeit, als mit monolithischen Switchen zu arbeiten, die mit integrierter Hardware und Software konzipiert waren. Die Aussichten von SDN und Overlay-Netzwerken kündigen eine enorme Verschiebung an. Im Moment bleiben die meisten Switche allerdings fest wie ein iPhone verschlossen.

Bare-Metal-Switche faszinieren die Industrie, weil es hier das Potenzial für Veränderung gibt. Die Auflockerung von Hardware und Software befeuert zwei unterschiedliche Branchen, die unabhängig voneinander Innovationen einbringen können. Wir haben das in der Server-Branche schon gesehen. Das gleiche könnte in der Switch-Branche ebenfalls passieren. Es gibt mindestens drei Unternehmen, die sich als Software-Anbieter in der Bare-Metal-Welt versuchen.

Pica8 bietet das Linux-basierte Betriebssystem PicOS an, das sich auf White-Box-Switchen betreiben lässt, die von ODMs (Original Design Manufacturers) in Asien gebaut werden. Pica8 behauptet, 320 Kunden zu haben. Ich habe kürzlich mit einem dieser Kunden gesprochen. Er meint, dass er nie wieder einen vertikal integrierten Switch verwenden würde.

Big Switch Networks ist ein weiteres SDN-Start-up-Unternehmen. Die Firma liefert Big Cloud Fabric aus. Es handelt sich hier um ein OpenFlow-basiertes SDN-Produkt für das Data Center, das mit White-Box-Switchen via ODMs ausgestattet ist. Das Unternehmen sagt, dass es Buchungen im Wert von zirka einer Million US-Dollar vorweisen kann. Man plant hier, zwischen zwei und 16 Data-Center-Racks pro Kunde auszuliefern.

Dann gibt es noch Cumulus Networks, das im letzten Jahr mit Cumulus Linux auftauchte. Es handelt sich hier um ein weiteres Betriebssystem für Bare-Metal-Switche. Anfänglich hat Cumulus seine Software auf White-Box-ODM-Switchen ausgegeben, ganz ähnlich wie Big Switch und Pica8. In diesem Sommer hat Cumulus verkündet, dass man mehr als eine Million Netzwerk-Ports mithilfe seiner Bare-Metal-Software betreibt. Es wird spekuliert, dass sich viele dieser Ports in Data Centern für Amazon Web Services befinden. Grund ist der sehr enthusiastische Blog-Beitrag über Cumulus, den der Amazon-Techniker James Hamilton im letzten Jahr geschrieben hat.

Auf der Seite der Hardware-Innovationen wurde Dell zum ersten etablierten OEM-Switch-Hersteller, der sich mit Bare-Metal-Switching beschäftigte und seine Open-Networking-Initiative ankündigte. Als Teil dieses Schritts erlaubte es Dell seinen Kunden, einige Modelle seiner Switche mit Cumulus Linux zu erwerben. Später wurde auch Switch Light von Big Switch in das Programm aufgenommen. Dell behauptet, dass man nun mehr als zwei Dutzend Kunden habe, die Open-Networking-Switche verwenden. Darunter befindet sich auch der  CEM-SaaS-Provider Medallia.

Wie die meisten Kunden von Dells Bare-Metal-Switchen verwendet auch Medallia Cumulus Linux als Betriebssystem. Die Partnerschaft mit Big Switch wurde erst einige Monate später bekannt gegeben und somit gab es an dieser Stelle weniger Zeit, um Kunden zu gewinnen.

Medallia setzt ausschließlich auf Linux auf der Server-Seite. Da es sich bei Cumulus genau genommen um eine Linux-Distribution handelt, kann Medallia seine Switche und Server mit nur einem Orchestrierungs-Tool managen – Puppet. Tom Burns ist Vize-Präsident und Geschäftsleiter von Dell Networking. Er sagte, dass dieser Umstand den Betrieb vereinfache.

Neben der Innovation verändert Bare-Metal-Switching auch die wirtschaftliche Seite von Networking. White-Box-Switche mit Software von Dritten sind wesentlich günstiger als Switche von Cisco und der OEM-Konkurrenz.

Switch-Hersteller mit einem Namen können höhere Preise verlangen, weil Netzwerk-Techniker eine Aversion gegen Risiken haben. Die Netzwerk-Administratoren wissen genau, dass Switche von Cisco, Juniper und anderen etablierten Firmen ganz einfach funktionieren. Sollte das nicht der Fall sein, bieten diese Unternehmen technischen Support an und haben zudem noch eine globale Versorgungskette. Damit lassen sich schnell jegliche Probleme lösen. ODMs haben diesen Leumund nicht.

Da Dell nun bei Bare-Metal-Switching mitspielt, verändert das den Markt. Das Unternehmen hat die erwünschte Support-Infrastruktur und die Versorgungskette. Somit ist vielen Technikern die Angst genommen. Dells Bare-Metal-Switche sind möglicherweise etwas kostspieliger als White-Box-Switche, allerdings auch günstiger als Dells vertikal integrierte Switche.

„Wir haben bei der Ankündigung von Open Networking berechnet, dass wir 20 bis 30 Prozent teurer als White-Box-ODMs sind, aber auch 20 bis 30 Prozent günstiger als unser Listenpreis“, sagt Burns.

Dell wird sein Bare-Metal-Switch-Portfolio ständig ausweiten. „Wenn wir Auffrischungen in derzeitigen Plattformen oder neue Plattformen ankündigen, werden all diese Plattformen auf dieser Strategie basieren. Das gilt im Speziellen bei der Aggregation von Top-Rack-Switchen“, erklärt Burns. „Kunden werden die Wahl haben, Betriebssystem-Software von Dell, Cumulus, Big Switch und vielleicht noch weitere Optionen einzusetzen“, fügte Burns an.

Als Teil dieser Expansion arbeitet Dell laut Burns an einem Standard-Bootloader für all seine Switche, um die Installations-Umgebung zu vereinfachen. Somit könnte der jeweilige Switch all die verschiedenen Betriebssysteme unterstützen, mit denen er laufen soll. Dell hat sich nicht verpflichtet, das Open Network Install Environment zu verwenden. Das ist ein Open-Source-Bootloader, der zur Bare-Metal-Initiative von Open Compute Project beigesteuert wurde. Laut Burns arbeite man allerdings mit einigen größeren Kunden bezüglich Open Compute Project zusammen und würde sich über dieses Thema austauschen.

Wie Dell an die Sache herangeht, dass sich verschiedene Betriebssysteme auf den Switchen installieren und betreiben lässt, ist das erste konkrete Beispiel eines OEM-Switch-Herstellers, der Innovationen bei der Hardware zeigt, um die Software zu entkoppeln. Es wird mit Sicherheit nicht der letzte sein.

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Artikel wurde zuletzt im Januar 2015 aktualisiert

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