Wie man Unterstützung für Peripheriegeräte auf virtuellen Desktops handhabt

Die großen Anbieter unterstützen diverse Peripheriegeräte in virtuellen Desktop-Umgebungen. Wir zeigen Ihnen, welchen Optionen zur Verfügung stehen.

Bei Desktop-Virtualisierung läuft man eigentlich andauernd der Unterstützung für Peripheriegeräte hinterher. Sich entwickelnde Standards wie USB, allgegenwärtige und Ressourcen-hungrige Webcams, sowie Soft-Phones sind natürlich als Peripheriegeräte auch auf virtuellen Desktops gefragt.

Die Unterstützung solcher Peripheriegeräte ist extrem wichtig, um den Anwendern das Leben mit virtuellen Desktops so angenehm wie möglich zu machen. Ohne Zugriff auf die bekannten Drucker, Ports und andere Peripheriegeräte wird es schwer, eine Akzeptanz für virtuelle Desktops zu etablieren. Als Administrator müssen Sie wissen, welche externen Geräte auf dem Markt sind und wie Sie die Unterstützung dafür gewährleisten.

USB-Geräte

USB-Geräte können für virtuelle Desktops eine echte Herausforderung sein. Produkte wie XenDesktop von Citrix erlauben eine Interaktion von USB-Traffic mit dem virtuellen Desktop. Allerdings müssen Sie dieses Feature mit Bedacht implementieren. Geräte mit USB 2.0 erlauben Brutto-Datentransferraten von bis zu 480 Mbit/s und bei USB 3.0 sogar 5 Gbit/s. Auch wenn dieser Werte nicht in der Praxis erreicht werden, kann das doch die schnellsten WAN-Verbindungen erheblich belasten, wenn nicht sogar in die Knie zwingen.

Der USB-Standard klassifiziert jedes Gerät mittels eines Class-Codes. Jedes große Desktop-Virtualisierungs-Produkt bringt ein wenig unterschiedliche Unterstützung für Peripheriegeräte mit sich. Einen generellen Artikel zu den Übertragungsprotokollen HDX, remoteFX und PCoIP

Citrix XenDesktop und XenApp: Per Standard erlaubt Citrix Mikrofone, Force Feedback Joysticks, digitale Kameras, Drucker, Kopierschutz-Dongles und -Schlüssel für Software-Lizenzen. Hinzu kommen Storage-Geräte wie CD/DVD, USB-Festplatten und -Sticks.

Weiterhin gibt es Unterstützung für Webcams und TV-Tuner. Die HDX-Protokoll-Technologie ist in der Lage, den Video-Stream auf der Client-Seite zu komprimieren. Danach wird er auf den virtuellen Desktop in Raten zwischen 300 bis 600 Kbps Bandbreite geschickt. Somit lässt sich diese Technologie mit recht vielen Netzwerk-Optionen einsetzen. Im medizinischen Bereich gibt es außerdem Unterstützung für Blutdruck-Monitore, Herzfrequenz-Sensoren und andere dazugehörige Peripheriegeräte.

VMware Horizon View: HorizonView bringt ebenfalls Umleitungs-Unterstützung für viele Storage-Geräte und Webcams mit sich. Für Letzteres ist das PCoIP-Protokoll notwendig. Mit View können Sie ähnlich zu den Produkten von Citrix auswählen, welche externen Geräte erlaubt sind oder blockiert werden.

Microsofts Remote Desktop Session Host und VDI: Microsofts Desktop-Virtualisierungs-Tools benutzen die RemoteFX-Technologie für USB-Umleitung und unterstützen die meisten Geräte. Microsoft begrenzt ganz gezielt VoIP-Telephonie und Webcams auf das LAN.

Hier finden Sie einen Vergleich der Protokolle RemoteFX, HDX und PCoIP

Einige Peripheriegeräte, USB oder nicht, werden generell von Desktop-Virtualisierungs-Tools unterstützt. Dazu ist auch keine USB-Umleitung oder Fernzugriff (Remoting) notwendig. Dazu gehören Tastaturen, Mäuse und Smart Cards. Es kommt nicht darauf an, wie sich diese Geräte mit dem Client verbinden. Das kann Bluetooth sein, PS/2 und so weiter. Diese Peripheriegeräte funktionieren einfach so in virtuellen Desktop-Sitzungen, weil das Basis-Protokoll Unterstützung dafür mitbringt. Drucker und Laufwerke werden in der Regel ebenfalls unterstützt und brauchen kein USB-Remoting.

Zu den nicht unterstützten USB-Geräten bei Desktop-Virtualisierung gehören normalerweise spezielle Netzwerk-Geräte wie USB-Bluetooth- oder WLAN-Adapter.

Die Plattformen von Microsoft, Citrix und VMware unterstützen zusätzlich das bekannte Hot Plug/Unplug von USB-Geräten. Somit müssen diese USB-Geräte nicht zwingend beim Starten einer Sitzung verbunden sein.

Bei der Unterstützung von USB-Geräten müssen Sie deren Ressourcen-Ansprüche im Hinterkopf behalten. Schickt eine USB-Kamera zum Beispiel ein unkomprimiertes HD-Video zu einem Client auf die Reise, kann das schnell 60 Mbps an Bandbreite fressen. Deswegen sollten Sie in bestimmten Fällen nur LAN-Verbindungen zulassen. Möglich sind auch vom Hersteller zur Verfügung gestellte Technologien, die das Netzwerk weniger belasten. Netzwerke mit hoher Latenz und geringer Bandbreite eignen sich oft schlecht für USB-Unterstützung. Der virtuelle Desktop kommt möglicherweise mit den großen Verzögerungen beim Zugriff auf diese Geräte nicht zurecht. Das führt wiederum zu Fehlern, Timeouts und Instabilität.

Unbeständige (nonpersistent) virtuelle Desktops bezeichnet man als solche, bei denen die Sitzung mit Abmelden des Anwenders „gelöscht“ wird. Diese können ebenfalls zu Problemen in Bezug auf USB-Geräte führen. Die Information von der letzten Sitzung wird nicht beibehalten. Somit muss USB jedes Mal durch die Phasenerkennung sowie -kreation und die Peripheriegeräte entsprechend konfigurieren, wenn sich ein Anwender anmeldet. Dieser Umstand stresst den Server und die entsprechenden Subsysteme. Bei beharrlichen (persistent) virtuellen Desktops bekommt der Anwender bei einer Anmeldung immer die gleiche virtuelle Maschine zugewiesen. Diese sind besser für USB-Unterstützung geeignet, weil sie die Geräte-Informationen innerhalb der virtuellen Maschine speichern.

Scanner

Einige virtualisierte Desktop-Umgebungen unterstützen Scanner, mit denen man digitale Kopien von Dokumenten und Fotos erstellen kann. Verfügt das Client-Gerät über eine TWAIN-konforme Schnittstelle, unterstützen Citrix XenApp und XenDesktop die Verwendung dieser Maschinen. Dell/Quest RemoteScan erlaubt TWAIN- oder WIA-konforme Geräte, inklusive Scanner. Diese lassen sich über das Netzwerk gemeinsam benutzen. Auch virtuelle Desktops können die RemoteScan-Software installieren und somit auf diese Scanner zugreifen. Damit ist es unabhängig, ob der Client direkt mit dem Gerät verbunden ist oder nicht.

Drucker

Das Drucken hat enorme Fortschritte gemacht, kann aber bei virtuellen Desktops immer noch ein Problem sein. Eine Lösung ist die Drucker-Umleitung. Dabei wird der Drucker des Clients direkt (USB, seriell, parallel und so weiter) oder indirekt (über das Netzwerk) abgebildet und dann in die Sitzung des virtuellen Desktops dupliziert. Sobald Anwender aus ihrem virtuellen Desktop drucken, wird der Druckauftrag an den Client und den Drucker weitergegeben.

Das sind eine Menge Hebel, die beim Drucken in Bewegung gesetzt werden und dabei kann natürlich einiges schief laufen. Drucker-Treiber können ganz einfach den Dienst verweigern, oder der Drucker-Spooler-Dienst kann auf dem Client oder der virtuellen Desktop-Sitzung abstürzen. Hier sind hunderte oder tausende an Treibern im Spiel. Es gibt allerdings eine weniger komplexe Alternative.

Citrix bietet zum Beispiel einen Universal Print Driver (UPD) an. Dieser ersetzt die speziellen Treiber für die entsprechenden Drucker. Microsoft verwendet eine ähnliche Technologie, die sich Easy Print nennt. Allerdings haben auch diese Alternativen Nachteile. Natürlich können sie nicht jedes Feature von jedem verfügbaren Drucker unterstützen. Sollte der Drucker eine Funktion besitzen, mit der der universelle Treiber nicht umgehen kann, ist diese ganz einfach nicht benutzbar. Citrix hat noch eine weitere Technologie im Portfolio, die UPD oder einen nativen Windows-Treiber verwendet, um mit dem Universal Print Server zu kommunizieren. Ein Vorteil davon ist, dass der Druckauftrag komprimiert wird und somit das Netzwerk weniger belastet.

Tricerat Screwdrivers und Cortado ThinPrint offerieren eine ähnliche Herangehensweise und unterstützen damit Nicht-Citrix-Plattformen.

Weitere Überlegungen zu Peripheriegeräten

Viele Geräte, die sich als virtuelle Desktop-Clients benutzen ließen, haben Multi-Touch-Bildschirme. Somit wird das Verlangen nach dem Einsatz von Gesten der Typen „Tippen“, „Zusammendrücken“, „Zoomen“ und „Schwenken“ auf virtuellen Desktops immer größer. Microsoft bietet in Windows 8 und Windows Server 2012 RemoteFX Multi-Touch an, um diese Art von Peripheriegeräte-Unterstützung zu adressieren.

Beim Thema Unterstützung von Peripheriegeräten in virtuellen Desktops müssen Sie genaue Untersuchungen hinsichtlich der Möglichkeiten tätigen. Auch wenn Sie Listen mit unterstützten Funktionen vor sich haben, ersetzt das keine echten Tests in Ihrer eigenen virtuellen Desktop-Umgebung. Ebenso sind Tests über das Netzwerk unbedingt notwendig. Nur so weiß die IT-Abteilung, was Sie den Anwendern bieten kann.

Artikel wurde zuletzt im Mai 2014 aktualisiert

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