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Wege zu einer hybriden Cloud-Netzwerkarchitektur

Direkter Internetzugang, Software-defined WAN, DCC oder WAN-Cloud-Exchange – es gibt viele Wege hin zu einer hybriden Cloud-Netzwerk-Architektur.

Fast alle Unternehmen stellen mittlerweile einige ihrer wichtigsten Anwendungen als Software as a Service (SaaS) über die Cloud bereit. Mehr als zwei Drittel der Firmen nutzen Infrastructure as a Service (IaaS) als Ergänzung zu den Ressourcen ihrer internen Rechenzentren; durchschnittlich haben sie etwa zehn Prozent ihrer Workloads von den hauseigenen Servern auf IaaS-Dienste in die Cloud verlagert. Mehr als die Hälfte der Unternehmen nutzen Platform as a Service (PaaS) als Cloud-Infrastruktur für die Entwicklung ihrer Anwendungen. PaaS unterstützt den gesamten Softwarelebenszyklus, vom Design über die Entwicklung, den Test, die Auslieferung bis hin zum Betrieb der (Web)Anwendungen.

Das Problem: Viel zu viele Unternehmen passen ihre IT-Infrastruktur nur selten an die neue Cloud-Situation an und verlassen sich zur Versorgung ihrer Anwender auf die gleiche Netzwerkarchitektur, die sie nutzten, als sie die meisten Services über ihr eigenes Rechenzentrum bereitstellten. Doch im Zeitalter der hybriden Services und der Cloud müssen Unternehmen beim Netzwerk umdenken und eine hybride Cloud-Netzwerkarchitektur implementieren.

Beim Aufbau einer hybriden Cloud-Netzwerkarchitektur sollte großes Augenmerk auf die Verbindung und die Übertragung der Daten von und zu diesen externen Cloud-Ressourcen liegen. Die meisten Unternehmen stellen über das öffentliche Internet eine Verbindung zu ihren Cloud-Anbietern her und leiten den gesamten Internetverkehr über ihre Rechenzentren um. Dieses Backhauling führt zu einem höheren Bedarf und möglicherweise Engpässen bei der WAN-Bandbreite, hoher Latenz, reduziert die Performance im Netzwerk und erhöht den Management-Aufwand.

Option SD-WAN

Aktuell bieten mehrere neue Ansätze großes Potenzial für die Optimierung von Netzwerken. Ein Beispiel ist ein direkter Internetzugang in Niederlassungen oder Filialen von Unternehmen ohne Umweg über das zentrale Rechenzentrum – meist wird dieses Szenario im Zusammenhang mit einer SD-WAN-Infrastruktur diskutiert (Software-defined Wide Area Network). SD-WANs bilden Netzwerke, die über ein Software-Interface gesteuert werden und unabhängig von der verwendeten Hardware arbeiten. Damit ersetzen SD-WANs manuell konfigurierte Router durch ein virtuelles Netzwerkdesign mit automatisierter Provisionierung. Sie vereinheitlichen und vereinfachen die Administration komplexer Netzwerke und ermöglichen schnelles Management des Datenverkehrs über mehrere Verbindungen. Zudem können Unternehmen über LANs, WANs und Public Clouds hinweg ein einziges softwaregesteuertes Netzwerk aufsetzen.

Die IT-Abteilung kann über SD-WAN mehrere WAN- und Internetverbindungen in einer Niederlassung zu einem Pool zusammenfassen und erreicht so höhere Leistung zu niedrigeren Kosten. Zudem ist es möglich, den Datenverkehr zur Filiale gezielt aufzuteilen und ihn direkt an Cloud-Dienste zu senden, um die Last auf interne und meist teure WAN-Verbindungen zu senken, die meist auf MPLS basieren (Multi Protocol Label Switching). Mit dieser Methode lässt sich die Leistung von SaaS-Anwendungen erheblich verbessern. Dies gilt vor allem für Nutzer in Gebieten mit verschiedenen Optionen für die Internetverbindung und geografischer Nähe zu einem wichtigen Knotenpunkt des Cloud-Anbieters.

Option: Direct Cloud Connect

Eine weitere wichtige Option für die Architektur eines Hybrid-Cloud-Netzwerks ist die direkte Cloud-Verbindung (Direct Cloud Connect DCC). In diesem Szenario fließt etwa der Backend-Datenverkehr im Unternehmen zwischen Anwendungen im Rechenzentrum und einigen strategischen SaaS-, PaaS- oder IaaS-Anwendungen. Die Latenzzeit oder Schwankungen bei der Latenzzeit können hier die Leistung des Gesamtsystems erheblich mindern. Um dies zu verhindern, vereinbart das Unternehmen mit dem Cloud-Provider den direkten Netzzugang zum Cloud Service. Amazon nennt diesen Service Direct Connect, bei Microsoft heißt er ExpressRoute und andere Anbieter haben ihre eigenen Namen dafür. Anschließend richtet das Unternehmen eine direkte Verbindung von seiner Infrastruktur zur Infrastruktur des Providers ein.

Dies kann in einem Rechenzentrum erfolgen, in dem sowohl das Unternehmen als auch der Provider ihre Infrastruktur hosten; in diesem Fall legt ein Vertrag fest, dass das Unternehmen einen Port seines Routers in seinem Areal via Kabel mit einem Router aus der Zone des Providers verbindet. Die Vernetzung kann aber auch über eine Infrastruktur des Telekommunikations-Anbieters stattfinden; der Kunde mietet dabei im Rechenzentrum einen Port auf dem Router des Telko-Providers, erweitert sein WAN um diesen Router-Port und zahlt für ein Kabel, das von diesem Port zum Router des Cloud-Providers gezogen wird. In beiden Fällen fließt der Datenverkehr nun zuverlässig, berechenbar und mit hoher Geschwindigkeit vom Rechenzentrum des Unternehmens zum Rechenzentrum eines Cloud-Providers.

Option: WAN-Cloud-Exchange

Eine Alternative zum Direct Cloud Connect für den Aufbau einer hybriden Cloud-Netzwerkarchitektur bilden WAN-Cloud-Exchange-Lösungen (WAN-CX). Unternehmen können über einen Cloud Exchange, auch Cloud Interconnect oder Multi-Cloud-Zugang genannt, ihre WANs einfach mit den Netzwerken verschiedener Cloud-Anbieter verbinden.

Das Unternehmen baut hier eine Verbindung zu einer Cloud-Exchange-Umgebung auf ‑ möglicherweise in einem Colocation-Rechenzentrum oder in der Infrastruktur eines MPLS- oder eines anderen Netzwerk-Providers – und nutzt dann virtuelle Leitungen für die Verbindung zum Cloud-Service-Provider. Der große Vorteil: Die IT kann sich über eine einzige Verbindung zum Cloud-Exchange mit vielen Cloud-Anbietern vernetzen, ohne für jede einzelne Verbindung einen dedizierten Port aufbauen zu müssen. Zudem senkt eine Cloud-Exchange-Umgebung im Vergleich zu einer direkten Verbindung die Gesamtkosten (Total Cost of Ownership, TCO). Dies ist vor allem der Fall, wenn es um kurzfristige Projekte geht (zum Beispiel die Integration einer zugekauften Firma oder die Abspaltung eines neuen Unternehmens), oder wenn der Datenverkehr zum Provider nur ein geringes Volumen umfasst.

Fazit

Der direkte Internetzugang, Software-defined WAN, Direct Cloud Connect und WAN-CX bieten je nach Szenario große Vorteile; zudem entstehen stetig Variationen und neue Optionen. Allerdings gilt: Unternehmen, die gerade eine Strategie für den Aufbau einer hybriden Cloud-Netzwerkarchitektur entwerfen, müssen immer wieder genau prüfen und anpassen, wie sie derzeit ihre Systeme und Nutzer mit Cloud-Anwendungen verbinden. Schließlich wird die Cloud im IT-Portfolio immer wichtiger.

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Artikel wurde zuletzt im Februar 2017 aktualisiert

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